Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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Tode Sigfrids in Umlauf kamen(Müllenhoff a. a. O. p. 165). Daß Jordan den Schilbung des NL.(88. 92) samt seinem Bruder Niblung noch weiter nach dem Süden versetzt(wo rauschend der Rhein dem nördlichen Rande der Alpen enteilt II 99 f.), ist freilich eine starke Verschiebung der rtlichkeiten, da die Skilfingar (Hyndluliôd 11, 16) ebenso wie die Niflungar dem hohen Norden zukommen, wird aber, wenn wir erwägen, daß ja auch die Hünmörk der nordischen Sage in der deutschen mit dem historischen Hunnenreich zusammenfällt, nicht das mindeste Bedenken erregen. UÜbrigens gilt auch hierfür das Wort, das wir unserer Darstellung der ‚Nibelunge als Mofto vorangesetzt haben(vgl. außerdem als die beste Einleitung in Jordans Dichtung dessen Epische Briefe).

¹8) Daß Jordan beide Brüder, und nicht, wie Regin(in Reginsmäl, übereinstimmend in VS.) es darstellt, Fafner allein den Vater ermorden läßt, stimmt mit der Skälda, der unsere obige Darstellung zugrunde liegt. UÜbrigens sei hier schon darauf aufmerksam gemacht, wie der Dichter mit großer Kunst die einander wider- sprechenden Angaben der Quellen über den Erzieher Sigfrids dadurch vereinigt, daß er Regin(in Th S.= Fafnir, während Mimir= Regin) zum Gesellen Mimes macht, der sich dann in der Episode von Hartnit in Holmgard als Verführer und Verräter Sigfrids enthüllt, diesen auf Fafners Spur führt, beim Kampfe mit dem Drachen aber, der sonstigen Überlieferung entsprechend, den Tod findet, während Mime als Repräsentant des guten Princips in der Zwergenwelt seinen Zögling mit der aufopferndsten Treue bis zum Tode geleitet.(S. ‚Sigfridsage: XVII 586: ‚Denn mich zu lieben ist Mimes LebenC).

1⁰) Die Ansicht Müllenhoffs(Die alte Dichtung etc. p. 143), wonach Sinfiötli, als echter Ehe nicht entsprossen, auch nicht berufen sein konnte, das Geschlecht fortzupflanzen, konnte natürlich für den philosophischen Stand- punkt Jordans nicht maßgebend sein. In der Regierungsfolge Dankrat-Gibich macht Jordan von derselben Freiheit Gebrauch, wie Biterolf, der neben dem Dancrãât in NL. und Klage auch den Namen Gibiche(Wal- tharius und Rosengarten) gefunden hatte und darum beide gemeinschaftlich oder nach einander herrschen läßt (‚sie béde haeten disiu lant 2614).

²⁰) Uber Sibich, den Verräter aus der Ermenrichsage, s. Grimm Heldensage S. 338 f. Er ist der nordische Bicki.

2¹1) Was Jordan bestimmt hat, den Sachsenkönig Wittkinn zum Vater der Jördis(und des Leudeger) zu machen, vermag ich nicht nachzuweisen. Wenn aber, wie dies Lachmann vermutet und andere nach ihm be- stätigt, dem Markgrafen Gere des Nibelungenliedes der aus den Slavenkriegen Ottos I. berühmte Markgraf Gero von Ostsachsen Modell gestanden, und wenn die Ansicht Giesebrechts, daß auch Eckewart identisch sei mit dem gleichnamigen historischen Markgrafen von Meißen(985 1002), dieselbe Wahrscheinlichkeit für sich hat (s. Henning, Nibelungenstudien, p. 14 ff.,, so steht auch dem heutigen Dichter nichts entgegen, den durch seinen zühen Widerstand gegen Karl d. Gr. berühmt gewordenen und noch im 12. und 13. Jahrhundert von den Spiel- leuten in Nordfrankreich viel besungenen Wittekind(s. ebenda p. 41) oder einen gleichnamigen Ahnen desselben als Vertreter des mit dem fränkischen sich verbindenden sächsischen Stammes in das Epos einzuführen und eben durch diese Verbindung das Anrecht Sigfrids auf die Herrschaft des burgundischen Reiches, dessen Untergang der Ausgangspunkt für die historische Weiterbildung der Sage ist, zu begründen.(Vgl. auch Müllenhoff, Zs. f. d. Alt. 23, 163 ff.)

²z) Vgl. Anm. II 18.

²2) Uber Frô(= Preyr) und Balder s. Simr. Myth.(§ 29, 30, 33 u. ö.). Die Anteilnahme Frôs an dem Schicksal Sigfrids schildern die Verse aus dem Göttergespräch, wonach derselbe zu wirksamer Weihe von seinem Wesen die lautersten Strahlen hinunterstreute in jener Stunde, da Sigfrid entstand(I 213ff.); vgl. SE. Skirnisför.

²⁴) Vgl. Anm. II 6.

²⁵) Der Zug Sigurds gegen die Hundingssöhne ist ‚eine norröne Erweiterung der Sage von ziemlich spätem Ursprunge, wobei der bestimmende Einfluß der Helgisage kaum einem Zweifel unterliegen kann(Wilken XXXIII). Das ‚Blutaar ritzen würde, selbst wenn Sigfrid wirklich als Rächer seines Vaters auftreten könnte, einen Zug in die Sage bringen, der dem Charakter des Helden vollständig fremd ist.

²3) Der Hildegrim ist der Oegishelm der nordischen Sage(Sig. II.[Fafn.] 16 f. Sk.); die tarnhüt der deutschen Sage tritt an die Stelle des Gestaltentausches, wie er oben zwischen Signy und einer Zauberin(VS. c. 7) und zwischen Sigurd und Gunnar(VS. c. 27) angenommen ist.

*) Vgl. Anm. I 9. Daß diese Auffassung sich auf die Worte ‚eptir bana Helga in Gripisspà 15 stützen kann, benimmt ihr nichts von ihrem Wert. Warum übrigens Jordan gerade hier, wo er die Helgisage heran- zieht, die Sage als die ,der sächsischen Sänger bezeichnet, also der ThS., von der er doch in den wesentlichsten Punkten abweicht, ist mir nicht recht klar.

²⁸) Simr. Myth. 108 u. Anm. I 26.

²⁵) Wie das NL. für den Ritt durch die wabernde Lohe die Kampfspiele einsetzt, so fügt Jordan, ganz im Geiste der gnomischen Weisheit des Nordens, das Wettspiel in ‚runischen Rätseln hinzu, die uns in dem herr-