— 52 berufen und Dr. Brede mit der Verſehung einer vollen Lehrerſtelle beauftragt. Auch wurde der mit dem Beginn des Sommerſemeſters dem Gymnaſium zur Ableiſtung ſeines Probejahres zugewieſene Kandidat des höheren Schulamtes Sandrock mit dem deutſchen und lateiniſchen Unterrichte in einer Sexta betraut. Außer dieſem trat der Kandidat des höheren Schulamtes Chriſtian Roßbach als Probekandidat ein.
Ernſt Sunkel, geboren zu Hersfeld am 17. Juni 1858, ev. Konf., hat nach Abſolvierung des Hersfelder Gymnaſiums in Leipzig, Marburg und Straßburg Philologie und Geſchichte ſtudiert und, nachdem er an der zuletzt genannten Univerſität im Juli 1882 die Prüfung pro facultate docondi beſtanden hatte, vom Herbſt 1882 ſein Probe⸗ jahr an der hieſigen Realſchule abgeleiſtet. Zugleich war er an dieſer Anſtalt mit Verſehung einer Lehrerſtelle beauftragt und verblieb daſelbſt als Hülfslehrer bis Oſtern 1884. Im Frühjahre 1885 beſtand er in Berlin die Turnlehrer- und Schwimmlehrerprüfung.
Heinrich Sandrock, geboren zu Mansbach(Kreis Hünfeld) am 17. Februar 1862, ev. Konf., beſuchte das Gymnaſium zu Hersfeld, ſtudierte Philologie in Marburg, Leipzig, München und Göttingen und beſtand im Februar 1885 in Göttingen die Prüfung pro facultate docendi.
Die Zahl der Klaſſen wuchs zu Oſtern um eine Parallel-Oſter⸗Quarta. Die Koſten der Unterhaltung dieſer Klaſſe ſowie der Parallel-Oſter⸗Sexta und der Parallel⸗Oſter⸗Quinta ſielen der Stadtkaſſe zur Laſt.
In dem von der Stadt Caſſel teilweiſe zur Verfügung geſtellten Schulhauſe(Mauerſtraße 8) waren während des Sommerſemeſters die Klaſſen IIIb, IIId, IVb, IVe, Vb, Ve, VIb und VIc, während des Winter⸗ ſemeſters die Klaſſen IIIa, IIId, IVa, IVe, Va, Vb, VIb und VIL untergebracht.
Am 11. Mai waren 50 Jahre verfloſſen, ſeitdem das Gymnaſium als neu errichtete Staatsanſtalt feierlich eröffnet worden war, um wenige Jahre darauf mit den Überreſten des 1779 ge⸗ gründeten ſtädtiſchen Lyceums zu dem noch heute blühenden ſtaatlichen Gymnaſium, genannt Lyceum Frideri- cianum, verſchmolzen zu werden. Nachdem dieſe Anſtalt im Jahre 1879 ihre Säkularfeier in glänzendſter Weiſe und unter weitgehender Teilnahme feſtlich begangen hatte(S. Programm von 1880), erſchien es dem Lehrerkollegium angemeſſen, die Feier dieſes Gedenktages auf einen einfachen, jedoch öffentlichen Schulakt zu beſchränken. Zu dieſem wurde durch ein beſonderes Programm eingeladen, welches ein Verzeichnis ſämtlicher Schüler des Gymnaſiums aus der Zeit vom 21. Mai 1860 bis dahin 1885 enthielt*). Der Schulakt begann um 9 Uhr vormittags in den feſtlich geſchmückten Turnſaale der Anſtalt, in welchem ſich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Auch Se. Excellenz der Herr Oberpräſident Staatsminiſter Graf zu Eulen⸗ burg, der Herr Regierungs⸗Vicepräſident Magdeburg, der Herr Provinzial⸗Schulrat Dr. Lahmeyer und der Herr Polizei⸗Präſident Albrecht beehrten das Gymnaſium mit ihrer Anweſenheit. Mit ganz beſonderer Freude durften wir bei dem Feſtakte auch den einzigen noch lebenden Vertreter des am 11. Mai 1835 zu⸗ ſammengetretenen Lehrerkollegiums in dem allverehrten Herrn Profeſſor Dr. Flügel begrüßen.
Nachdem die Feier mit einem religiöſen Chorgeſang eingeleitet worden war, feierte der Oberprimaner Friedrich Otto in lateiniſcher Rede die Verdienſte des Landgrafen Friedrich II. um die Pflege der Künſte und Wiſſenſchaften in Heſſen-Caſſel. Hierauf trug der Schülerchor einen Chor aus Äſchylus' Perſern nach der Kompo⸗ ſition Sr. Hoheit des Erbprinzen von Sachſen-Meiningen vor. Dann zog der Oberprimaner Hans Reuſing in einer deutſchen Rede einen hiſtoriſchen Vergleich zwiſchen den Geſchlechtern der Hohenſtaufen und der Hohen⸗ zollern. Nach einem hierauf durch den Geſangverein der Primaner vorgetragenen Liede gab der Direktor in ſeiner Feſtrede eine Überſicht über die Entwickelung des kurheſſiſchen Gymnaſialweſens bis zur Eröffnung des erſten hieſigen Staatsgymnaſiums und verſuchte den Geiſt zu ſchildern, in welchem dieſe Anſtalt errichtet und von ſeinen erſten Direktoren und Lehrern geleitet und erhalten worden iſt.
*) Einige Exemplare dieſes Schülerverzeichniſſes ſind noch zum Preiſe von à 75 Pfg. käuflich abzulaſſen. Der Ertrag iſt für eine der milden Stiftungen des Gymnaſiums beſtimmt.


