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6) Nothung(Notung, das in der höchsten Not gewonnene Schwert)= dem Gram, der nordischen und dem Balmung der oberdeutschen Sage. Im Interesse der einheitlichen Behandluug unserer Sage ist zu bedauern, daß Wagner die gewiß auch musikalisch wohl verwendbare deutsche Form Balmung(von balme= Fels, das Patronymicum also s. v. a. das aus dem Felsen stammende, was mithin auch ganz mit der Geschichte des Wölsungen- schwertes— s. oben S. 7— stimmt) nicht hat beibehalten wollen. Vergl. auch das Schwert Tyrfing der Her- vararkvica.
²) Man beachte, wie Wodan als ‚Wanderer’ ein direktes Eingreifen in den Gang der Handlung vermeidet, und vgl. Anm. I. 17.
⁵) Vgl. bes. Vegtamskvida 13„Ertattu Vegtamr, sem ek hugca etc.“ mit Wagner ‚Du bist— nicht was du dich nennst etc.“
*) Man erinnere sich an dieser Stelle, daß nach der ‚Walkire“(Schlußscene) Loki(bei W. Loge= Lohe) es ist, der ‚als wabernde Lohe(Vafrlogi) feurig den Fels umlodert', der einst gebundene(loki), nun gebannte Feind der lichten Asen, der aber jetzt noch in Wodans Dienste steht.
¹⁰) Vgl. Anm. I 28.
¹¹) Vgl. Anm. I 31.— Diese Grimhild nun reicht dem Helden ein Horn, aus dem er Vergessenheit trinkt, ganz wie sonst Elbe und zumal elbische Frauen thun(Grimm, Myth. 1055) und wie schon Kirke that; sie ist die falsche elbische Braut, die sich zwischen den Helden und seine rechte Verlobte eindrängt, wie Venus etc.“ (Rieger, a. a. O. p. 178).— Gutrune, ‚gute Runen?“(Auf.. I. Sc. 2) ist freilich eine böse Etymologie!
¹²) ‚Man darf also annehmen, daß er(S.) sie(Br.) verließ und zu den Nibelungen zurückkehrte, um diese vor Vollziehung der Ehe zu einem Holmgang aufzufordern; im ursprünglichen Zusammenhang mußte der Preis dieses Holmganges nicht ihr Reich, sondern ihr Eigentum an Sigfrid selbst, seine eigne Freiheit sein. Denn als der Nibelunge Knecht war er Brunhildens Ungenoß'“.(R. p. 191. Vgl. NL. 109). An die Stelle der Knechtschaft tritt „Blutbrüderschaft’, an der aber Hagen, der echte Nibelung, nicht teilnimmt.
¹) Zu beachten ist die vortreffliche dramatische Steigerung in dieser Scene.— Uber die Zeit des Aufent- haltes in Worms bis zur Verlobung weichen die Angaben in der Überlieferung sehr ab. Nach Gripisspà 31 wird Sigfrid nur éine Nacht bei Gibich zu Gaste sein und Brunhild schon vergessen haben; in VS. währt dieser Aufenthalt 5 Halbjahre“ bis zur Vermählung Sigurds mit Gudrun und dann weiter(nach der Geburt eines Sohnes Sigmund) noch einige Jahre bis zur Brautfahrt Gunnars. Khnlich verhält es sich mit der die Lieder VI, IX, X des NL. beherrschenden Annahme, daß Sigfrid nach seiner Vermählung mit Krimhild in sein Land zurtückgekehrt und dann erst bei einem zweiten Besuch in Worms von Hagen ermordet worden sei. Der Dramatiker wählt natürlich überall die kürzeste Frist.
¹4) Aufz. I Sc. 2. Vgl. dag. Anm. I 20.
¹⁵) Das mythologisch wie dramatisch hoch bedeutsame Vorspiel zur ‚Götterdümmerung“, der Nornengesang, ist hier nur des beschränkten Raumes wegen übergangen. Zu vgl. ist SE. Helgakvida Hundingsbana I 1—8.
¹6) In dieser letzten Scene sind die bedeutendsten Momente aus dem Schluß der Sigfridsage sowohl als auch aus der Nibelungen Not zusammengedrängt. Besonders zu vgl. sind: das ‚Lachen Brunhildes“ mit Anm. I 41; der Anschluß an die Gestaltung der nordischen Sage bezüglich des Verhältnisses Gudruns zu den Brüdern, hier in der Abwendung von Sigfrid zu Gunther angedeutet; der mit jeder Uberlieferung im Widerspruch stehende, aber psychologisch wohl begründete Tod Gunthers durch den ,Vollblut-Nibelung Hagen; endlich der Tod Hagens in seinem ursprünglichen Zusammenhang mit der Versenkung des Hortes, hier des Ringes. Ob aber durch einen solchen Ausgang die Götterdämmerung genügend motiviert erscheint, ob nicht vielmehr, nachdem Fafner, der letzte Riese“, gefällt und nun auch mit Hagen der letzte der Nibelungen in die Tiefe versenkt ist, der vom Fluche gereinigte Ring als das Symbol einer neuen Lehre, der Lehre von der sühnenden Liebe, eine Versöhnung mit der alten Götterwelt hätte herbeiführen und so zur Darstellung einer höheren Stufe in der Entwickelung der Welt hätte verwendet werden können, in der die neue Lehre als richtige Lösung der Räthsel der Welt' er- schienen wäre: das ist eine Frage, deren Beantwortung einer Kritik der Schopenhauerschen Philosophie gleich- käme, eine Frage, die Wagner, wie die Schopenhauerianer wollen, im„Parsifal gelöst hat, die wir übrigens noch einmal bei der Besprechung der Grundidee in Jordans ‚Nibelunge“ streifen werden. Vgl. Anm. II 55 u. 57.
¹7) ‚War Sigurd am Rhein geboren und aufgewachsen(nach Prosa zu Reginsmal), erlegte er den Drachen und erbeutete den Hort an den Bergen des Rheins(fiöllum Rinar, Völundarkv. 14), suchte er auch die schlafende Sigrdrifa auf Hindarfiall sudr til Frakklands(Prosa zu Sigrdr.), ward er sunnan Rinar(Brot af Brynh. 11) er- schlagen und der Hort endlich in den Rhein versenkt(Atlakv. 27), von dessen Bergen die Niflunge nach Hün- mörk kamen(Atlakv. 17), so kann bei Frakkland zunächst nur an das deutsche, rheinische, ribuarische Franken- land gedacht sein. Hielt man die Sage doch auch für eine eigentlich deutsche und befragte deutsche Männer (bydverskir menn, Brot af Brynh.), als im Norden verschiedene, einander widersprechende Darstellungen vom


