Aufsatz 
Gallicismen in niederrheinischen Mundarten : 1. Teil / von J. Leithaeuser
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10 zösischen Corps von 10 000 Mann am 8. Nov. Düsseldorf besetzt hatte, die Absicht in dieser Stadt sich zu verschanzen, um die Verbündeten zu erwarten, deren Vorläufer(einige Kosaken) bereits am 9. in Elberfeld eintrafen, doch lieſs er sich nach vielen Unterhandlungen bewegen, am 12. sich auf das andere Rheinufer zurückzuziehen: Am folgenden Tage rückten die ersten Kosaken ein. ¹)

Schon während des ganzen Krieges, besonders aber vor und nach der Schlacht bei Leipzig hatten zahllose französische Truppenmassen das Land durchzogen.²) Gegen Ende Oktober begann ein fast ununterbrochener Durchmarsch der Trümmer der französischen Heere und Besatzungen aus deutschen Festungen über Barmen-Elberfeld nach Düsseldorf oder Köln. Den Reigen eröffnete JérOme mit mehr als 8000 Mann.¹) Nun verging fast kein Tag, an welchem nicht französische Truppen durchgezogen wären. Vielfach kreuzten sich dieselben mit(zurückkehrenden) preufsischen und russischen Soldaten, und bei der immer noch vor- handenen Herrschsucht der Franzosen kam es nicht selten zu Reibereien. Erst nachdem am 30. Mai 1814 der Friede von Paris geschlossen war, begaben sich die französischen Be- satzungen von Hamburg und Magdeburg in ihre Heimat zurück. Die letztere unter General Lemarrois, 12 700 Mann stark, marschierte vom 6. bis 13. Juni durch Barmen und Elberfeld. Dann folgten noch einige kleinere Abteilungen von Franzosen, welche aus der Gefangenschaft, zurückkehrten. ¹)

Wohl war derlangen Vertilgung unserer Nationalsprache, der Verfolgung Deutscher durch Fremdlinge bis in unsere geheimsten und theuersten Verhältnisse, um mit Justus Gruner zu reden,³) jetzt ein Ende bereitet, allein die Nachwirkungen dieser achtjährigen Fremdherrschaft, verbunden mit den Einflüssen früherer Perioden waren so bedeutende und nachhaltige, dafs wir noch heute in den meisten Mundarten des Niederrheins zahlreichen Spuren derselben begegnen, die freilich im Laufe der Jahre teilweise verblafst sind.

Manches von dem, was wir gesammelt haben, ist bereits im Schwinden begriffen oder lebt nur noch in der Erinnerung des Volkes fort, anderes ist durch den gewaltigen Auf- schwung der Industrie und die damit verbundenen massenhaften Einwanderungen fremder Elemente verloren gegangen. Auch der Rest dürfte, sofern er nicht durch das Hochdeutsche unterstützt wird, allmählich der Zeit zum Opfer fallen.

¹) Ein in aller Eile zusammengebrachtes Geschenk von 30 000 Franks beschleunigte diesen Rückzug. Das Bergische Truppencorps hatte Napoleon schon beim Beginne des Krieges nach Frankreich gesandt, wo die Infanterie zur Besatzung von Cherbourg verwandt und später beim Einrücken der Verbündeten in Frankreich gefangen genommen wurde. Die Lanziers hatten zum Teile in Montmédy dasselbe Schicksal. ²) Eine vortreffliche Schilderung der Ereignisse aus den Jahren 1812 1816, soweit sie Elberfeld und Barmen angehen, enthält das handschriftliche Tagebuch des Joh. Carl Hackenberg aus Elberfeld, dem wir in unserer Darstellung folgen.. ³) Vom 2. 9. Nov., also kurz vor dem Eintreffen der Russen, sind in Barmen, wie die von französischen Offizieren ausgestellten noch erhaltenen Bons ausweisen, für französische Kavallerie 2837 Rationen fourrage geliefert worden. 4) Hackenberg giebt die gesamte Einquartierung Elberfelds i. J. 1814 auf 125 332 Mann(einsehlietslich der Offiziere) an. Bedenkt man nun, daſs die Zahl der durchmarschierenden Truppen mindestens ebenso grols gewesen, so kann man ermessen, welche aufserordentlichen Lasten das Wupperthal zu tragen hatte. S. auch v. Sybel p. 103. ³) In seiner Aufforderung an die Bergischen Jünglinge und Männer zum Kampfe für Deutschlands Freiheit: Goecke p. 91. 4