Aufsatz 
Beiträge zur Xenophonlektüre der Obertertia
Entstehung
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am richtigen Ort und in der rechten Weise vorgezeigt, erläutern für unsern Zweck das, worauf es ankommt, gründlicher und rascher als langatmige Ausführungen. Glücklicherweise haben wir gerade für Xenophon in dieser Beziehung eine hübsche Anzahl brauchbarer An- schauungsmittel.Alle an ein gelungenes Modell zu stellenden Anforderungen erfüllt Langls Hoplit, Gipsstatuette in polychromer Ausstattung. ¹) Tracht und Bewaffnung des griechischen Heeres ersehen die Schüler aus den Tafeln von Cybulski und anderen bildlichen Darstel- lungen, von denen Malfertheiner²) eine schöne Auswahl nennt. Den Weg, den das Heer der 10000 zurückgelegt hat, kann der Schüler auf der besonderen Kartes) verfolgen, die heut- zutage keiner Schriftstellerausgabe mehr fehlt. Auch ist bereits der Anfang gemacht, die Gegenden, durch die das Heer gezogen ist, dem Schüler in Form kleiner Abbildungen) in seiner Schulausgabe vorzuführen. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr allzufern, wo das Skiop- tikonbild, das Anschauungsmittel der Zukunft, auch in der Schule seinen Einzug hält und zur Unterstützung des geographischen, historischen und namentlich auch kunst- und kultur- geschichtlichen Unterrichts in der Art und Weise verwandt wird, wie es im 60. Heft der Lehrproben Prof. Meyer angeregt hat..

Überaus wertvolle Dienste leistet, wie überhaupt im Anschauungsunterricht, so auch bei der Behandlung des Kriegswesens der Alten die Schultafel. Wer es selbst immer wieder erfährt, wie durch ein paar Striche an der Tafel, durch eine ganz einfache perspektivische Zeichnung oder durch die Darstellung des Verlaufs einer Schlacht unter Verwendung von 2 bis 3 bunten Kreiden dem Schüler überraschend schnell eine ausreichende Anschauung ver- mittelt werden kann, wird von diesem Hilfsmittel ausgiebigen Gebrauch machen, selbst auf die Gefahr hin, dass seine Zeichnung an der Tafel nicht gerade als eine Musterleistung karto- graphischer Darstellung erscheint. Auch Truppenklötzchenè) sind sehr gut zu verwenden, wenn es sich darum handelt, die Aufstellung zur Schlacht oder den Gang eines Gefechts zu veranschaulichen.

Überflüssig ist die Anwendung bildlicher Darstellung dann, wenn ich das, was gezeigt werden soll, in Wirklichkeit vorführen kann. Dahin rechne ich vor allem diejenigen IIlu- strationen, die sich in einigen der genannten Xenophonausgaben finden und die verschiedenen Aufmärsche und Formationsänderungen klar machen sollen. Denn jede Turnstunde bietet, Gelegenheit, den Schüler selbst mitten hineinzuführen in einen solchen Aufmarsch, ihn mit- machen zu lassen den Übergang aus der Enomotienkolonne in die Front und umgekehrt, die Bildung der berühmten X6 /⁷ o oder gar die Frontveränderung nach rechts und nach links. Übrigens kann ausser im Turnsaal auch auf dem Schulhof und nötigenfalls im Klassenzimmer oder beim nächsten Schulspaziergangé) in wenigen Minuten die Sache einmal in Wirklich-

1) Malfertheiner, Realerklärung und Anschauungsunterricht. Wien. 1899. S. 1. 2) a. a. O. S. 2 ff. 3) Die Herstellung einer solchen in entsprechendem Massstab zum Gebrauch als Wandkarte ist eine dankens- werte leroweyta geistig wohlhabender Schüler der Klasse. 4) Die Abbildungen in der Ausgabe von Bünger würden ihren Zweck besser erfüllen, wenn sie grösser wären und das Charakteristische der Gegend noch mehr zum Ausdruck bringen könnten. In dieser Beziehung sind die Landschaftsbilder bei Sorof wertvoller. 5) Ein Schüler hat mir einige nach meiner Angabe hergestellt, indem er 2 cm. breite und verschieden lange Streifen von Pappe aufeinanderleimte und mit blauem oder rotem Glanzpapier umklebte. In der Mitte der auf diese Weise entstandenen flachen, länglichen Klötzchen ragt die Spitze einer metallenen Zwecke(sog. Wanze) hervor, vermittelst deren durch einen leisen Druck die leichten Klötzchen an der Sohultafel festgeheftet werden. Das Gelände wird, soweit seine Darstellung überhaupt erforderlich ist, mit einigen Kreidestrichen angedeutet. 6) Ein Mittel, die allereinfachsten Begriffe eines Nahkampfs zu veranschaulichen, hat mein ehemaliger, leider so früh verstorbener Lehrer Dr. Windhaus uns gezeigt. Er ist mit uns Sekundanern im Winter hinausgezogen und hat esim Gelände, in einer hügeligen Waldlandschaft zwischen zwei Abteilungen zu einem Kampf kommen lassen, bei dem Schneebälle als Geschosse dienten. In der That eignet sich ein Schneeballgefecht sehr gut, um ganz einfache Gefechtslagen zur Darstellung zu bringen. Die Ubeclegenheit der Stellung ex superiore loco,