Aufsatz 
Beiträge zur Xenophonlektüre der Obertertia
Entstehung
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beutet wird. Um diese Leistung bewältigen zu können, wird der Schüler schon während der Lektüre zu veranlassen sein, sich ein Sammelheft anzulegen und unter bestimmten Rubriken die einzelnen charakteristischen Daten einzutragen. Der pädagogische Wert solcher Samm- lungen besteht, wie Willmann richtig erklärt, darin,dass der Lehrer die Gelegenheit wahrnimmt, den Zögling seines Erwerbes an Wissen froh werden zu lassen¹), und dass bei der allmählichen Erweiterung der Sammlung der Zuwachs als Bereicherung empfunden wird.²) Die Hebung der geistigen Thätigkeit durch den Unterricht wird erreicht durch Anschluss an den Gang des jugendlichen Interesses, welchem die Dinge näher liegen als die Formen, welches lieber sammelt als fertige Reihen hinnimmt, welches Dargebotenes freudig verarbeitet, wenn ihm nur die Wege dazu gezeigt werden.³)

In welcher Weise solche Zusammenstellungen in Obertertia während der Anabasislektüre zu machen sind und zu welchen Ergebnissen sie führen, soll im folgenden gezeigt werden.

Vorausgeschickt sei die Bemerkung, dass die Xenophonlektüre auf sehr verschiedene Weise betrieben werden kann. Über die Frage, wann sie überhaupt beginnen soll, herrscht noch keine Einigkeit, wie ein Blick in die Lehrpläne und in die Jahresberichte der Gymnasien zeigt. Die 4. Direktoren-Konferenz der Provinz Schleswig-Holstein 1889 hat es als wünschens- wert bezeichnet,dass nach Vermittelung der notwendigsten Vorkenntnisse in Untertertia mit zusammenhängender Lektüre begonnen und die Formenlehre im Anschluss an diese gelehrt, wird. Was die eigentliche Xenophonlektüre anlangt, bin ich der Ansicht, dass man gut thut, nicht en früh mit ihr zu beginnen. Man verlangt mit Recht, dass nicht fortwährend die Lektüre durch grammatische Erläuterungen unterbrochen wird. Diese Gefahr liegt aber sicherlich nahe, wenn man zu früh mit der Lektüre anfängt. Die Schüler kommen dann zu keinem rechten Genuss,¹) und es geht ihnen schliesslich wie Paul Güssfeldt, der in seinem Buch überdie Erziehung der deutschen Jugend erklärt, Xenophon seifür den Tertianer eine grammatikalische Folterkammer.) Auch G. Ihm spricht in einem Aufsatz überdie Konzentrationsidee und ihre Bedeutung für die Obertertia des Gymnasiums,) von der bedauer- lichen Thatsache, dass für gar manchen die Erinnerung an Xenophon sich auf das yrs5-ey 2esXabvet, das Wort Parasange und das Bewusstsein, dass er nach vielen Verbalformen gefragt. wurde, beschränkt. Da aber ohneausreichende Kenntnis der Grammatil der Schriftsteller nun einmal nicht gelesen werden kann, so sollte aus diesem Grunde die Lektüre nicht zu früh begonnen und jedenfalls so betrieben werden, dass Form und Inhalt getrennt behandelt, die grammatischen Erläuterungen von den sachlichen gesondert werden. Wie dies geschehen kann, hat in lehrreicher Weise A. Matthias im 4. Heft der Lehrproben*) gezeigt.

Für die hessischen Gymnasien setzt der Lehrplan den Beginn der Xenophonlektüre für Obertertia fest. Wie die Jahresberichte zeigen, wird in IIIa gewöhnlich das erste Buch ge- lesen, und in IIb dann eine Auswahl aus den übrigen Büchern, gewöhnlich aus IIIV. Dass nach Abschluss der ganzen Xenophonlektüre ein Rückblick über das Gelesene und eine Sichtung des erarbeiteten Stoffes nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgt, halte ich für selbstver- ständlich. Es fragt sich aber, an welcher Stelle schon vorher ein solcher Ruhepunkt und ein Zurückschauen auf. den bis dahin zurückgelegten Weg einzutreten habe. Ich meine, es ergiebt sich von selbst, dass dies nach Beendigung des ersten Buches zu geschehen hat: die eigentliche dydaoi ist zu Ende, der ganze Feldzug gegen den Grosskönig mit einer Schlacht entschieden und Cyrus, der thatkräftige Perserprinz, durch einen allzufrühen Tod auf dem Schlachtfeld

1) S. 13. 2) S. 12. 3) S. 119. 4) Vgl. Rost. Z. f. d. G. W. 1885. 39. 337 ff. 5) S. 95. 6) Programm. Bensheim 1889. 7) S. 43 ff.