Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte Limburgs in der Zeit der Dynasten : 2. Teil: Die Zeit Gerlachs II. 1312-1355 / von Christian Bahl
Entstehung
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ein dritdeil einis morgenis unde der anderin wingartin die der koster unde der perner itzu hant unde der an deme galginberge lit, der sint ses morgin. Ouch waz wingartin wir.. nu vort me keufin binne unsirs hern zehinden von Lympurg unde die wir noch gewinnen odir die uns gegebin werdin unde von deme wine den wir keufin odir an schuldin nemin davone sulle wiy ungelt gebin glich ander luite. Vortme umbe den zihinden den unser herre von Lympurg unde sin erbin hant gemeine liginde bit uns unde bit unsis stiftis sengerie.. sin wir bit ime gerichtet also daz wir alle ierlich zu herbiste wanne man lisit sullen unse buden setzin vur den wingartin bie unsis herrin buden unde wanne man ime gebit in sine buden zwen lile so sal man uns in unse buden gebin einin lil vrentz und huniz, wi der win gevellit al durch den berg, unde den win mogen wir firen unde train, war wir wollen unde ensollen davon auch kein ungelt gebin.

In der allgemeinen ÜUnsicherheit, welche das Fehdewesen und die Räubereien des vielfach finanziell herabgekommenen Adels verursachten, war Gerlach II. gleich anderen Herren der Lahn- gegend darauf bedacht, durch Bündnisse sein Land und dessen Bewohner zu schützen. 1321, 21. Januar, schloss er mit dem Erzbischof Balduin von Trier, den Grafen von Nassau und Sayn und dem Herrn Gyso von Molsberg den Landfrieden, der dem Kaufmann sicheres Geleit von Eype bis Castel verschaffen sollte.) In der Folge wurde das Bündnis erneuert und weiter aus- gedehnt; so erscheinen im Bündnisse vom 20. Dezember 1338²) auch die Grafen von Wittgenstein, Catzenelnbogen und der Herr von Jsenburg. Es ist ersichtlich, welche Vorteile diese Verbin- dungen der Stadt Limburg und ihren Kaufleuten, welehe mit fahrender Habe alljährlich die frank- furter und mainzer Messen und Märkte besuchten, boten, zumal die finanziellen Verhältnisse des Herren seine Thatkraft lähmten. Ein grosser Teil der in Anlage folgenden Urkunden lassen die Geldverlegenheiten Gerlachs II. erkennen;²) und doch sind es, wie ein Blick in die Urkunden des Staatsarchivs erkennen lässt, nicht alle Schuldverschreibungen, die er ausgestellt hat. 1334, 23. April, versetzt Gerlach eine Korngilde von 24 ½¼ Malter auf eine Mühle und Güter in Elz Sum 170 Mark; 1336, 28. Juni, wird dieselbe Gilde an den Ritter Peter von Limburg um die- selbe Summe verpfändet; 1338, 26 April, ist das Ungeld von Limburg Pfandobjekt bei einem Anlehn von 400 Mark gutes geldis, welches bei Graf Gerlach von Nassau gemacht wurde um den Schöffen Otto Mulich in Limburg zu befriedigen. Dieselbe Einnahme war auch als Aus- steuer von 400 Pfund dem Schwiegersohne Wildgraf Gerhard von Kirburg versetzt; 1342, 11. Oktober, bekennen der Ritter Eberhard Daube und der Knappe Friedrich Daube, dass Gerlach, Herr zu Limbueg, mit 208 Mark eine Korngilde von 20 Malter Korn, 5 Malter Weizen-, 4 ½ Achtel Erbsengilde und 7 Malter Korn einlösen kann, die sie vonym zu lene han und vallent von herpelin gude und von eynre halbin hubin dye Linteres was zu Else 4

Diese beständige Geldverlegenheit erklärt auch die Vergünstigungen, welche Gerlach II., seine Gemahlin Kunigunde und ihr ältester Sohn Gerlach unter einem Eide, den sie zu den Heiligen geschworen haben, den Juden in Limburg durch einen Brief vom 13. November 1343 bewilligten.

In dem Programme des letzten Jahres habe ich bereits pg. 12 erwähnt, dass von den Vor- gängern des Kaisers Ludwig den Herren von Limburg der Schutz der Juden,des Kaisers liebe Kammerknechte in Limburg abgetreten worden war. Als 1336, 30. Mai, Ludwig dem Grafen von Sayn, den Herren Gerlach von Jsenburg und Wilhelm von Braunsberg und dem Burggrafen Johann von Rheineck für 6000 Pfund Holler die Hälfte der Juden in Limburg ver- schrieb,²) erhob Gerlach II. von Limburg dagegen Einsprache und wies, wie einem Schreiben Ludwigs an die genannten Herren(d. d. 1336, 20. Juli) zu entnehmen ist, nach, dass König

Anm. ¹) Dominikus, Balduin pg. 295. i

Anm. ²) Dominikus 1. c. pg. 406.

Anm. ³) Die älteste Urkunde Gerlachs im städtischen Archive ist eine Schuldverschreibung vom 29. Februar 1316. Corden(I. c. Bd. 2§ 136) fand im Archive des Capitels eine solche vom 17. Januar 1315(datum anno Do- mini MCCC quinto decimo fer. sexta post octavam epiphaniae) worin Gerlach bekennt Appelloni dicto Schumeskeskil 35 ½ Mark Pfennige zwischen nächsten Mariä Himmelfahrt und Geburt zu schulden. Für die pünktliche Zahlung bürgen Gebhard von Bubenheim, der Schultheiss Heinrich Sibold und der Schöffe Johann Wiss. Nach Corden § 149 entlieh er 1335 von der Vikarie St. Sim et Jud. 130 Mark.

Anm. ¹) Sämtliche Urkunden befinden sich im Staatsarchive. Anm.) Staatsarchiv in Wiesbaden. Böhmer Reg. Ludw. des Bayern n. 3030.