Aufsatz 
Wallensteins Lager
Entstehung
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Nur ein Wort läßt Schiller den Küraſſier ſagen, das er, glaube ich, nicht gebrauchen kann. Als ſie mit in die Niederlande ſollen und unter den ſpaniſchen Infanten geſtellt werden, da fährt er auf: Nein,das geht nicht, wir laufen fort. Das kann aber er, der den Andern zuruft:Nichts, ihr Herrn, wider die Disciplin und der zu dem Promemoria räth, nicht ſagen.

Neben den ſchweren, ernſten Küraſſieren bewegen ſich die Holkiſchen Jäger leicht und wohlgemuth; ſchmuck und ſtattlich treten die Grünröcke ein mit ſilbernen Treſſen, mit ſauberen Spitzen am Kragen, mit feiner Wäſche und flattern⸗ den Federn am Hut. Ehe ſie ſich noch zu den Wallenſteinern ſetzen, bleiben ſie bei der Marketenderin ſtehen, bei der der Eine vor Zeiten ein guter Kunde war, noch wohlgekannt; des Vaters goldne Füchſe hatte er, als die Liga noch gute Tage hatte, in einer luſtigen Nacht zu Glückſtadt durchge⸗ bracht; ſie plaudern mit ihr und ſchäkern mit der Aufwär⸗ terin; kaum haben ſie bei den Andern Platz genommen mit allem Selbſtgefühl und mundfertig gegen den Wachtmeiſter, ſo ſind ſie ſchon wieder auf etwas Neues aus und wie es kommt, zum Tanz, als die Prager aufſpielen, oder zu Hän⸗ deln mit den Dragonern bereit. Sie haben abgebrochen mit der Vergangenheit und ſehen nicht in die Zukunft, nur für den Augenblick leben ſie. Mannszucht darf ſie dabei nicht weiter incommodiren; dieſe hat den Einen von Guſtav, dem Leuteplager, vertrieben hinüber zu den Ligiſten, wo Tilly's Wahlſpruch gilt: Leben und leben laſſen.

Nach der Leipziger Fatalität hat er Handgeld genommen bei den Sachſen, aber den bloßen Sicherheitsdienſt und das Gemachthun bei ihnen in Böhmen nicht aushalten können. Nun brauſen ſie als des Friedländers wilde Jagd, daß nach hundert und aber hundert Jahren die Leute noch von ihnen erzählen, über das Land hin, durch die Saat, durch das