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zieht im Schmalkaldiſchen Krieg gegen Fürſten im deutſchen Reich zu Feld, in deren Land der Abfall vom Katholicismus begonnen hatte, oder die die Schirmherrn der Neuerungen geworden waren; das deutſche Volk, auf dem Weg ganz und ins⸗ geſammt proteſtantiſch zu werden, wird gewaltſam aufgehalten, bleibt auf halbem Weg ſtehen und durch ſeine Mitte geht nun die unſelige Spaltung, die trennende Grenzlinie, diesſeits und jenſeits deren ſonſt nur glaubenseinige Völker wohnten.
Spanien geräth in langwährenden Krieg mit einer Provinz des eignen Reiches, die mit ihrem nördlichen Theil ganz ins Gebiet der neuen Lehre hereinreichte; in Frankreich ſind Jahrzehnte hindurch die kirchlichen Parteien trotz wieder⸗ holter Friedensſchlüſſe immer aufs neue im Kampf; ſo daß es das Ausſehen hat, als müſſe das Land darüber zu Grund gehen. Auch hier greift Spanien ein, Alexander von Parma hat Paris beſetzt, um den hugenottiſchen Prinzen nicht als König in die Hauptſtadt ziehen zu laſſen. Gegen England fährt von ſpaniſchen Häfen aus die Armada.
Aber alle dieſe Angriffe ſind nicht zum Ziel gekommen, der Proteſtantismus beſteht wie vor dem erſten Anfall; nur ſeine Verbreitung ſtockt überall. Und nun werden zum letzten Mal die Kräfte der ganzen katholiſchen Welt geſammelt und in Kampf geführt, eben dahin, wo der erſte, der Schmal⸗ kaldiſche Krieg ſeinen Schauplatz gehabt hat, ins deutſche Reich; es entſteht der große Krieg.
Aus dieſer Zeit holt unſre Dichtung ihren Stoff. Es iſt dieſelbe Zeit, die auch ſonſt eine reiche Fundgrube für unſere geſchichtlichen Dramen iſt; ſie iſt die Grundlage für Don Carlos und Maria Stuart, für Egmont und in ihren Anfängen auch für Götz von Berlichingen. Die ganze Zeit iſt ſelbſt wie ein großes Drama, das mit dem fünften Krieg, dem dreißigjährigen, als ſeinem fünften Aufzug zu Ende geht.
Das deutſche Reich iſt vor dem letzten Krieg in zahl⸗


