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Die Parade in Tvοοριμον.
In mehrfacher Beziehung sehr interessant ist die Darstellung der Parade bei Toptäetov 2. 14— 18. Einmal ist es die einzige ausgeführte Schilderung einer Heerschau, die dem Schüler aus den Schriftwerken des Altertums bekannt wird; dann aber zeigt die Beschreibung Xeno- phons, dass diese Form militärischer Prachtentfaltung, die wir vielleicht für eine Erscheinung der neueren Zeit zu halten geneigt sind, vor 2300 Jahren fast dieselbe war wie heutzutage. Xenophons Darstellung ist dabei so klar und anschaulich, dass wir uns von dem Verlauf dieses militärischen Schauspiels sehr wohl ein zutreffendes Bild machen können, ja sogar versucht sind, im engen Anschluss an seine Worte einen Tagesbefehl zu rekonstruieren, wie er heut- zutage ungefähr die Bestimmungen über den Verlauf der Truppenschau enthalten würde: „Anlässlich der Anwesenheit der Königin Epyaxa findet morgen grosse Parade auf dem Feld bei Topràsiov statt. Die griechischen Regimenter stehen wie in Schlachtaufstellung vier Rotten tief. Den rechten Flügel des griechischen Korps bildet die Brigade Menon, den linken die Brigade Klearch, in der Mitte stehen die übrigen Truppenteile. Ich werde zuerst das asiatische Korps besichtigen und den Vorbeimarsch desselben abnehmen. Dann werden die Königin und ich die Front des griechischen Korps entlang fahren. Die Truppen bleiben hierauf in Phalanx- stellung stehn, bis weitere Befehle meinerseits erfolgen. Anzug:(dritte Garnitur— würde es heute heissen) eherne Helme, purpurrote Röcke, Beinschienen, Schilde ohne Überzug“.— Dass die Schilde„ohne Überzüge“, Exxεναeννενμέκκα, getragen werden, entspricht unserer Sitte, bei Kaiserparaden die Lederüberzüge der Fahnen und Standarten abzunehmen, und das Tragen purpur- roter Waffenröcke den schmückenden Uniforms- und Ausrüstungsgegenständen, Schabracken, Haarbüschen u. s. w., die bei unserm Militär bei ausserordentlichen Gelegenheiten angelegt werden.
Die Parade verläuft in derselben Weise wie heutzutage bei uns. In ihrer Reise- equipage fährt Epyaxa die Front der Griechen entlang, neben ihr, auf seinem Streitwagen, Dyrus. Dann fahren beide wieder bis vor die Mitte der ganzen Phalanx zurück, und Cyrus lässt die Parade mit einer kleinen Felddienstübung beschliessen: er schickt einen seiner sprachkundigen Adjutanten, IIirο νππαα bv 6a, zu den Griechen mit dem Befehl, das ganze Korps solle einen Frontangriff in Phalanxstellung zur Darstellung bringen. Vermutlich hatte die Königin von dieser echt griechischen Art der Attacke gehört und wollte sich die Gelegen- heit, dies militärische Schauspiel einmal jn Wirklichkeit zu sehn, nicht entgehen lassen. Der Befehl wird als Ankündigungskommando von den griechischen Obersten ihren Truppenteilen bekannt gegeben; und als die Trompete das Signal zur Ausführung giebt, setzt sich die ganze Phalanx in Bewegung. Das Marschtempo wird ganz von selbst, àνσν ο Ʒανταν⁴αοο, stärker, und die Soldaten gehn schliesslich mit„Marsch-Marsch-Hurrah“, νy ννανσνφτ in Laufschritt über, 6 bOS S76v O Tolr rHttcratc.— Und nun kommt es zu einer jener drolligen Manöverszenen, wie sie sich oft bei grösseren militärischen Übungen abspielen, dass harmlose Schlachten- bummler vor anrückenden Truppen in wilder Flucht Reissaus nehmen; die Königin selbst fährt schleunigst davon und die persischen Marketender lassen ihre Verkaufsstände im Stich und flüchten ebenfalls.— Diese Form des Abschlusses einer Parade, eine markierte Attacke auf die Zuschauer zu, kennen wir in Deutschland nicht; wohl aber ist es der übliche und, wie Augenzeugen versichern, äusserst eindrucksvolle Schluss der grossen Parade, die der Präsident der französischen Republik alljährlich am 14. Juli über die Truppen der Pariser Garnison abhält: die gesamte Kavallerie nimmt in entsprechendem Abstand von der grossen Zuschauertribüne Aufstellung und reitet auf diese zu mit breiter Front in stärkster Gangart eine Attacke, die erst unmittelbar vor dem Platz des Staatsoberhaupts zum Stehen kommt
und die Zuschauer zu stürmischen Beifallsbezeugungen für die Armee hinzureissen pflegt.— 8 3


