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überschwemmt hat.“(Gemeint ist das Turpinsche Husarenregiment, das am 19. Nov. einrückte.) Ein gleiches Schicksal hatten viele Städte des Bergischen Landes und der Umgebung auch während der nächsten Jahre des Krieges.¹) Eine amtliche„tabella generalis“ für 1757— 1760 giebt den Wert dessen, was die Franzosen in Barmen„erpreſset, verdorben und beschädiget haben,“ auf 10 594 Rthlr. 35 Stbr. an. Aus diesen Zahlen, welche nur das Geraubte betreffen, lälst sich entnehmen, welche Massen französischer Truppen unsere Gegend heimsuchten. Dazu kamen die zahllosen Lieferungen und Fuhren in andere Städte und Ortschaften, wo Franzosen einquartiert lagen. ²)
Schon durch die Namen der französischen Truppen und Regimenter, durch die von den Offizieren ausgehendeu Befehle, Rechnungen u. dgl., sowie vornehmlich durch den fort- währenden Verkehr mit den Soldaten hatten die Bewohner unserer Gegenden reichlich Ge- legenheit, französisch reden zu hören und selbst zu sprechen, und gewiſs werden manche Gallicismen sich noch lange in ihrer Sprechweise erhalten und, wenn auch vielleicht ver- stümmelt, auf ihre Nachkommen fortgeerbt haben. Zudem war dieser jahrelange Verkehr mit französischen Soldaten nicht die einzige Quelle, welche eine gesteigerte Aufnahme von Gallicismen in unsere Mundarten zur Folge hatte. Deutsche Zeitungen in französischem
Gewande vertraten die Interessen Frankreichs und verbreiteten seine Sprache.) Auch von
französischen Schauspielertruppen wird uns berichtet, welche im Lande umherzogen. Dazu kam eine stetig zunehmende Ausfuhr einheimischer Fabrikate nach Frankreich: Gebleichte Garne aus dem Wupperthale, Klingen aus Solingen, Wolldecken aus Burg, Eisenwaren aus Remscheid u. s. w. wanderten in groſsen Mengen über die französische Grenze. ¹)
Mag man immerhin alle bisher erwähnten französischen Einwirkungen auf die Sprache des Volkes am Niederrhein als nur vorübergehende bezeichnen, viel nachhaltiger war jeden- falls der Einflufs der französischen Fremdherrschaft unter Napoleon. Schon zu Anfang der neunziger Jahre durchzogen Scharen von französischen und brabantischen Emigranten unser Gebiet.) Ihnen folgten die begeisterten Truppen der französischen Republik unter Ney, Jourdan und Bernadotte.) Nun begannen die oben erwähnten Scenen des siebenjährigen Krieges sich zu wiederholen.„Sechs Jahre lang,“ sagt Goecke,?)„machten die Liberté,
¹) Dies nach den vorhandenen Archivalien. Genaueres über Namen und Stärke der einzelnen Regimenter bei Spannagel p. 102 ff.
2) Als solche werden genannt: Angermund, Balve, Cöllen, Dülmen, Düsseldorf, Elverfeld, Gerresheim, Hlückeswagen, Lunscheid, Mettmann, Mulheim am rhein, Ratingen, Rembscheidt, Wesel, Wipperfürth u. a.
3) So lesen wir in einem„Supplement“ der„Gazette de Cologne“ vom 12. Juli 1757:„Nous recevons de presque toutes les villes des Pars-Bas des détails des magnifiques Fôtes, qui s'y sont données pour les victoires remportées en Bohéme(gemeint ist ohne Zweifel die am 18. Juni erfolgte Niederlage Friedrichs bei Kollin). Les bornes de nos feuilles ne nous permettent pas de nous étendre Ja-dessus“.() Andere derartige Zeitungen erwühnt Weyden, Köln am Rhein vor 50 Jahren. 1862 p. 105. Im Jahre 1796 bestand auch ein„Courrier d'Elberfeld“, von dem uns noch einige Nummern erhalten sind, welche Bonapartes Siege in Italien feiern.
4) Gebhard, Bericht des Hof-Kammerrats Friedrich Heinrich Jacobi über die Industrie der Herzogtümer Jülich und Berg ans den Jahren 1773 u. 1774, Z. d. B.-G.-V. 18, 1— 148. Uber franz. Schauspielertruppen vgl. Merlo, Zur Gesch. d. Theaters in Köln. Annal. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 1890. 5, 149, 155, 185, 191.
5) Im Nachbarorte Schwelm, auf preufsischem Gebiete, hielt sich der Marschall Herzog von Broglio mehrere Monate mit Familie und zahlreichem Gefolge auf, wovon einige sogar das Bürgerrecht gewannen. Tobien p. 245.
) Barmen blieb infolge der Bemühungen der Frau Wichelhausen und des Pastors Müller, welche eigens nach Berlin gereist waren, von Einquartierungen befreit. Vgl. Z. d. B.-G.-V. 16, 161 u. 23, 209.
2) Das Grofsherzogtum Berg, Köln 1877 p. 2.
Die franz. Fremd- herrschaft 1806—1813 und ihre Folgen.


