Aufsatz 
Wallensteins Lager
Entstehung
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erſten Blick der Art, daß man alle Regimenter für Wallen⸗ ſteiniſch hält mit Leib und Leben; grade wie die Oberſten. Der Kapuziner und Oueſtenberg werden gleichmäßig ſchlecht aufgenommen, zu jenem halten nur die verachteten, dummen Kroaten, zu dieſem Octavio, der falſche; die Abgeſandten des Hofs müſſen gegen Mißhandlung in Schutz genommen werden.

Vergötterung des Wallenſtein, Gleichgültigkeit gegen den Kaiſer, Verachtung gegen die Regimenter, die zu ihm halten, Gefährdung ſeines Abgeſandten und des Bundesgenoſſen und Werkzeugs vom Hof, des Geiſtlichen, feindſelige Stimmung gegen den erſten katholiſchen Fürſten nach dem Kaiſer, gegen den Baiernherzog, iſt überall in der Geſinnung des Heeres.

Aber Wallenſtein's Unternehmen glückt ja nicht, er fällt und die Haltung der Regimenter iſt zum guten Theil daran ſchuld; im fünften bis zum achten Auftritt des dritten Auf⸗ zugs von Wallenſteins Tod hören wir von Nichts als Ver⸗ rath und Meuterei. Der allgemeine Geiſt iſt freilich Wallen⸗ ſteiniſch, wir ſind in Wallenſteins Lager; aber in den ein⸗ zelnen Regimentern lebt noch ein beſonderer Geiſt und der tritt im Augenblick der Entſcheidung zu Tag; der allgemeine zerſtreut ſich da in eignen Sorgen und Intereſſen.

Vollen Verlaß hat Wallenſtein von vornherein nicht auf das ganze Heer, ſo wenig wie auf die Oberſten; die nach Pilſen zuſammengerufenen Mannſchaften ſollen bear⸗ beitet werden von ſeinen eigenen Regimentern und denen ſeines Schwagers, daß ſie ſich gleich zufriedenſtellen und feſter mit den Andern verbinden; gerade wie bei den Oberſten mancherlei Mittel angewendet werden, z. B. daß dem Iſolani ſeine Schulden bezahlt werden, Buttler General⸗Major wird und weiterhin der Betrug geſpielt wird beim Bankett mit der Unterſchrift; in gute Stimmung will man ſie bringen, daß ſie, ohne zur Beſinnung kommen zu können, überraſcht