Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch. Buchonia und das Grabfeld
Entstehung
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die Anſicht von der Ausdehnung der Buchonia bis nach der Lahn hin nicht einmal, wie dies weiter unten ausgeführt werden ſoll, ſich aufrecht erhalten läßt. Wie ſollte man ferner annehmen, daß der König, von dem es ausdrücklich heißt, daß er nicht nur alt, ſondern ſchon ganz ſchwach auf den Füßen war und hinkte, eine Reiſe, ob aus Jagdluſt oder jeglichem andern Grunde, mag offen bleiben, nach der Buchonia angetreten habe?

Man kann dieſe Frage wohl unbedingt verneinen; denn erſt⸗ lich war es für den kranken Körper des Königs nahezu phyſiſch un⸗ möglich, ſolche Anſtrengungen eines Zuges nach ſo entfernten Gegen⸗ den auszuhalten; zweitens kommt noch hinzu, daß wir nach dem Wortlaute Gregor's an gar nichts anderes zu denken haben, als an einen kleinen Gang, welchen der König über den Rhein machte, um ſich in dem Schatten der dortigen Buchenwälder zu ergehen und dann um Mittag in einem raſch aufgerichteten Zelte ſich etwas zu erholen; hier war es, wo er von dem WMordſtahle getroffen wurde, den ſein Sohn verrätheriſcher Weiſe geſchliffen hatte. Es paßt dies alles gut zu der Zeit, in welche, der Erzählung nach, vom Morgen bis gegen Mittag das Ereigniß fällt; auch würde man von einem Zuge in die silva Buchonia wohl nicht ambulare ſagen können. Den ſcheinbaren Widerſpruch, der ſich ergibt durch die Rede Chlodo⸗ wechs, worin er anführt, der greiſe König ſei, um den Nachſtellungen ſeines Sohnes zu entgehen, in den buchoniſchen Wald geflohen, löſt ſich einfach damit, daß Chlodowech keineswegs eine wahrheits⸗ getreue Darſtellung gibt, ſondern nur Ausflüchte ſucht, um ſeine Betheiligung an dem Doppelmorde in heuchleriſcher Weiſe zu ver⸗ bergen.

Man hat alſo in der Buchonia Gregor's ſo wenig wie in der Bacenis Cäſars die Gegend zu ſuchen, in welcher das Kloſter Fulda gegründet, das, wie man) treffend bemerkt hat, nicht mit einer Blutthat, ſondern vielmehr mit Werken der Liebe, der Frömmigkeit und, fügen wir hinzu, der Bildung, wie ſie von den Dienern des göttlichen Wortes zum Heile der Menſchheit unter⸗ nommen wurden, in das Gebiet der hiſtoriſchen Begebenheiten eingetreten iſt. ²)

Zum erſtenmale, wirklich hiſtoriſchnachweisbar, wird die Buchonia erwähnt in der Chronik Fredegar's. ³) Dagobert

¹) Schwartz, Bemerkungen zu Eigil's Nachrichten. 1856.

2) Demnach wäre zu berichtigen, was P. Schmitt in Schneider's Buchonia, I. 1. S. 72 erzählt.

) Cap. 75. p. 647. Eckhardt, 1. 203. Rudhart, S. 385.