Aufsatz 
Die Schulen im Bistum Lüttich im 11. Jahrhundert / vom ... Dute
Entstehung
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Aus der Palaſtſchule Bruns waren hervorgegangen die Lütticher Biſchöfe Ebrachar und Notker, die ſich beide der Schulen ſo ſehr annahmen. Letzterer hatte überdies ſeine Studien durchgemacht in St. Gallen, wo ſein Verwandter und Studiengenoſſe Notker Labeo den Ariſtoteles commentirte, mit Ekkehard III Homer las und griechiſche Verſe machte ¹)..

Auch war Griechiſch in Lothringiſchen Klöſtern in dieſer Zeit nicht unbekannt. Pabſt Leo IX. trieb es auf der Schule zu Toul ²) und las noch in ſeinem Alter das neue Teſtament im Urtext, in Epternach ³) muß es um 1030 getrieben worden ſein, und Abt Odilo von Tournai) ließ eine Polyglotte des Pſalters anfertigen in franzöſiſcher, lateiniſcher, griechiſcher und hebräiſcher Sprache. Man findet es ferner im Kloſter St Vannes in Verdün) und Friedrich von Lothringen, ein Schüler Lüttichs, der ſpätere Pabſt Stephan IX., welchen Pabſt Leo IX. als Geſandten an den griechiſchen Hof ſchickte 6), muß es verſtanden haben.

Unter Otto I. lebte ein berühmter griechiſcher Biſchof Leo längere Jahre in Lüttich, 971) und durch die Vermählung Otto II. mit der griechiſchen Prinzeſſin Theophania wurde das Ver⸗ ſtändnis des Griechiſchen mehr Bedürfnis, und zu deſſen Studium mehr angeregt, wie denn Gerbert von Rheims veranlaßt wurde an den deutſchen Hof zu kommen, um Otto III. im Griechiſchen und in Arithmetik zu unterrichten).

Gleichwol deutet kein Citat aus einem griechiſchen Autor darauf hin, daß man griechiſche Claſſiker oder Kirchenväter im Urtext geleſen hätte, während lateiniſche Citate ſich mit den eignen Worten der Autoren doch ſo vielfach finden. Vogel beſtreitet auch das Vorkommen griechiſchen Unterrichts in Lobach zur Zeit Rathers ³), obſchon dieſer Plato citirt.

Hebräiſch.

Daß in dieſem Jahrhundert Hebräiſch getrieben wurde, wird bezeugt. Schon der Wunſch, die Juden zu bekehren konnte dazu anregen. Brun der Erzbiſchof ſoll ſeinen jüdiſchen Arzt Joſua, der im Hebräiſchen ſehr bewandert war ³⁸) bekehrt haben, von Biſchof Wazo wird daſſelbe erzählt ¹u⁰) in Bezug auf einen jüdiſchen Arzt am Hofe Konrads II. Dieſe Aerzte werden ſich ſchwerlich mit dem Text der Vulgata haben abfinden laſſen, Brun und Wazo müſſen demnach den Urterxt ver⸗ ſtanden haben. Auch Sigebert beſaß hebräiſche Kenntniſſe ²⁴) und verkehrte in Metz viel mit Juden wahrſcheinlich zum Zweck der Bekehrung.

Es fragt ſich nun, ob Wazo und Sigebert ihre hebräiſchen Kenntniſſe privatim von Juden erworben, oder ob die Gelegenheit dazu ſchon auf der Schule geboten war. Auch Abt Thiofrid zu Epternach ¹³), ein Zeitgenoſſe Sigeberts, war des Hebräiſchen mächtig; der Pſalterpolyglotte in Tournai iſt bereits gedacht.

Für Kirchenrecht muß Gembloux eine gute Schule geweſen ſein, denn das von Olbert mit Biſchof Burchard von Worms gemeinſam abgefaßte canoniſche Werk) iſt größtentheils aus ſeiner Feder gefloſſen*). Das⸗ ſelbe fand ſo raſche Verbreitung, daß es ſchon 1029 in Fleuri in der Diöceſe Orleans eingeführt wurde**). Da Burchard und Olbert beide Schüler Herigers ſind, und Burchard ſeinen Lehrer um einen geſchulten Canoniſten bittet, ſo wurde demnach in Lobach dieſe Wiſſenſchaft auch gelehrt*).

In St. Trond haben die Mönche Lietbertus und Stepelinus gleichfalls eine Sammlung

canoniſchen Inhalts veranſtaltet(ſ. o.). Und wenn Sigebert gegen Gregor VII. und Paſchalis II. auftritt), muß er ebenfalls im canoniſchen Recht bewandert geweſen ſein.

Arx 260,4. 2) H. 7,115. 3) H. 7,30. 4) H. 7,116. 5) H. 7,26. 6) Chap. II. 5.

1 7) Cr. 93 8) Cr. 94. 9) Vogel 25 und 26. 10) S. 8,195 Josua, hebraicarum literarum et totius

Judais mi scientia peritissimus. 11) 8. 7,216. 12) 8. 8,550 Judaeis in eadem urbe(in Metz) erat caris- simus pro eo, quod Hebraicam veritatem a ceteris editionibus secernere erat peritus et in his, quue secun- dum Hebraicam veritatem dicebant, Judaeorum erat consentiens assertionibus ef auch H. 7,115. 13) H. 7,30. 14) magnum decretorum volumen. 15) S. 8,536. 16) H. 7,150. 39 Sig. 171.

*) Vogel Rather 27: In Lobach iſt wahrſcheinlich auch der Grund zur Kenntniß der Kirchengeſetze ge⸗ legt worden, die ihn ſpäter ausgezeichnet hat.