Aufsatz 
Gallicismen in niederrheinischen Mundarten : 1. Teil / von J. Leithaeuser
Entstehung
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als im Mai 1679Marquis de Monjau, frantzösischer Obrister, mit 12 Compagnien Reutherey in diese Stadt einkommen, so das man mehrentheils hat mülſsen flüchtig werden, seine Ge- meinde verlassen und in den bewaldeten Gebieten an der Wupper seine Zuflucht gesucht habe.¹)

Als dann 1685 das Edikt von Nantes aufgehoben wurde, begann wiederum die Ein-Neue Ansied. wanderung reformierter Flüchtlinge aus Frankreich. Ganze Scharen von Hugenotten flüchteten lungen infolge über den Rhein und gründeten französische Kolonieen. Noch heute bestehen einzelne derselben 1. Auwedans fort, wie z. B. Friedrichsdorf im Taunus bei Homburg, wo man noch französischn Nantes. spricht, betet und singt, und Isenburg bei Frankfurt a. M. Auch in unserer Gegend haben sich von diesen Glaubensmärtyrern manche niedergelassen, was sich bei gewissen Familien noch im einzelnen nachweisen läfst.²) Die so oft wiederholte und durch Familientradition bekräftigte Behauptung, dals der in der Gegend von Remscheid und Kronenberg ungemein verbreitete Familienname Picard auf Masseneinwanderungen von picardischen Eisenarbeitern und Schleifern zurückzuführen sei, welche um diese Zeit ihre Heimat verlassen und durch ihre Gewerbthätigkeit den Grund zum Aufblühen der Eisen- industrie in den genannten Orten gelegt hätten, bedarf erst eines geschichtlichen Nachweises.)

Gegen das Ende des 17. Jahrhunderts nahm der Handel der Bergischen Industrie- Handel mit bezirke, besonders auch derjenige von Elberfeld-Barmen, welcher seit etwa 100 Jahren Pie keeichim wesentlich nach Holland(Rotterdam und Schiedam) gerichtet war, einen besonderen Jabehun dert. Aufschwung dadurch, dafs ihm auch der französische Markt eröffnet wurde.¹) Schon nach kurzer Zeit machte sich ein lebhafter Verkehr mit diesem Lande bemerkbar. Eine Reihe von jungen Kaufmannssöhnen aus dem Wupperthale bestanden ihre Lehre in französischen Städten, führten französische Korrespondenz mit ihren Angehörigen und verbreiteten die litterarischen Erzeugnisse Frankreichs in ihrer Heimat.*)

Unterbrochen wurde dieser friedliche Handelsverkehr noch einmal zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges. Wiederum waren es französische Truppen, von denen das Land zu leiden hatte. So ward am 8. Okt. 1708 die Stadt Ruhrort von einer Schar Franzosen über- fallen und ausgeplündert, wobei die Feindealles geldt, silberwerk, linnen undt Kleider undt was Ihnen nur anständig vorgekommen, daraufs geraubet, undt so groſsen schaden ver- uhrsachet haben, dafs die meiste dadurch zumahlen ruinieret worden.⁰⁴)

Um so mehr blühte nach dieser kurzen Unterbrechung der Handel wieder auf, wie wir aus zwei Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahr- hunderts entnehmen. In einer derselben sagt der Verfasser von den Bewohnern des Landes, sie suchtenauswerts vielfältig mit fremden Landen zu correspondiren, um, wann sich eine

¹) Tobien a. a. O. p. 299 u. 353.

) Holtmanns a. a. O. p. 30.

³) Das Vorkommen des Namens Pickert in Kronenberg 1549 und 1558 liefse auf eine viel frühere Einwanderung schlieſsen.

) Crecelius u. Werth, Urkunden zur Geschichte der Garnnahrung im Wupperthale II, Z. d. B.-G.-V. 17, 20. 45 ff.

»') So wissen wir z. B., dals u. a. Joh. Bredt seine Lehrjahre in Bordeaux, Engelbert vertsen und

Caspar Beckmann die ihrigen in Nancy zubrachten, wo letzterer 2 ½ Jahre weilte.

) Der Wert der geraubten Gegenstände belief sich auf 10 708 Rthlr. 49 Stbr. Vgl. Geschichte der Stadt Ruhrort nebst historischen Urkunden von einem alten Ruhrorter 1882 p. 76; und v. Eicken, Zur Geschichte der Stadt Ruhrort, Z d. B.-G.-V. 17, 1 ff.