Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch. Buchonia und das Grabfeld
Entstehung
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Radolf ſelbſt herrſchte von nun an unabhängig in ſeinem Lande ſtolz wie ein König, wie der Chroniſt Fredegar erzählt. Er ſchloß ſelbſtſtändig Bündniſſe mit den Wenden und andern benachbarten Völkern. Sein Sohn und Nachfolger, Hedan, wohnte auf Befehl des Königs einem Kriege gegen die Neuſtrier(651) bei, worin er den Tod fand und als Witwe Bilihilt mit einem dreijährigen Sohne hinterließ. Auf Hedan ſolgte Gozbert, unter deſſen Regierung der hl. Kilian(687) in Würzburg ankam und den Thüringer Herzog zum Chriſtenthume bekehrte.

Von dieſem Zeitpunkte an, ein volles Jahrbundert lang, ver⸗ mögen wir wiederum nirgends auch nur eine Erwähnung der silva Buchonia anzugeben, bis erſt Anfangs der vierziger Jahre des achten Jahrhunderts durch Bonifazius und Sturmi jene ſeither außerhalb der Strömung der hiſtoriſchen Entwickelung gelegenen Waldſtriche ge⸗ öffnet und der neuen Cultur zugänglich gemacht worden und damit auch die dunkeln Schatten verſchwinden, in denen viele Jahrhunderte hin⸗ durch das Land lag, das nunmehr in der Gründung ſeines Kloſters ſein Auferſtehungsfeſt in der Geſchichte feiert. Wir haben nunmehr gleich eine ganze Reihe hiſtoriſcher Belege, in welchen die Buchonia erwähnt wird. So in der Lebensbeſchreibung Sturmi's von Eigil ¹), ſo in der Lebensbeſchreibung Winfried's von Willibald und in der Fortſetzung derſelben durch den Mainzer Presbyter, ſo in den Annalen von Fulda und Xanten, wie in den königlichen und Pri⸗ vat⸗Urkunden. Die Bezeichnungen und Zuſätze, mit denen die Buchonia hier erſcheint, ſind solitudo, silva, eremus, öfters noch mit ver⸗ ſtärkenden Attributen verſehen. Sie ſind der Art beſtimmt und klar, daß man über den Charakter jener Gegend nicht einen Augenblick in Zweifel ſein kann. Selbſt wenn man die aus ſpäteren Urkunden überkommenen Bezeichnungen nur gewiſſermaßen als ſtehende Formeln gebraucht anſehen will und anſehen muß, weil dieſe Ausdrücke ſich noch in Urkunden finden, als bereits längſt der urſprüngliche Charakter der Einſamkeit und Einöde durch Anſiedelungen, zum größten Theile wenigſtens, beſeitigt war, ſo wird man doch nicht umhin können, die ſonſt ſo beſtimmt gegebene Nachricht als richtig anzuerkennen, daß die Buchonia eine große, einſame, unbewohnte und unbe⸗ baute Waldſtrecke war zur Zeit, als die Axrtſchläge erſchollen, mit denen die erſten Bäume im Eihloha, d.h. Eichwalde, von eihhi= quercus

die größte Vorſicht erfordert, indem ſich darin eine große Anzahl irriger und ſchiefer Auffaſſungen findet, die um ſo kritiſcher zu prüfen, je we⸗ niger kritiſch ſie ſelbſt zuſammengeſtellt ſind.

¹) Pertz, II, 367 und 370, 357; II, 222.