Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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Sigebert vom Gembloux erwähnt auch noch eine andere Erklärung: ad literam, allegorice et mythologice ſo habe er den Ekkeleſiaſten erklärt ¹).

Mit dem Laufranc⸗Berengarſchen Abendmahlsſtreit kam ums Jahr 1050 eine neue die ſoge⸗ nannte dialectiſche Methode auf, ein Verſuch die theologiſchen Dogmen philoſophiſch zu begründen, die ſcholaſtiſche Theologie ²). Dieſe Methode fand raſch großen Anhang in Lüttich, doch wurde ſie von den Gegnern als gefährliche Klopffechterei verachtet ³).

Auch Disputationen fanden über einzelne Fragen ſtatt und Wazo ſah es lieber, wenn er mit triftigen Gründen überwunden wurde, als wenn er ſiegte).

Disciplin, Dienſtzeit.

Um ſich von der Schwierigkeit der Disciplin in den Schulen des Mittelalters einen Begriff zu machen, muß man ſich vergegenwärtigen, wie ſtark unſere Vorfahren in jener Zeit noch unter der Herrſchaft der Leidenſchaft ſtanden.

Zur Illuſtration ſei hier auf die Scene verwieſen, welche ſich im Jahre 1063 in der Kirche zu Goslar zutrug 5).

Hier waren am Pfingſtfeſte weltliche und geiſtliche Fürſten in der Kirche verſammelt, auch der junge König war anweſend. Es war herkömmlich, daß zunächſt nach dem Erzbiſchof von Mainz der Abt von Fulda ſaß; jetzt jedoch wollte der Biſchof von Hildesheim den Platz ſelbſt einnehmen, weil Goslar in ſeinem Sprengel lag. Vom Wortſtreit kam es zur That. Mitten im Heiligtume unter dem Chor der ſingenden Brüder kam es zum Handgemenge, zum blutigen Kampf nicht mit Prügeln, ſondern mit dem Schwerte. Anſtatt der Hymnen erſcholl der Aufruf der Krieger, das Aechzen der Sterbenden. Auf den Altären floß Blut. Der Biſchof von Hildesheim hatte ſich auf eine höhere Stelle begeben und ermahnte wie eine Kriegsdrommete die Seinigen tapfer zu kämpfen, indem er ihnen zugleich Abſolution verſprach. Viele Ritter auf beiden Seiten wurden erſchlagen. Der König rief, beſchwor die Menge bei der königlichen Majeſtät, Niemand achtete auf ihn und nur mit Mühe rettete er ſein eignes Leben. Die Nacht machte dem Kampfe ein Ende.

Was mögen dieſe geiſtlichen und weltlichen Herrn, die im Gotteshauſe, im Beiſein des Königs, um ſo geringer Urſache willen ſich eine Schlacht lieferten, wenige Jahrzehnte früher für Schüler geweſen ſein, wie mag es bei ſolchem Vorwalten der Leidenſchaft bei Schülern und nicht minder bei Lehrern mit der Disciplin ausgeſehen haben.

Der Stock fand die ausgedehnteſte Anwendung; nicht nur Schüler hohen und niederen Standes, ſogar Studenten an der Univerſität, Hilfslehrer und Kloſtergeiſtliche wurden noch mit Stockſchlägen gezüchtigt), und daß dieſelben von dem leidenſchaftlichen Lehrer oft allzu reichlich ausgetheilt wurden, zeigt die Beſtimmung des Sachſen⸗ und Schwabenſpiegels, wonach kein Knabe mehr als 12 Schläge auf einmal erhalten durfte. Von den Schülern wurde gegen ſolche Strenge aufs heftigſte reagirt, und es ſind uns in dieſer Hinſicht Züge von verbrecheriſcher Rohheit überliefert?). Daher begreift es ſich leicht, wenn von dem Lütticher Lehrer Gozechin berichtet wird, es ſei von den Weiſen feſtge⸗ ſetzt worden, daß keiner länger als ſieben Jahre zu unterrichten brauche, da kein Beruf die Kräfte mehr aufreibe als der des Lehrers; nur die Directoren, die nicht ſelbſt unterrichteten, könnten es länger aushalten*). Von demſelben erfahren wir auch), daß man wegen der großen Anzahl der ſtraffälligen erwachſenen Schüler oft keinen ſtrafen könne und daß es den Größeren geſtattet war,

¹) Sig. 171. 2) H 7,148. 3) M. 438 heißt dieſe Methode novum docendi lenocium, wodurch die Einfältigen verführt würden cf. auch Sig. 154. 4) 8. 7,220 cf. auch 8. 8,545,56. 5) Stenzel Geſch. Deutſch⸗ lands unter den fränk. Kaiſern I. 225. 6) Cr. 118. 165. 199. 200. 7) Cr. 80 u. 81. Scotus Erigena ſoll von ſeinen Schülern in Malmesbury mit Federmeſſern getötet worden ſein. Ein Schüler in St. Gallen,

welcher zur Züchtigung eines Mitſchülers einen Stock holen ſollte, ſteckte das Kloſter in Brand, welches dabei

faſt ganz zu Grunde ging. Einem Lehrer im Kloſter Adelmann in Würtemberg wurden auf einem Spazier⸗ gang von ſeinen Schülern die Augen ausgebohrt. 8) M. 443 1. Cujus laboris tempus, quia nihil difficilius sub sole geritur vel quod magis operarii vires exhauriat, a sapientibus praefinitum est septenne nisi is qui praeest auctoritate praesideat non labore. 9) M. 443 1. ut continuo pro majoribus aut mul- titudo similium propugnatrix aut pecunia accedat, pro minoribus vero aut immatura libertas aut allatis pe- dibus fuga liberatrix intercedat.