Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte Limburgs in der Zeit der Dynasten : 2. Teil: Die Zeit Gerlachs II. 1312-1355 / von Christian Bahl
Entstehung
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stürzte, hatte Balduin Geld um nicht nur das Erzbistum aufzubessern, sondern auch um Lehns- leute zu gewinnen und so das Gebiet zu vergrössern oder wenigstens die Vergrösserung anzu- bahnen. So hat er 1343 und 1344 Graf Waldemar von Zweibrücken, 1343 Graf Johann III. von Sponheim-Starkenburg, 1343 die Herren von Schönecken und von Manderscheid, 1350 und 1351 Reinhard von Westerburg durch Vorschüsse gewonnen.)

Gerlach stand schon als Lehnsmann(Elz, Oberbrechen, Werschau, Zehnten in Weroth, Nomborn, Netzbach und Mensfelden) zu Balduin in näherer Beziehung und hatte bereits 1343, 23. Febr. ²) von dem Erzbischof ein Darlehen von 1200 kleinen guden Gulden von Florenz er- halten; als Pfand hatte ergut und gulde in dem dorfe Elze bi Lympurg gesetzt,di von den huben fällt zu Elze.

Die im einzelnen aufgeführten Gefälle, welche die Lehnsleute von nun an alljährlich auf ihre Unkosten zwischen Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt an den Kellner nach Montabaur liefern müssen, betragen in Sa. etwa 30 ¾16 Malter Weizen, 113 Malter Korn und 9 Malter Erbsen (erwize.) Dieses Anlehen war nur die Einleitung zu einem grösseren im J. 1344, welches für die Geschichte Limburgs sehr bedeutungsvoll geworden ist.

Am 20. Mai des genannten Jahres erklären Gerlach II., Kunigunde und der jüngere Ger- lach, Schultheiss, Schöffen und Gemeinde der Stadt Limburg, dassum mannicherhand woldat und vordernisse di der.. Balduin von sinen gnaden uns dicke gedan und bewiset hat.. sie ihm den Gegendienst ganz frei gethan haben, dass er und sein Stiftmogent durch unser stat Lympurg und uber die Brucken al da selbis varen ryden und gan und veilenkauf da han und nemen mit allen iren helfern und dynern bloz und gewapent hin und herwider zu allen zyden und zu allen iren noden und willen ummer ewelich an unser und andirs ymans widersprache und bindernisse und ane unsern kuntlichen und schinbern schaden. Nachdem dann Landgraf Heinrich von Hessen seinemgetruwin nebin Herrn Gerlach gestattet hatte, die Burg und die Stadt Limburg,der daz dritte deil von uns tzu lehene ruret um eine Summe Geldes, die im Briefe stehen soll, zu verkaufen, kam der Verkauf der Hälfte der Herrschaft zustande, und es wurde am 24. Mai 1344 von Gerlach, Kunigunde und dem jungen Gerlach der Brief ausgefertigt,der gegeben ist do man zalte nach Cristus geburte drutzenhundert iair und darnach in dem vier und vierzigesten iare uff den nehesten Mondag nach dem heiligen Pinxtstage.³²) Gerlach etc. haben mit Ueberlegung und Beratung der Freunde und Verwandten sich entschlossen und die Hälfte der Herrschaft, Burg und Stadt Limburg und alles, was dazu gehörtder syten des waldes genant die hohe da Lympurg ist gelegen dem Erzbischofe und Stiftyn ewiglichen zu behalden recht und redlich verkauft um 28000 alter kleiner Gulden von Florenz, die sie vor Ausstellung des Briefes von Balduin empfangen haben, wofür der Erzbischof und sein Stift mit dem Herrn der Stadt in der Herrschaft, Burg und Stadtbinnen und ussenwendich... mit herscheften gerichten dorfern luden guden gulden, gevellen, wassern, welden, eckern, wingarten, mulen, wisen, velden, hoch und nider, cleyne und gross, versucht und unversucht, wi man iz genemen mag, in rechter gemeinschaft zu irm halben deile sitzen und sie behalden sollen und der gebruchen und nutzen als andir irer herschefte und eygener gude. Sie sollen zusammen einträchtig über Stadt und Burg etc. einen Amtmann setzen, der beider Rechte ausübt. Stadt und Bürger sollen dem Erz- bischofe etc. als Bürger und Unterthanen das Beste werben, Schaden abwenden(warnen wenden und weren), ihm gehorsam sein, dienen, helfen, raten,bloz und gewapnet nach aller irer macht wider aller menlichen nymen ussgenomen ane allein daz romische riche, den stift von Mentze und den Landgreben von Hessen als were iz ir eygen gut daz si inne hetten ane gienge. Die Bürger haben dies beschworen und sollen alle 5 Jahre nach einander auf St. Johann Bapt. Ge- burtund wanne man iz des iares gesinnet diese vorgeschriebene stucke mit gelobden truwen und eyden offenliche und gemeynliche mit geluten glocken ernuwen. Der Erzbischof aber soll die Bürger von Limburgverantwerten, schuren und schirmen glicherwys als ire burgere zu Monthabur und ander desselben stiftes. Gerlach etc. versprechen von den mit Trier gemeinsamen

Anm. ¹) Dominikus l. c. pg. 509 530. Anm. ²) Staatsarchiv in Wiesbaden. Anm. ³⁹) Staatsarchiv in Wiesbaden. Die Datierung bei Dominikus(30. Mai) entspricht nicht der Urkunde.