Aufsatz 
Gallicismen in niederrheinischen Mundarten : 1. Teil / von J. Leithaeuser
Entstehung
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Durch einen Ministerialerlaſs vom 5. Dezember 1809 war das französische Münz- system eingeführt worden, wie dies in Westfalen schon 1807 geschehen. Vom 21. Jan. 1810 ab sollteder Frank und seine Dezimalteile die einzigste Bezeichnungsart des Geldwertes im Lande sein. In den städtischen Rechnungen haben wir manchmal neben der Bezeichnung en francs auch dieen écus gefunden, doch bürgerte sich die französische Geldbezeichnung bald so sehr ein, daſs man derselben auch nach dem Abzuge der Franzosen 1814 noch in einzelnen Wertangaben begegnet.

Die Sprache der Regierung war die französische. Das Deutsche hatte daneben nur den Charakter einer ibersetzung. Murat machte überhaupt nicht den Versuch, Deutsch zu reden. und auch Jéroôme hat diese Sprache nie gelernt. Alle Erlasse dieser Herrscher, ihre Berichte, Ansprachen, Korrespondenzen u. s. w. waren in französischer Sprache abgefaſst, wie denn die Franzosen im Lande sich durchgängig derselben bedienten.¹) Aber auch die Berichte der einheimischen Behörden, so die aus den einzelnen Mairien, waren vielfach französisch, wie wir aus den uns noch erhaltenen Kopieen ersehen können. Die Ergebenheits- oder Glück- wunschadressen an Murat und Napoleon weisen dieselbe Sprache auf. Bemerkenswert in dieser Beziehung ist, dals nach dem Berichte des Ministers Beugnot die Anreden der Behörden an den Kaiser bei seiner Anwesenheit in Düsseldort am 2. Nov. 1811 ihm hauptsächlich deshalb gefielen, weil sie kurz undleidlich französisch waren. Auch auf Ortsbezeichnungen dehnte die französische Sprache ihre Herrschaft aus. ²)

Französische Zeitungen thaten den Willen des Gewalthabers kund, und durch vorgeschriebene Feste suchte man die Begeisterung des Volkes anzufachen. Alle Siege Napoleons mufsten durch Gottesdienst und allerlei Volksbelustigungen festlich begangen werden. ¹)

So machte die Französierung des Bergischen Landes auf allen Gebieten die besten Fortschritte, als der Umschlag des Jahres 1812 eine entschiedene Wendung herbeiführte. Schon zu Anfang des Jahres 1813 zeigte es sich, dals Beugnots Ansicht, die Masse des Volkes habe bei der Nachricht von Napoleons Niederlagen in Ruſsland offenen Schmerz an den Tag gelegt, ein verhängnisvoller Irrtum gewesen war. An vielen Orten kam der lange verhaltene Groll zum Ausbruche. Zwar gelang es dem mit Vollmacht über Leben und Tod ausgerüsteten General Lemarrois, mit äufserster Strenge den Aufstand zu unterdrücken,) und noch einmal sahen sich die Bewohner des Landes genbõtigt, auf des Kaisers Befehl die Siege bei Lützen und Bautzen zu feiern, bis endlich der Entscheidungskampf bei Leipzig die Fesseln brach. Noch hegte allerdings General Rigaud, welcher an der Spitze eines fran-

1) S. Wachter, Korrespondenz des Provinzialrates Theremin über die Verwaltung der Stadt Elberfeld in den Jahren 1806 und 1807, Z. d. B.-G.-V. 23, 237 ff.

2) So wurde der Neumarkt in KölnPlace de la République, dannPlace des Victoires, späterPlace de l'Empereur, auchPlace d'armes genannt. Weyden p. 26; Goecke p. 79. Über den Dinflufs Napoleons und seiner Maſsregeln auf die Industrie des Grofsherzogtums und die dadurch hervorgerufene Bitte der Kaufmannschaft zu Elberfeld um Vereinigung des Landes mit Frankreich vgl. Goecke p. 50, 77; Harless a. a. O. p. 46.

3) Im Archiv von Barmen befinden sich zahlreiche Prlasse und Berichte über derartige Feste; vgl. auch Wachter, Bericht über die Geburts- und Namenstags-Feier des Grofsherzogs Joachim in der Stadt Ronsdorf i. J. 1807, Z. d. B.-G.-V. 24, 245 fl. Auch französische Sitten und Gebränche fanden Eingang, worüber zu vergleichen Winter, Zur Geschichte des General-Gouvernements Berg. Z. d. B.-G.-V. 19, 71.

4) v. Sybel a. a. O. p. 81.