Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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lichen 14. Gesang vorgeführt werden. Vgl. auch die Verwendung des Vafprüdnismâl in Wagners ‚Siegfried' (Auf.. I Sc. 2).

³⁰) zunz riüfask regin(Sigrdr. 19. Schlußvers der Str. 6 19 ausfüllenden Runensprüche).

²¹) An dieser Stelle sei der, wie man sagt, nach Homerischem Vorbilde, von Jordan eingeführten Götter- maschinerie gedacht. Daß dieselbe in der ‚Sigfridsage außer hier nur noch einmal an einem entscheidenden Wendepunkte und da nur ganz kurz(XXIV 293314) verwendet ist, während in dem zweiten Liede Hildebrand durch zwei Gesänge hindurch(H. H. XIXXX) von Hela nach Walhall geführt wird, scheint mir, der Wagner- schen Götterdämmerung gegenüber, bemerkenswert.

²²) Vgl. NL. 126, 4: ward der herre Siyvrit ein lützel sanfter gemuot.

²s) Gunther ist durch ,die Zeichen der Stäbet, welche die Seherin Oda, zu der Volker von seinem Lehnsherrn gesandt worden war, geworfen, zur Wahl Brunhilds bestimmt worden(Sigfrids. I 350 ff. III 131 ff. IV 626 ff.).

²⁴) Die Episode des Sachsenkrieges(Lied II) ist wirkungsvoller erst hier eingesetzt. Daß Liudegér als Sohn Wittkinns(vgl. Anm. II 21) und Bruder der Jördis bestimmend in Sigfrids Geschick eingreift, gereicht der epischen ökonomie gewiß nur zum Vorteil.

³6) Ich erinnere an das, was Anm. I 26 über die Doppelgestalt der Walküre gesagt ist. Auch in der VS. ist Brunhild durchaus nicht so rasch mit sich im Reinen, wie dies Stein(s. oben S. 3) in allzu idealer Auffassung des Charakters der nordischen Brunhild annimmt. Und wenn die neueren Nibelungendramatiker diesen, tief- inneren Zwiespalt, den die Vorsicht der Götter zwischen das nicht für einander Geschaffene gelegt hat, in ver- schiedener Weise zur Darstellung zu bringen versuchen, so ist, denke ich, die scharfe Kritik über Geibels und Waldmüllers Brunhild(Progr. 1883 S. 17, 19 f.) um ein Bedeutendes herabzumildern. Auch diese Götterkinder bestätigen die ewige Wahrheit, daß der Mensch irrt, so lang er strebt, daß aber ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange sich doch des rechten Weges wohl bewußt ist. Den Somnambulismus der Brunhild Waldmüllers möchte ich freilich damit nicht gutheißen.

³s) An dieser Stelle sei auf die lokalen Beziehungen(Wisbad, Felsenmeer, Fürstenlager u. dgl.) hingewiesen, zu denen der Dichter der Gegenwart selbstverständlich dasselbe Recht hat, wie die Sänger des Südens und Nordens zu ihrer Zeit.

³1) Vgl. S. 9, wo zu lesen Hartnit, u. S. 23.

3s) Vgl. Anm. I41 und II 16. Auch das Lachen in Ges. XII 496 f. ist für den gewaltigen Umschwung in der Seele Brunhilds ein psychologisch tief begründeter Zug. Ahnlich die höllische Heiterkeit Hagens nach der Er- mordung Mimes(Ges. XXI 468 ff.).

²c) Dieselbe ist wohl ganz Erfindung des Dichters, jedenfalls aber eine äußerst glückliche.

4⁰) So ist Brunhild auch bei Wagner(Götterdämmerung III 3) an den Rhein hinausgeschritten.

41) Eine freie Bearbeitung einiger Strophen der Völuspã; vgl. bes. Str. 40: Svört verda sôlskin af sumar eptir. So wird auch in NL. Sigfrid zum Fest der Sommersonnenwende(vor disen sunewenden 678) nach Worms ge- laden. Es ist die Zeit, da auch Balder den Pfeilen des blinden Hödur erliegt, darum aber auch die Zeit, da der ‚Nibelunge Not(vgl. 1352, 1424, 1754, 2023) und die ‚Götterdämmerung hereinbricht.

) Vgl. NL. 939, 1: Die bluomen allenthalben von bluote waren naz.

⁴3) Zum Schluß dieser Übersicht der ‚Sigfridsage sei hier noch nachgeholt, daß die der nordischen Königin- Mutter Grimhild entsprechende Guta(vgl. S. 22 f.), die gleich nach der Ankunft Sigfrids Spuren geistiger Um- nachtung gezeigt, in Ges. XXIII 475 ff.(bei der Jagd im Odenwald) in vollem Liebeswahnsinn mit Sigfrid zu- sammentreffend vorgeführt wird, ,ein trauriges Spottbild und grauses Gespenst. Von den Königsbrüdern nimmt bei Jordan der die Stelle des nordischen Guthorm vertretende, in der Sagenform aber, in welcher Hagen der Mörder Sigfrids ist, eigentlich überflüssig gewordene Gernot(Lex Burg. Godomar) eine dieser Bedeutung ent- sprechende Stellung ein, während der der Edda fremde, in NL. dagegen und dem entsprechend in ThS. epi- sodisch bedeutende Giselher(Gislahari, Gislher) auch hier als das der Nibelungennatur ein versöhnendes Element beimischendekindelin' in innigster Beziehung zu Sigfrid erscheint.

44) Mit Geschick hat Jordan die an sich unvereinbaren historischen Daten 437, das Jahr der Schlacht, in welcher Gundahari gegen die mit Aëtius verbündeten Hunnen gefallen, und 453, das Todesjahr Attilas, ver- mittelt, indem er das erstere Ereignis nur als eine Bedrohung der burgundischen Herrschaft darstellt, den Un- tergang der Burgunden aber und damit auch den Zusammensturz ihres Reiches mit dem Tode Etzels zusammen- fallen läßt. Die Berechnung der ,neunzehn Jahre aus dem Munde Krimhilds(S. 35) wird etwa damit stimmen.

48) Die historisch ganz unmögliche Zusammenstellung Ditrichs und Hildebrands mit den Burgunden und Sigfrid hat Jordan in vortrefflicher Weise durch Heranziehung der Nornagests-Saga vermittelt und damit zugleich den geeigneten Boden gewonnen, um die in der späteren Gestaltung der nordischen Sage allerdings vorhandenen Beziehungen des germanischen Glaubens zum Christentum in seine Dichtung aufzunehmen. Näheres darüber Anm. II 49 und 57.