Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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Mönche aufs Höchſte, daß Knaben ohne Vorſingen des Cantors, durch bloßes Sehen, mit Hilfe dieſer ſtummen Kunſt plötzlich ſingen lernten, was Erwachſene kaum in zehn Jahren fertig gebracht hätten ¹). Da Rodulf bis zu ſeinem 18. Jahre in Lüttich war und ſich ſpäter abwechſelnd in Burtſcheid und Siegeberg aufhielt, ſo iſt es möglich, daß die Notenſchrift in dieſen Klöſtern auch ſchon bekannt war. Diejenigen welche Talent und Neigung hatten, ſtudirten Generalbaß, um com⸗

poniren zu können ²). Die Lateiniſchen Studien

begannen mit Donat und Priscian, und Wazo hielt noch als Biſchof ſtreng darauf, daß die Schüler tüchtig Grammatik ſtudirten ³). Bei der Erklärung der Claſſiker wird man kaum anders verfahren haben als heutigen Tages, indem man durch Conſtruiren das Zuſammengehörige auffin⸗ den ließ und durch Wort⸗ und Sacherklärungen dem Verſtändniß ſchwieriger Stellen nachhalf. Bei dem Mangel an geeigneten Hilfsmitteln jedoch muß der Unterricht für beide Theile, für Lehrer wie Schüler ſehr ſchwierig geweſen ſein, und wenn Biſchof Everacrus ſich die Mühe nicht verdrießen ließ, ſchwierige Stellen wohl hundertmal zu erklären) ſo werden ſich andere Lehrer auch dieſer Mühe haben unterziehen müſſen, ohne dabei ſtets auf Erfolg rechnen zu können). Daß auch ſchriftliche Arbeiten gemacht wurden, erhellt gleichfalls aus der angezogenen Stelle. Ohne dies hatte man ja das Beiſpiel St. Gallens vor Augen, wo Notker Labeo Proſaſtücke aus der hl. Schrift und aus Legenden dictirte), welche die Schüler in metriſche Form bringen mußten; auch wird wohl für die Größeren Lateinſprechen ²⁷) ebenſo Sitte geweſen ſein wie in St. Gallen.

Man begegnet auch ſchon etymologiſchen Verſuchen; ſo werden die Namen Stabulo), Mal⸗ medy), Modoaldus, Gembloux ¹⁰), Göttweih ¹¹) bei Paſſau, Verona ¹²) abgeleitet.

Wichtiger noch ſind die kritiſchen Bemerkungen. Heriger weiſt darauf hin, daß die erſten Biſchöfe von Trier Eucharius, Valerius und Maternus nicht von Petrus ausgeſandt ſein könnten ¹³), da ſie ja im Anfang des vierten Jahrhunderts ¹⁴) gelebt hätten. An einer andern Stelle beweiſt er die Unechtheit der Briefe des hl. Jakobus an Clemens daraus, daß Jakobus den Märtyrertod des Petrus erwähnt, während er doch ſchon 8 Jahre vor Petrus geſtorben ſei ¹⁵). Ebenſo macht er auf den Widerſpruch aufmerkſam hinſichtlich der Taufe Conſtantins; in Rom werde der Tauf⸗ ſtein gezeigt, in welchem ihn Pabſt Sylveſter und in Nikomedien ein anderer, worin ihn Euſebius, der arianiſche Biſchof dieſes Ortes, getauft habe..

Auch Herigers Fortſetzer Anſelm ſucht in einem Briefe an Erzbiſchof Hanno darzuthun, daß Ebergiſus und Ebergiſilus nicht dieſelbe Perſon ſein könnten 16).

Die Erklärung der heiligen Schrift geſchah durch die Schrift ſelbſt und durch die Kirchen⸗ väter, von denen Commentare faſt zu allen Schriften des alten und neuen Teſtamentes vorhanden waren ¹²⁷). Die dreifache Erklärung nach dem buchſtäblichen, moraliſchen und allegoriſchen Sinne darf ſchon wegen der Beziehung Lüttichs zu Utrecht vorausgeſetzt werden; hier commentirte der Scholaſticus Bernhard 1075 1099 in dieſer Weiſe die Eklogen des Theodulus, eines Presbyters unter Kaiſer Zeno ¹⁸); namentlich die Allegorie wurde ſtark ausgebeutet ¹).

1) S. 10,273,4. 2) S. 8,541(Olbert v. Gembloux) secundum regulam musicae disciplinae, in qua multum valebat, dulcissime cantus modificavit 3) 8 7,220,52. 4) S. 7,201 quae non tam facile paterent intellectu, vel cencies enodare. 5) M. 438 l. cum ceteri catecheseos nostrae auditores verba magistri dictis vel scriptis nequiverint aequiparare. 6) S. 2,54 u. 91. 7) Arx I., 260. 8) S. 7,185. Et quia ob confluentium ferarum undique illuc vel ad potum vel ad pastum velut ad stabulum concurren- tium inditum eidem loco Stabulaus antiquitus erat vocabulum. 9) S. 7,184,47. Et quia eundem locum a malorum spirituum mundaverat infestatione, Malmundarium, quasi a malo mundatum placuit vocitare. 10) S. 12,289 von modo altus S. 8,557 Gemblus von gemma und baculus. 11) S. 12,237. Wich-Mars in der Sprache der Gothen, daher ſei zu ſchreiben Gothewich und nicht, ut vulgus dicit, Kotewich. 12) 8. 10,149 von Ver. 13) S. 7,167,5. 14) H. 7,149. 15) fl. 7,116. 16) 8 7,156. 17) In dem Ka⸗ talog der Bibliothek von St. Gallen am Ende des neunten Jahrhunderts(ck Weidmann 368384) ſind Com⸗ mentare von Kirchenſchriftſtellern zu faſt allen Schriften des alten und neuen Teſtaments aufgeführt, die in Lüt⸗ tich nicht unbekannt ſein konnten; unter dieſen iſt Gregor der Große beſonders ſtark vertreten, der Muſtertheo⸗ loge der damaligen Zeit(Vagel 26). 18) Hl. 8,679. 19) Rupr. v. Deutz op. om. 722 findet in den Intervallen der Zahlen, welche Abraham im Geſpräch mit Gott über die Gerechten in Sodom erwähnt, einen beabſichtigten Lobge⸗ ſang ef. auch die allegoriſche Deutung äſopiſcher Fabeln von einem Mönch Lambert von St. Lorenz bei Pez IV., III., 40.