Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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Doch gab es auch noch Anhänger der Transſubſtantiationslehre, wohin außer Gozechin noch Adelmann ¹) und Biſchof Theoduinus ³²) zu rechnen ſind.

Stellung der Lütticher Schulen zu Kaiſer und Vabſt, Inveſtiturſtreit, Verfall.

Biſchöfe und Aebte von Lüttich ſpielen im elften Jahrhundert auch in politiſcher Beziehung eine wichtige Rolle und leiſten dem Staatsoberhaupte in Krieg und Frieden die erheblichſten Dienſte.

Der Biſchof Notker verwaltete, wie erwähnt, während der Minderjährigkeit Otto III. als Regent Italien und vermittelte 1006 den Frieden zwiſchen dem deutſchen Könige Heinrich II. und dem König Robert von Frankreich ³). Biſchof Wolbodo erwirkte als Geſandter Kaiſer Heinrichs an Dietrich, Grafen von Gent, die Freilaſſung des gefangenen Herzogs Gottfried von Lothringen). Der Abt Poppo von Stablo brachte 1032 den Frieden zwiſchen Frankreich und Deutſchland zu Stande, nachdem andere Vermittler vergeblich daran gearbeitet hatten).

Als der König von Frankreich während der Abweſenheit Heinrich III. in Italien 1046 einen

Einfall in Lothringen beabſichtigte, wußte Biſchof Wazo ihn durch wiederholte Vorſtellungen davon abzubringen). . Und nicht blos durch diplomatiſche Dienſte machten ſich die Biſchöfe um das Reich verdient, auch mit ihrer Streitmacht) ſtanden ſie dem Reichsoberhaupt gegen aufrühreriſche Vaſallen treu zur Seite. An dem zähen Widerſtande der Biſchöfe Lothringens brach ſich der Aufſtand des Her⸗ zogs Gottfried und ſeiner Helfershelfer, und Niemand zeichnete ſich durch Beherztheit und Umſicht in dieſem Kampfe mehr aus als der alte Wazo von Lüttich).

Auch deſſen Nachfolger Dietwein hielt treu zum Kaiſer und unterſtützte das kaiſerliche An⸗ ſehen gegen Dietrich von Holland). Biſchof Otbert endlich, ein Lütticher von Geburt ¹⁰), war der lrekeit Freund Heinrich IV., bei ihm fand der Kaiſer eine ruhige Zufluchtsſtätte am Ende ſeines

eebens.

Wie tief die Vaſallentreue in dem Gewiſſen dieſer Biſchöfe Wurzel geſchlagen hatte, dafür ſei es geſtattet ein Wort des alten Wazo als Beleg anzuführen.

Als ſich einſt das Gerücht verbreitet hatte, er ſei beim Kaiſer in Ungnade gefallen, und ihm

von einer Seite vielleicht Frankreich 3000 Bewaffnete zur Aufnahme in ſeine Burgen und Städte angeboten wurden, damit er dem Kaiſer trotzen könnte, da äußerte Wazo im Kreiſe ſeiner Vertrauten:Und wenn ich auf Befehl des Kaiſers das rechte Auge verloren hätte, ſo würde ich mit dem linken in treuer Vaſallenpflicht dennoch zur Ehre des Kaiſers alles thun, was in meinen Kräften ſtände). Und dieſe feſte Treue gegen das Reichsoberhaupt ging nicht etwa aus Feind⸗ ſeligkeit gegen die Kirche und deren Oberhaupt hervor; im Gegentheil. Längſt ſchon hatten mit den Clügnacenſer Mönchen ¹²) auch die Anſchauungen von Clügny in der Lütticher Diöceſe Eingang gefunden; Wazo ſelbſt war ein unerſchrockener Vertheidiger der Unabhängigkeit der Kirche und von der hohen Würde des geiſtlichen Amtes ſo durchdrungen, daß er dem Kaiſer gegenüber einſt den Ausſpruch that: summum pontificem a nemine nisi a deo dijudicari debere ¹³).

Auch von ſeiner biſchöflichen Würde hatte Wazo eine ſehr hohe Meinung. Als er einſt wegen angeblich nicht gehörig erfüllter Kriegspflicht gegen den Grafen Dietrich von Holland in

1) H. 8,26. 2) M. 447. 3) W. 239. 4) 8. 8,268. 5) W. 341. 6) S. 7,225. 7) Nach Jaffé bibl. rerum Germ. V. 471 war die Macht des Lütticher Biſchofs nicht viel geringer als die des Erz⸗ biſchofs von Köln und dreimal größer als die des Biſchofs von Speier. 8) Gfrör, Gregor VII., I. 442. 9) H. 8,500. 10) S. 8,277. 11) S. 7,225,60. Cujus(imperatoris) etiamsi eo usque animi motus pro- cessissent, ut dextrum ejus jussu oculum amisissem, quicquid sinistro providere possem, ad ejus tamen hono- rem et fidelitatem reflectere non desisterem. 12) S. 8,376 und 377. Biſchof Balderich hatte dem Abt Richard von St. Vannes, welcher in Frankreich und Lothringen an 20 Klöſter im Sinne Clügny's reformirt hat, Lobach und St. Lorenz zur Reformation übergeben, ebenſo ſind St. Hubert, Stabulo und Malmedy, Wauſſor und Flo⸗ rennes von Richard reformirt worden. Abt Olbert von Gembloux führte Mönche von der Zucht des Abts

Richard in Gembloux und St. Jakob ein, und ſein Nachfolger Myſach war ſelbſt ein Schüler Ri.W. 354,= 19) 8. 1nhes. t. Jatab ein ſein Nachfolger Myſach war ſelbſt ein Schüler Richards cf. W