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Gütern etc. nichts zu verkaufen oder zu versetzen oder in eine andere Hand zu„wenden oder keren“, ohne dass sie zuerst dem Herrn von Trier sie vorgeboten haben zu dem Preis, den an- dere bieten. Wenn der Herr von Trier auf den Kauf nicht eingeht, können sie frei darüber verfügen, als wäre es ein Lehn oder Burglehn von Trier. Bei dem Verkaufe sind ausgenommen die Lehnsleute; den Burgmannen in Limburg aber, welche Trier zu ihrem Teil huldigen wollen, soll es nicht verwehrt sein. Von dem Verkaufe ist ferner ausgenommen„unser garten by der vorgenant stad Lympurg gelegen Castel genant mit dem hus daz da eabinnen steit“, diese sollen dem Herrn und seinen Erben bleiben. Wird aber eine Gilde oder ein Zins von demselben gemacht, so ist derselbe beiden Teilen pemein.„Und was ouch daz gerichte in demselben hus und garten anruret, daz sol ouch gemeine sin“. Kunigund verzichtet endlich auf ihr Wittum und Wit- tumsrecht.
Die beständigen Geldverlegenheiten hatten Gerlach II. schon frühe in Abhängigkeit von der Bürgerschaft der Stadt gebracht; so hatte er 1316¹) wegen einer Bürgschaft, welche die Stadt für ihn geleistet hatte, als Unterpfand verschiedene Einnahmen gesetzt; 1328²) sah er sich zu demselben Schritte genötigt; 1329³) finden wir das Versprechen der Herrschaft keine Schul- den zu machen, wegen deren die Bürger irgendwie behelligt werden; 1330⁴) stellt Gerlach der Stadt eine Schuldverschreibung aus. Diese Dienste, welche die Bürger dem Herrn leisteten, boten ersteren die willkommene Gelegenheit ihre Rechte und Freiheiten zu vermehren. Wohl war die Stadt zu wiederholten Malen durch Feuersbrunst etc. in dieser Zeit schwer heimgesucht worden⁵): allein sie erfreute sich dennoch eines grossen Wohlstandes, und die Bürger zeigten ein nicht geringes Selbstbewustsein.⁰) Zwei Zünfte wussten sich besonderes Ansehen zu ver- schaffen und Vergünstigungen zu erringen: die Metzger-?) und die Weberzunft.s) Auch bei dem Verkauf der Hälfte der Herrschaft Limburg bedurfte Gerlach der Mitwickung der Bürgerschaft; es musste dieselbe durch Gelöbnis gegen Balduin gewissermassen ihre Zustimmung aussprechen. Sie that dieses in einer Urkunde vom 24. Mai 1344,9) welche von Graf Gerlach von Nassau, Graf Rudolf von Wertheim, Dompropst Friedrich von Leiningen und Herrn Gerlach von Jsen- burg mitbesiegelt ist. Es bekennt die Bürgerschaft, dass der Erzbischof von Trier etc. in die Stadt ein- und ausreiten darf; an Leib und Gut der Bürger, sämtlich und besonders, kann er nicht greifen,„danne als verre der scheffen da selbes zu Limpurg deilet und vor ein recht uf den eyt wiset one argelist und geverde und daz recht sollent sie sagen wanne man iz vordert.
Geschehe is aber daz wir alle gemeinlich die vorgeschriben stucke alle oder ein deil nit enhilden und darwider deden daz got verbieden und daz und waz schaden davon queme nit enrichten oder besserten binnen vier wochen darnach daz wir des gemanet worden von unsers vorgenanten herren von Trire, siner nakomen oder stiftes wegen mit brieve oder mit boden, so sollen wir sin truwelois, erlos und meinedich unde ale unser recht han verloren und sal man uns darvore halden.. were aber sache daz unser ein deil er were wenig oder vil herwidder teden daz sollen die oder der richeten und bessern wie der scheffen daz wiset uf den eyt und darzu sollen wir bistendig und beholfin sin, daz es gerichtet also werde als verre uns lyp und gut gereichen mag ane allerley etc... und endeden wir des nit so sollen wir in die vorgen. pene und busse sin vervallen“.
Schon am 26. Mai stellte Erzbischof Balduin der Stadt den von ihm und dem Kapitel ge-
siegelten Brief ¹⁰) aus, worin er das Gelöbnis der Stadt bescheinigt und derselben seinen Schutz zusichert; zugleich verspricht er sie für die Zeit bis zum Wiederkaufe bei ihren Rechten und
Anm. ¹ ¹) Anlage n. 1. Anm. ²) Anlage n. 2. Anm. ³) Anlage n. 4. Anm. ¹⁴) Anlage 5 Anm. ⁵) S. Limb. Chronik pg. 111 n. 2, pg. 28 n. 6, n. 9, pg. 31 n. 14, pg. 101 n. 8. Anm. ⁶) S. Limb. Chronik pg. 99, 101 ff. 4)
Anm. ⁷) Anlage n. 10 und 11.
Anm. ⁵) Von den Briefen dieser Zunft ist im städtischen Archive nur von Johann II. die Bestätigung der Briefe erhalten, welche derselben durch Gerlach II. und Gerlach III. ausgestellt worden waren.
Anm. ⁹) Staatsarchiv in Wiesbaden.
Anm. ¹⁰) Anlage n. 13.


