Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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die Strafe mit Geld abzuwenden ¹); die jüngeren Schüler aber hätten theils bis zu einem gewiſſen Alter nicht gezüchtigt werden dürfen, theils hätten ſie ſich durch Davonlaufen der Strafe entzogen.

Bezeichnend für die Disciplin iſt auch das heimliche Entweichen der Mönche. So wußte Biſchof Notker lange nicht, wo der Moͤnch Hubald hingerathen war, bis er endlich erfuhr, daß er ſich im Kloſter St. Genovefa in Paris aufhalte ²). Daß dieſes Fortlaufen ziemlich häufig geweſen ſein muß, erhellt daraus, daß die ſtrenge Zucht des Biſchofs Wolbodo ³) und des Abtes Berengar) von St. Lorenz rühmend hervorgehoben wird mit der Bemerkung, unter ihnen habe kein Mönch entweichen können.

Lehrer, Schulgeld, Beſoldung.

Was das Lehrerperſonal anlangt, ſo haben wir in der Perſon eines Wazo), Folkuin), Theoderich ¹) den Director der Schulen vor uns. Die Directoren führten die Aufſicht, hielten zu beſtimmten Zeiten Prüfungen) und ertheilten auch Unterricht, wahrſcheinlich jedoch nur, ſo viel ſie wollten, denn es gab in dieſem Jahrhundert ſchon Scholaſtici, welche nur dem Namen nach dies Amt inne hatten und den Unterricht ihren Vicarien überließen).

Solche Unterlehrer waren notwendig, da ein Wazo, Franko oder Fulbert von Chartres die gleich Bienen von allen Seiten ihnen zuſtrömenden Schüler unmöglich allein in allen Wiſſenſchaften unterrichten konnten ¹⁰).

Die Hilfslehrer wurden aus den fähigeren Schülern herangebildet unter der Leitung ihres Scholaſticus wie wir dies bei Walcher ſehen) und dann ſpäter mit einer ſelbſtſtändigen Stellung betraut. Einen ſolchen Hilfslehrer hatte auch Notker bei ſich, um die Schüler, welche er auf Reiſen mit ſich nahm, zu unterrichten ¹*). Auch wurden in Lancaſterſcher Weiſe die Schüler beim Unterricht verwendet ¹³).

Außer den feſtangeſtellten Hauptlehrern und deren Gehilfen iſt noch eine Claſſe von Lehrern zu erwähnen, die man Wanderlehrer nennen könnte. Ohne feſte Anſtellung zogen dieſelben von Ort zu Ort, wo ſie Zuhörer fanden, wurden auch wohl von den Studenten zu Vorträgen eingeladen ¹4⁴) und ſuchten in Zeiten, wo der Streit über wichtige Fragen die Gemüther bewegte, wie dies beim Berengarſchen Abendmahlsſtreit der Fall war, Anhänger für ihre Anſichten zu ge⸗ winnen. Sie mögen dadurch zur Lockerung der Zucht beigetragen haben, indem ſie durch ihre Polemik gegen die an der Schule herrſchende Auffaſſung die Schüler zur Kritik gegen ihre Lehrer veranlaßten, manche wohl auch dazu verführten, die Schule zu verlaſſen und mit ihnen zu ziehen ¹⁵); das Bacchantenleben war damals ſchon in Flor ¹⁰).

Daß Schulgeld zu zahlen Sitte war, erhellt daraus, daß Wazo darauf verzichtete; über die Höhe desſelben wird jedoch nirgends etwas erwähnt; es ſcheint, als ob zwiſchen dem Lehrer, welcher nicht Director war, und den Schülern der Preis jedesmal feſtgeſetzt wurde ¹⁷); dem Director

1) M. 443 1. de majoribus silere praestiterit, veritas enim odium parit 2) S. 7,207. 3) S. 7,207 nullus alicui locus evagandi erat. 4) S. 8,279. 5) 8. 7,206,30 Notkero jubente ad regendas ma- joris ecclesiae scholas evolavit. Ebenſo werden 6) 8. 8,542 u. 7) S. 8,572,6 Folkum und Theoderich ad regen- das scholas berufen. 8) Cr. 118. 9) Cr. 114. 10) H. 7,263. Als Fulbert von Chartres aus in Poi⸗ tiers eine Schule gründen will, ſchickte er mit dem Hauptlehrer ſogleich einen Unterlehrer(sous-mattre) hin. 11) M. 438. r. 12) S. 7,205. 13) S. 7,201 Eyveracrus lectiones majusculis tradidit cf. auch H. 7,34 in Toul. Les étudiants plus avancés étant préposés pour aider les autres. Die Methode des gegenſei⸗ tigen Unterrichts wurde ſchon von Biſchof Ferreolus von Narbonne(553581) angewendet, welcher zum Zweck des Auswendiglernens der Pſalmen die Schüler in Decurien eintheilen ließ mit je einem Lcetor an der Spitze, ſoviel wie Monitor bei Lancaſter Cr. 93. 14) M. 443 1 ad sua desideria coacervantes sibi magistros pru- rientes auribus. 15) M 443. r. Quidam vero pseudomagistri, dum certum ignorant praesepe, nec in sua, quae non habent, se possunt recipere, hac illac per villas pagosque urbesque circumcursant, novas psalte- rii, Pauli, Apocalypsis lectiones tradunt, juventutem novorum cupidam, levitatis pedissequam, disciplinae refugam, post se per voluptatum declivia trahunt, reverentiam disciplinae, subjectionem obedientiae, obser- vantiam religionis, postremo omnia regularis vitae munia perditissima morum corruptione confundunt. 19)§. 12,62 wird von Benno dem ſpäteren Biſchof von Osnabrück 1088 geſagt:more studentium vagatus. 17) M. 442 r. Quis enim non temperet a labore, ubi negato etiam eo de quo convenisti denario, minimum laboranti plurimum conferat otianti, si quidem otio bene utatur, ſo ſchreibt Gojechin an ſeinen Schüler Walcher. H. 7,160 Abbo, der ſpätere Biſchof von Fleuryſtudirte in Orleans Muſik; le clere, qui la lui enseignait, lui vendit chèrementses leçons.