Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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Unterſuchung vor dem Kaiſer ſtehen mußte, da bat er um einen Stuhl mit den Worten:Wenn ich auch als alter Mann mit Runzeln keine Rückſicht verdiene, ſo ziemt es ſich doch nicht, daß ein Biſchof ſteht, der mit dem heiligen Salböl geſalbt iſt ¹).

Man ſieht, auch die Kirche konnte ſich keinen treuern Diener wünſchen als dieſen Wazo. Aber wenn auch beim Klerus, in den Schulen und Klöſtern der Diöceſe ſolche Anſichten herrſchend waren, ſo folgte daraus noch lange nicht, daß man auch den hierarchiſchen Tendenzen eines Gregor ſich hingegeben hätte.

Zwar Wazo erlebte die Zeit nicht mehr, wo dieſer Pabſt in vermeſſenem Ehrgeiz ſich unterfing, mit deutſcher Unterthanentreue ſein frevelhaftes Spiel zu treiben, aber angeſichts der herrlichen Worte, die wir oben angeführt haben, darf man dreiſt behaupten, daß es Rom nie gelungen ſein würde, einen ſolchen Mann in ſeiner Treue wankend zu machen..

Als der Kampf entbrannt war, als der Pabſt geiſtliche und weltliche Fürſten gegen den Kaiſer, Klöſter und weltliche Fürſten gegen reichstreue Biſchöfe aufreizen ließ, da vertheidigte der bedeutendſte Gelehrte der Diöceſe und vielleicht der damaligen Zeit, Sigebert von Gembloux, kein Parteimann und ſehr vorſichtig in ſeinem Urtheil, unerſchrocken ſeinen Kaiſer gegen die Verleumdung des Pabſtes ²) und ſprach laut ſeine Mißbillignug aus gegen das neue und unerhörte Verfahren Gregors VII., die Gemeinde gegen die Prieſter und die Völker gegen die Könige zu den Waffen zu rufen ³). Und der Lütticher Biſchof Otbert war es, wie erwähnt, bei dem der von der Hierarchie zu Tode gehetzte Kaiſer Heinrich IV. ein ruhiges Aſyl zum Sterben fand.

Zum Schluß möge nun noch mit einigen Worten der Folgen gedacht werden, welche der Inveſtiturſtreit für die Lütticher Klöſter und damit auch für die Schulen mit ſich brachte. Ein lebendiges Bild davon entwerfen die Kloſtergeſchichten von St. Hubert), St. Trond) und St. Lorenz).

Das Kloſter St. Trond ſtand theits unter Lüttich, theils unter Metz.

Nach dem Tode des kaiſerlich geſinnten Abts Adelard 1082 nahmen die Biſchöfe von Metz Herrmann und von Lüttich Heinrich der Friedfertige, beide Anhänger Gregors, eine Reinigung des Kloſters von kaiſerlichen Elementen vor. Sie ſandten einige Mönche in päbſtlich geſinnte Klöſter, z. B. Leupo nach St. Lorenz und einen gewiſſen Dietrich nach St. Peter in GentR; ſolche, die ſich nicht wollten verſetzen laſſen, wurden einfach fortgejagt*). Doch hatten die beiden Biſchöfe ihren Zweck damit keineswegs erreicht; der kaiſerliche Anhang war nicht vernichtet, und bald finden wir zwei Aebte ſich um den Beſitz des Kloſters ſtreiten, von denen Lanzo der päpſtlichen, Leupo der kaiſerlichen Parthei angehörte.

Da der letztere ſich von dem kaiſerlich geſinnten Gegenbiſchof in Metz Walo die Weihe geholt hatte, ſo wurde das Kloſter St. Trond von den Mannen des Biſchofs von Lüttich 1086 in Brand) geſteckt..

e hle wun beſſer erging es päbſtlich geſinnten Klöſtern, ſobald ein kaiſerlicher Biſchof auf dem tuhle ſaß.

So a Otbert, Heinrich IV. Freund, den gregorianiſchen Abt von St. Lorenz Berengar ab und beſetzte deſſen Stelle mit Wolbodo); desgleichen entfernte er den ſtreng päbſtlichen

Abt Dietrich II. von St. Hubert und gab ihm den zur kaiſerlichen Parthei haltenden Ingobrand

zum Nachfolger ¹⁰)..

Die beiden abgeſetzten Aebte Berengar und Dietrich begaben ſich in das Kloſter Eberneicortis an der Aisne, und dahin folgten ihnen 25 Mönche aus beiden Klöſtern freiwillig. Von dieſen waren zwei Mönche aus St. Lorenz Lambert und Heribrann ſo erboſt gegen Biſchof Otbert, daß ſie ausſpieen, ſo oft der Name desſelben in ihrer Gegenwart genannt wurde; Lambert jedoch ging bald darauf zur Gegenparthei über und ließ ſich von Otbert zum Abt von Florinnes einſetzen ¹¹).

1) S. 7,229,66. 2) Sig. 171. validis patrum argumentis respondi(ſagt Sigebert) epistolae Hilde- brandi papae, quam scripsit ad Hermanum Metensem episcopum(S. 8,453 457) in potestatis Regiae calum- niam. Respondi epistolae Paschalis papae, qui Leodiensem ecclesiam aeque ut Cameracensem, a Roberto Flandrensium Comite jubebat perditum iri. 3) W. 359. 4) 8. 8,565 630. 5) S. 10,213 272. 6) S. 8,261 279. 7) S. 10,239 ff. 8) S. 10,239. 9) S. 8,277. 10) S. 8, ff. 11) 8. 8,604.