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Heinrich von Schonenburg bestimmen werden den Arrest auf einen Teil der genannten Frucht- renten aufzuheben. Erzbischof Balduin bewilligt seinerseits durch eine Urkunde, die zwischen dem 15. und 20. Mai 1345¹)(der gegeben wart nach gots geburt do man zalte druzenhundert iar in dem vunf unde vierzigisten iare in den heyligen dagen zu pingisten) ausgefertigt wurde, dass Gerlach oder seine Erben zu Halbfasten— 14 Nächte vor- und 14 Nächte nachher— um 4324 kl. Gulden von Florenz, 12 gute alte Tornes für den Gulden gerechnet, die Hälfte der Juden zu Limburg und 100 Mark Geld zurückkaufen können,²) die zu Limburg jährlich von der Hälfte der„hertstede, der mertzinse, des alden Zolles falle, alre schirnen alre zinse und uf der bede di di burgere zu Lympurg alle iar gebent di 82 malter weizgulde und die 66 malter korn- gulte Lympurger werunge und massis“ die der Erzbischof gekauft hat, da er die Hälfte der Herrschaft zu Limburg von ihm kaufte. Am 20. Mai ³) quittierte Ritter Heinrich Specht von Bubenheim 100 Pfund und 12 Schillinge„haller lympurger werunge mit name eyne golde schilt vor funfzen grosse turnose gerechnet“, welche„Hilewin von elkerkusin ritter trusheize zu Lympurg und der her Swiker kelner zu Lymburg myns herre von Trier“ bezahlte„di der edel herre Ger- lach zu Lympurg mir was schuldig und sagen ich an disem bribe denselben herren und sine erben des vurgeschr. geldes ledig und los, auch blibet der egenante herre mir schuldig sez und drissig punt haller und nit me.(datum feria sexta in septimana pentecostes anno MOCCCXLV.)“
In dem letzten Jahrzehnt seiner Regierungszeit sehen wir Gerlach II. wieder in die Ange- legenheiten des Reiches gezogen und zur aktiven Teilnahme an denselben veranlasst. In unsäg- licher Verblendung hatte Kaiser Ludwig im Februar 1342 seinen Sohn Ludwig den Branden- burger mit der Margarethe Maultasch, Gemahlin des noch lebenden böhmischen Prinzen Johann, Sohnes des Königs Johann, Grossneffen des Erzbischofs Balduin, vermählt, obwohl die erste Ehe noch nicht annulliert war und Ludwig und Margarethe im 3. Grade verwandt waren; ja wenn zwei Urkunden über diese skandalösen Vorgänge echt sind, so hat Ludwig sogar sich nicht gescheut, kraft kaiserlicher Machtvollkommenbeit, die bestehende Ehe aufzulösen und Dis- pens von dem Ehehindernisse der Blutsverwandtschaft zu erteilen. Durch diesen Schritt hat Ludwig, der durch seine Haltlosigkeit schon viel an Achtung verloren hatte, das allgemeine Rechtsgefühl tief verletzt und alle Luxemburger, bes. den Erzbischof Balduin tötlich beleidigt. Rasch erfüllten sich jetzt seine Geschicke. Papst Clemens VI., welcher am 7. Mai 1342 dem milden und zur Versöhnung geneigten Benedikt XII. gefolgt war, forderte 12. April 1343 Lud- wig, den Feind der Kirche etc., auf, seine Würden niederzulegen und mahnte die Kurfürsten eine Neuwahl vorzunehmen. Die Fürsten hatten mit Misstrauen die innere Politik des Kaisers, be- sonders seine Begünstigung der Städte, verſolgt und waren geneigt der Aufforderung des Papstes Folge zu geben. Wohl gelang es Ludwig, der anscheinend alles aufbot um sich mit der Kirche auszusöhnen, für den Augenblick den Sturm zu beschwören; allein seine Doppelzüngigkeit führte nicht zum Ziele. Die Städte traten zwar im September 1344 in Frankfurt auf seine Seite; Erz- bischof Heinrich von Mainz kettete zwar immer fester sein Geschick an das des Kaisers: allein die übrigen Kurfürsten hatten sich in Rhense versammelt, und alle Angebote des Kaisers wurden von ihnen mit der Erklärung zurückgewiesen, ein Wittelsbacher könne nicht mehr König sein. Ludwigs grosse Macht, insbes. die thatkräftige Unterstützung der Städte hielt die Kurfürsten in der nächsten Zeit noch von dem entscheidenden Schritte der Neuwahl zurück: allein am 11. Juli 1346 wurde endlich Karl von Mähren, der andere Grossneffe Balduins, in Rhense zum König ge- wählt und als Karl IV. proklamiert.
Ludwig wollte aber nicht ohne Kampf dem Gegner weichen; er suchte vielmehr die alten Bundesgenossen fester sich zu verbinden und neue zu gewinnen. Böhmers Regesten Ludw. d. Bayern aus der zweiten Hälfte des Jahres 1346 geben uns ein anschauliches Bild seiner rast- losen Bemühungen, und man muss gestehen, er kargte nicht mit klingenden Wohlthaten. Graf Gerlach von Nassau und zwei Söhne— der 3., ernannter Erzbischof von Mainz, stand auf Seiten
Anm. ¹) Staatsarchiv in Wiesbaden. S. Gönz. Regest pg. 85.
Anm. ²) Nach Dominikus, Balduin pg 506 enthält das Balduineum Kesselstadt(Archiv in Trier) eine Copie über den Verkauf der 100 Mark Pfenniggilde d. d. Dienstag vor Allerheiligen 1344(26. Oktober); die schirnen (Verkaufsstätten) sind dort einzeln bezeichnet: brotschirnen, fleischschirnen etc
Anm. ³) Staatsarchiv in Wiesbaden. 3


