Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch. Buchonia und das Grabfeld
Entstehung
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waren. ¹) Im Uebrigen verband man mit der Benennung Francia orientalis zu verſchiedenen Zeiten auch verſchiedene Vorſtellungen. Im neunten Jahrhundert alſo, wie wir eben geſehen haben, bezeichnete es eine eigne Provinz, welche eben von Franken bewohnt wurde, und die Länder der Bayern, Thüringer, Frieſen und Sachſen (Wenden) ausſchloß; oder man legte auch zur ſelben Zeit noch allen den 19 Gauen, welche zur Diözeſe Würzburg gehörten, dieſen Namen bei, welche nach dem 11. Jahrhundert, wo die Gauverfaſſung bereits erloſchen war, Frankonia heißen, während das geſammte Oſtfranken von der Altmühl bei Eichſtädt bis noch Brotterode auf dem Thüringerwalde und vom Neckar bei Laufen bis an die Fulda bei Hersfeld 32 Gaue und Untergaue umfaßte. In weiterem Sinne bezeichnete man auch früher mit dem Namen Auſtrien, Auſtraſien und Oſtfranken alles Land im Oſten des Rheins und weſtlich von Neuſtrien, oder überhaupt Germanien, ſoweit es fränkiſcher Herrſchaft gehorchte. So waren zur Zeit Ein⸗ hard's Oſtfranken und Germanen gleich bedeutend. Nach ihm bewohnten die Oſtfranken alles Land zwiſchen Sachſen und der Donau, dem Rheine und dem Fluſſe Sala, der die Thüringer von den Soraben trennt. Hier werden, wie bereits erwähnt, die Thüringer noch mit zu den Franken gezählt, während die Annales Laurissenses zu dem Jahre 787 die Oſtfranken und Thüringer unterſcheidend neben einanderſtellen und Einhard's Annalen zu demſelben Jahre blos von Franken reden. ²) Man ſieht daraus, daß der Name Francia orientalis bald in einem engeren, bald in einem weiteren Sinne gebraucht wurde, und hat die verſchiedenen Zeiten zu beachten, in welchen die verſchiedene Auffaſſung vorkommt.

In ähnlicher Weiſe geht es mit der Bezeichnung Bochonia, der Gegend, in welcher das Kloſter Fulda gegründet wurde.

Der Namen wird geſchrieben: Boconia in Copieen aus dem 10. und aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts; Eberhard ſchreibt Bochonia und daneben auch Boconia; die Original Königs⸗ urkunde von 781 hat Bochonia neben Boconia. Nach der Bemer⸗ kung Rudolfs in der vita Hrabani ³) iſt der Name erſt inneuerer Zeit(moderno tempore) aufgekommen. Es iſt dies aber nicht ſo

¹) Binterim, National⸗, Provinzial⸗ und Diözeſan⸗Concilien I. S. 104 ff.

2) Pertz, I. 172: Franci Austrasiorum, Toringi, Saxones. Pertz, I, 173: orientales quoque Franci ac Saxones. Nach Willibald's vita St. Bonif. Pertz, II, S. 348, lagen die Diözeſen Würzburg und Eichſtädt in intimis orientalium Francorum partibus et Baiuariorum terminis.

3) Schann. codex prob. p. 118.