Schulnachrichten.
A. Schulchronik.
Die Eröffnung des neuen Schuljahres erfolgte durch den unterzeichneten Rector am 24. April in gewohnter Weſſ mit Gebet und Anſprache in gemeinſamer Verſammlung der Lehrer und Schüler. Hierauf fand die Aufnahme der Schüler ſtatt, welche am 23. April die Prüfung beſtanden hatten. 7
Wenn wir bei einem Rückblick auf das verfloſſene Schuljahr in den folgenden Zeilen die⸗ jenigen Ereigniſſe erwähnen, welche nicht nur für die Schule, ſondern auch für größere Kreiſe von Intereſſe ſind, ſo ſei es uns vergönnt, mit demjenigen zu beginnen, welches für die Anſitalt ſeit ihrer im J. 1867 nach der Unterrichts⸗ und Prüfungs⸗Ordnung vom 6. Oct. 1859 erfolgten Reorganiſation wohl das wichtigſte und in ſeinen Folgen das weittragendſte iſt. Nachdem nach vorausgegangener ſchriftlicher Prüfung die am 28. März v. J. unter dem Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schul⸗Rath Kretſchel abgehaltene mündliche Prüfung ein befriedigendes Reſultat ergeben hatte und ſämmtliche auf das Abiturienten⸗Examen bezügliche Akten an Königl. Provinzial⸗ Schulkollegium resp. an den Herrn Unterrichts⸗Miniſter eingeſandt worden waren, wurde durch eine Verfugung Sr. Excellenz vom 20. Mai die hieſige höhere Bürgerſchule als eine zu Abgangs⸗ Prüfungen berechtigte anerkannt, deren Abiturienten(außer den in früheren Programmen mitge⸗ theilten Berechtigungen) nach§ 154, 2 der Militär⸗Erſatz⸗Inſtruction auch diejenige zum Einjährig⸗ Freiwilligen⸗Militärdienſt durch das beſtandene Examen ſich erwerben.
In der die Anerkennung enthaltenen Verfügung der vorgeſetzten Behörde wurde zugleich die Erwartung ausgeſprochen, daß nunmehr die ſchon im Jahre 1872 angeregte und bei den meiſten höheren Lehranſtalten ſchon durchgeführte, auch durch die veränderten Zeitverhältniſſe dringend gebotene Gehaltsaufbeſſerung der Lehrer nunmehr in der von Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium aufgeſtellten Weiſe ausgeführt werde. Auf den Antrag des Curatoriums, die Gehaltserhöhung in ſolcher Weiſe mit dem 1. Jan. 1873 eintreten, auch zugleich dem techniſchen und den Hülfs⸗ lehrern eine entſprechende Auſbeſſerung zu Theil werden zu laſſen, beſchloſſen die ſtädtiſchen Behörden dieſem Antrage die Zuſtimmung zu ertheilen. Den beſten Dank Allen, welche zur beſſeren Stellung der Lehrer an der höheren Bürgerſchule mit Wort und That bemüht geweſen ſind. Ein Theil des hierdurch nöͤthig gewordenen Mehrbedarfs im Etat der Schule, wird dadurch beſchafft, daß eine Erhöhuug des Schulgelds von Michaelis an eingetreten iſt, und daß von jedem eintretenden Schüler ein Eintrittsgeld von 1 Thlr. erhoben wird. Die Erhöhung iſt, um in verſtändiger Berückſichtigung der Ortsverhältniſſe den Beſuch auch den Unbemiitelten moͤglich zu machen, eine ſehr mäßige, ins⸗ beſondere im Vergleich mit dem Schulgeld an anderen höheren Lehranſtalten. So wurde denn das Schulgeld für VI. uud V. von 6 Thlr. auf 8 Thlr., für IV. von 8 auf 10 und für III. von 10 auf 12 Thlr. erhöht; für II. blieb es unverändert 12 Thlr. Wie nun dieſe geringe Steigerung den Eltern ſämmtlicher Schüler keine Veranlaſſung gab, ihre Söhne ver Anſtalt zu entziehen, ſo werden erſtere in Zukunft gewiß auch dadurch nicht abgehalten werden, ihre Söhne der höhern Bürgerſchule zuzufuͤhren. Hierbei ſei zugleich erwähnt, daß ſchon ſeit längerer Zeit in wahrer Humanität eine nicht geringe Anzahl Freiſtellen für fleißige und bedürftige Schüler gegründet ſind.
In dem verfloſſenen Schuljahre, welches in ſo mancher Beziehung ein geſegnetes für unſere Anſtalt genannt werden kann, haben wir leider den Tod eines Mannes zu beklagen, der ſtets ein lebhaftes und thätiges Intereſſe für das ſtädtiſche Gemeinweſen Marburgs und insbeſondere für


