Aufsatz 
Wallensteins Lager
Entstehung
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Löhnung für den Tag, um die Neugekommenen zu tractiren und in Stimmung zu bringen. Von der Gegenſeite poltert und hetzt ein Kapuziner gegen Wallenſtein. Von 30 Regi⸗ mentern ſind die Oberſten zuſammengekommen, nur zwei nicht; den Abend gibt ihnen Graf Terzky, Wallenſtein's Schwager, ein Bankett, bei dem derMutter Ehrenweine preisgegeben werden, mit beſonderen Abſichten. Queſtenberg hat an einzelne Oberſten geheime Aufträge. Der Geſſtliche und der Diplomat ſind zu gleicher Zeit im Lager, in gleicher Abſicht, der eine bei den Mannſchaften, der andere bei den Generälen; beide wohl von Pater Lamormain in Wien ge⸗ ſchickt, oder wenigſtens iſt der Kapuziner nicht gekommen, ohne daß es der Hof gutheißt. Der Fürſt hat Frau und Tochter aus Kärnthen kommen laſſen.

Es iſt ein Gemunkel und Geſchicke. Etwas iſt im Werke.Er ruft hier viel zuſammen; Ich fürchte, wir gehen nicht, wie wir gekommen, ſagt einer der Oberſten.

Soviel iſt unter die Soldaten gekommen: der Fürſt iſt

dem Kaiſer zu hoch geſtiegen; in Wien fürchten ſie ſein heimlich Geſicht; er ſoll Böhmen räumen; 8000 Reiter ſollen aufſitzen und in die Niederlande in ſpaniſchen Dienſt und unter ſpaniſche Führung treten, ganz gegen das Pactum. Das macht böſes Blut, dem will ſich das Heer mit Aus⸗ nahme der Arkebuſiere nicht fügen; die Regimenter reichen bei Max Piccolomini ein Promemoria ein, daß ſie nicht Gewalt, noch Liſt von Wallenſtein treiben ſoll; ſie rechnen bei Max auf Fürſprache, bei dem Friedländer auf Gehör.

Von da aus ſind wir ſchon in der dramatiſchen Span⸗, nung, wir ſind auf einen Zuſammenſtoß gefaßt zwiſchen dem Feldherrn, der ſein Heer um ſich ſammelt, und dem Hof, der ſich auf Diplomatie und Kirche ſtützt.

Die Stimmung des Heeres erſcheint dabei auf den