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loſe Gebiete getheilt, größere und ganz kleine, monarchiſche, weltliche und geiſtliche, und republikaniſch⸗ reichsſtädtiſche, das ganze iſt eine bunte, vielzählige Ariſtokratie dem Namen nach unter einem Oberhaupt, in lockerer Verbindung; kirch⸗ lich getrennt in lutheriſche, reformirte, katholiſche Territorien.
Die lutheriſchen Gebiete ſind ſeit dem Augsburger Reichs⸗ tag 1555 in leidlichem Frieden mit den Katholiſchen; die Reformirten, als ausgeſchloſſen, mit beiden in Spannung, die Bevölkerung iſt in ihrem Bekenntniß allerwärts abhängig von dem ihrer mitunter wechſelnden Landesherrn.
Gefährliche Vorgänge in Köln, Donauwörth, dem Her⸗ zogthum Jülich und anderswo zwingen die Reformirten zu einem Bündniß, zu der Union, wie früher zum Schmal⸗ kaldner Bund, freilich gleichgültig betrachtet von den größeren lutheriſchen Staaten oder geradezu übelwollend; die Katho⸗ liſchen ſind in der Liga zuſammen. Ein Jahrzehnt ſeit der Stiftung der Bündniſſe iſt man auf einen Ausbruch gefaßt, Trauer liegt im Voraus in den Gemüthern, die hundert⸗ jährige Feier der Reformation 1617 war eine trübe.
Im Jahr darauf bricht in Böhmen der Krieg los; Böhmen, Mähren, Schleſien, die ſeit faſt hundert Jahren mit Oeſterreich durch Wahl in Verbindung waren, ſind in Gefahr verloren zu gehen und zwar doppelt, für das Haus Habs⸗ burg und für den Katholicismus, gerade an das Haupt der Union. Da greift die Liga ein, durch die Schlacht am weißen Berg wird der Pfälzer Kurfürſt Friedrich für immer aus Böhmen verjagt, raſch ſind die Staaten im Süden des Reichs, die Kur⸗Pfalz vor allen, überwältigt, die Union aus dem Feld geſchlagen, ihre Theilnehmer flüchtig und Tilly auf dem Weg gegen die Proteſtanten im Norden.
Aber dieſe Erfolge freuen den Kaiſer Ferdinand nur in einem Theil, ſie haben zugleich etwas Drückendes für ihn; den Sieg ſeines Hauſes und ſeines Glaubens verdankt er


