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Vermittelnd hat Gerlach von Limburg bei den Streitigkeiten, die nach dem Tode des Grafen Diether von Catzenelnbogen entstanden, zwischen Graf Gerlach von Nassau und Graf Wilhelm von Catzenelnbogen gewirkt. Er war für diese vermittelnde Rolle gewiss geeignet;!) als Graf Gerlach 1322 dem Grafen Wilhelm für den nächsten Krieg seine Unterstützung gegen jedermann zusagte, nahm er die Herren Gerlach von Limburg und Luther von Jsenburg aus; mit Graf Wilhelm aber stand Gerlach von Limburg in engerem Bündhnis.
Die vermittelnde Thätigkeit war auch von Erfolg: am 5. Dezember 1329²) kam ein Vergleich zustande, und Gerlach hat die Vertragsbriefe mit besiegelt.
Ueber der Sorge für das Wohl des Reiches und der benachbarten Lande versäumte Gerlach nicht seine Pflicht gegen die Stadt. 1315 wurde der Bau der steinernen Brücke über die Lahn begonnen; 1317 wurde mit Genehmigung Gerlachs das Kloster der Wilhelmiten von der Insel in der Lahn vor das Diezer Thor verlegt. Die„Limburger Annalen“ berichten hier- über Folgendes:„zu wissen, daz vor diesseme dato hernaich geschriebin daz Windessbecher cloister off deme grient odder wert genante ane der itzunt genannten brugken gelegen hait und was in Latin genante domus fratrum ordinis sancti Wilhelmi pontis beate Marie virginis de Lim- purg. Dan eine holzen brugh uff daz closter uber die Laine ging vome spettail her. So nuwe daz wasser und ise ine grossen schaden det ame cloister und auch daz keine schade der Stadt Limpurg uss deme cloister entstunde zu langen iaren durch fegde und leger so wart inss mit gudem wissen und willen der herschaft von Limpurg abegebrochen und widder gebuwet ane daz ende inss itzunt stet, das dan geschidt ist anno Domini millesimo tricentesimo decimo septimo. Sed Baldewinus episcopus Treverensis confirmavit bullam desuper in anno Domini millesimo tri- centesimo decimo nono feria tercia post festum Luce ewangeliste.(23. Okt. 1319.)
Ueber den Wilhelmitenorden schreibt Dr. W. M. Becker nach Helyot, Gesch. der Klöster und Ritterorden und Potthast, Regesta pontif. Rom. in„Annalen des Vereins für nass. Alter- tumskunde“ Bd. 14, zg. 302:„Der Stifter des nicht sehr verbreiteten Eremiten-Ordens vom hl. Wilhelm war nach Helyot der hl. Wilhelm, Einsiedler zu Malavala auf der Insel Lupocavia im
Gebiet von Siena. Kirchspiel Grosseto(† 10. Februar 1157). Die in Deutschland bestehenden Klöster dieses Ordens, dessen Tracht eine der Tracht der Cistercienzer ähnliche war, nahm Papst Innocenz IV. durch die Bulle„Religiosam vitam eligentibus“ vom 4. Juli 1254 in seinen beson- deren Schutz und bestimmte zugleich, dass die Religiosen derselben nach der Regel des h. Be- nedikt und in Gemässheit der Stiftung des h. Wilhelm leben sollten. Diese Bestimmungen er- neuerte Papst Alexander IV. in der Bulle„Licet olim pro“ vom 22. August 1256 für den ganzen Orden.“ Abweichend von den„Limburger Annalen“ nennt Brower(Antiquitatum et annal. Trev. tom. II. pg. 202) 1322 als Jahr der Uebersiedelung; ich nehme keinen Anstand die Angabe der Limb. Annalen als die richtige anzusehen.— Zahlreiche Archivalien der Stadt Limburg be- schäftigen sich mit den Angelegenheiten der„Wyndespecher“(oder Rohrbacher, nach Siegfried von Runkel sogar Wandispecher Herren); unter den in Anlage veröffentlichten Urkunden ge- hören n. III. u. IX. zu denselben; das Staatsarchiv in Wiesbaden hat nach Becker(I. c.) nur 5 Windsbacher Urkunden.
Von der Geneigtheit gegen kirchliche Institute, jenem Zuge, der seinen Vater Johann I. auszeichnete, gab auch Gerlach II. Beweise; so hat er ¹) nicht nur als Ganerbe von Cleberg seine Einwilligung zur Verwandlung des Chorherrnstiftes Schiffenberg bei Giessen in ein Haus des deutschen Ordens gegeben(1342), sondern er beschenkte dasselbe auch in Gemeinschaft mit den anderen Ganerben mit acht Mansen im Wissecker Walde.5) Dieser fromme Zug hielt ihn aber nicht davon ab, eine Verordnung über Zuwendungen an kirchliche Anstalten zu erlassen.
Xnm. ¹) Agnes, die 1. Gemahlin Gerlachs, war eine Tochter des Grafen Heinrich von Nassau.
Anm. ²) Corden l. c. Bd. 2§ 146 ½ erwähnt einen Bündnisbrief Gerlachs von Limburg und Wilhelm von Catzenelnbogen vom 31. Juli 1329(mandag nach s. Jacobsdage) und§ 147 ½ vom 6. Januar 1330 die Thätigkeit Gerlachs als Obmann zwischen Wilhelm und Johann von Catzenelnbogen.
Anm ³) Die„Limburger Chronik“ ed. Wyss pg. 111.
Anm. ¹) Schliephake 1. c. pg. 165 und Grüsner l. c. pg. 30.
Anm. ⁵) Nach Corden(I. c. Bd. 2§ 147 ⁄) hat er 1331, 27. Oktober die Nonnen von Beselich von dem Zoll in Limburg befreit.


