Durchzüge frz. Truppen im 17. Jahrhundert.
4 zwischen den streitenden Parteien ist uns nichts bekannt, wir wissen nur, daſs auf der ersten reformierten Synode in Wesel(1568) beschlossen wurde, daſs in den niederländisch-französischen Gemeinden nach dem Katechismus von Genf unterrichtet werden sollte..
Allerdings erlieſs Herzog Wilhelm, wohl um die Gunst des Kaisers nicht zu ver- scherzen, vorübergehend strengere Befehle gegen die Fremdlinge, allein im Grunde duldete er die Ausländer gern und legte ihnen keine sonderlichen Hindernisse in den Weg, da er überzeugt war, dals ihr Gewerbefleils seinem Lande nur Nutzen bringen konnte.
Neben Wesel werden als Sitz französischer Gemeinden noch genannt die Städte Duisburg, Köln und Aachen. In Köln, so berichtet uns v. Recklinghausen,¹) bestanden schon im 16. Jahrhundert drei reformierte Gemeinden, nämlich eine deutsche, holländische und französische, deren jede ihren eigenen Pfarrer hatte. Dafs Aachen infolge seiner Lage hart an der Grenze in erster Linie von Vertriebenen als Zufluchtsort gewählt wurde, versteht sich von selbst; von hier aus verbreiteten sie sich in das Jülichsche und Kölnische Land.
Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts sind auch in Elberfeld und Barmen, wie aus den erhaltenen Kirchenbüchern ersichtlich, niederländische Familien z. B. Antwerpener, ein- gewandert, doch läſst sich mit Sicherheit nicht mehr feststellen, ob sich unter denselben auch Wallonen oder Franzosen befanden.²) Dagegen wissen wir, daſs in den Jahren 1595—1605 Kriegsvolk aller Art, namentlich Spanier, mit denen man gewöhnlich französisch verhandelte, und Wallonen im Wupperthale sowie in vielen anderen Orten von Cleve, Berg und Mark sich vorübergehend aufgehalten und durch Raub und Plünderung den Handel und Verkehr oft in empfindlicher Weise gestört haben. Berichte aus jener Zeit klagen wiederholt über grausame Mifshandlungen und Verwüstungen.³¹) Diese Truppendurchzüge dauerten während der Streitigkeiten des Kurfürsten Sigismund von Brandenburg mit dem Pfalzgrafen Walfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg fort und erreichten während der Zeit des dreilsigjährigen Krieges ihren Höhepunkt. ¹).
Kaum waren die Spuren dieses verhängnisvollen Krieges einigermaſsen vertilgt, als aufs neue die Kriegsfackel aufloderte: Die Scharen Ludwigs XIV. waren es, welche unsere Gegend überschwemmten. In den Jahren 1672— 1679 finden wir plündernde Franzosen- abteilungen in vielen Orten des Bergischen Landes, In Kronenberg sah man sich 1673 genötigt,„aufs gefahr der Frantzosen“ den Armenstock der reformierten Gemeinde zu öffnen. ⁵) Aus dem benachbarten Schwelm wird uns berichtet, dafs der reformierte Pfarrer Rebenscheid,
¹) Reformationsgeschichte der Lnder Jülich, Berg, Cleve und Meurs I., 303. Als Pfarrer der fran- zösischen Gemeinde in Köln nennt er: Johann Queroneus 1577, Doucherus, Joh. Moreau 1619—1627, Jac. Dury 1624, doch soll die Gemeinde schon vor 1560 bestanden haben.
²) Jedenfalls aber war um dieselbe Zeit schon den Flberfeldern Gelegenheit geboten, Französisch zu lernen; das beweist der Umstand, dafs am 7. Sept. 1601 im Totenregister von Elberfeld aufgeführt wird:„Jacobs Anne-marie, welche hir die Kinder frantzosch lert.“
3) Crecelius, Nachrichten über den Einfall der Spanier in den niederrheinisch-westfülischen Kreis 1598 und 1599, Z. d. B.-G.-V. 23, 173 ff. vgl. auch 24, 23— 25.
4) Ausführliches bei Averdunk, Duisburg zur Zeit des Jülich-Clever Erbfolgestreits, Progr. d. Gymn. Duisburg 1884. Tobien, Bilder aus der Geschichte von Schwelm 1890 p. 10. Von dem Eindringen französischer Elemente in die Schriftsprache seit dem dreifsigjährigen Kriege handeln: Schacht, Uber den Kampf der deutschen Sprache gegen fremde Elemente, Progr. d. Realsch. Elberfeld 1866; und Brandstäter, die Gallicismen in der deutschen Schriftsprache, Leipzig 1874 p. 9.
⁵) Chronik der Bürgermeisterei Kronenberg von Holtmanns, Herold u. Cassel, Remscheid 1877 p. 29.


