Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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Du selbst, o Sigrun von Sevafüöll,

Bist schuld, daß ich ganz übergossen von Blute. Grausame Thränen, du goldige, sonnige

Schöne, weinst du vor Schlafengehn.

Blutig fiel jed' auf die Brust des Königs,

Die kalte, schmerzbeklommne, im Grab.

Und er bittet sie, ihre Thränen zu stillen und ihm im Arme zu ruhn, wie sie es dem Lebenden gethan. Als der Morgen sich rötete, da ritt Helgi mit der Schar, die ihn geleitet, wieder nach Walhall. Sigrun aber saß von dem Tage an noch oft am Grabe. Sie weinte nicht mehr, aber sie schwand vor Harm und Trauer bald dahin. Und wie sie selbst als wiedergeborene Swawa(s. oben) gegolten, so heißt es auch von Helgi und Sigrun, daß sie wiedergeboren seien, er als Helgi Haddingjaskadi, sie als Kära, Halfdans Tochter, wie es in den Käraliedern gesungen ist.(Uber das Verhältnis der Helgilieder unter sich und zur Völsungasaga s. Müllenh. a. a. O. p. 127 ff. Vergl. außerdem: ‚Helgi und Sigrun von W. Hahn, Berlin 1867, und den betr. Abschnitt in dessen ,Odin und sein Reich, 1887).

¹⁰) SE. Sinfiötlalok. VS. c. 10. Ng S. c. 5. In Sinf. u. Ng S. ist Frakkland(Frankenland) als das Land bezeichnet, das Sigmund nach Verstoßung der Borghild in Besitz nimmt und in dem er sich Hiördis Eylima- dôttir vermählt.

¹¹) Über die Verschränkung der Namen Hiördis(= Schwertjungfrau) und Hiörvardr(= Schwertwart, der Name Sigmunds in H. Hiörv.) siehe Rieger p. 183 und Müllenh. p. 139. Hiörvardr u. Hiördis: Helgi= Sigmundr u. Sigrlinn(Siglinde): Sigurdr(Sigfrid).

¹²) Vgl. Anm. 9. Der Name des Schwertes: Gram, d. h. das beste. Uber die Vaterrache s. Anm. 13 u. II 25.

¹3) SE. Sig. II(Reginsmaàl) u. Fafnismâl. Sn E. Sk. 40. VS. c. 13. 15. 17 19. Ng S. c. 5 u. 6. Aus- gelassen sind aus unserer Darstellung: Sigurdarkvida I(Gripisspà), eine poetische Einkleidung der Schicksale Sigurds in Form einer dialogisierten Prophetie, und Sig. II 15 26, die Erzählung von Sigurds Vaterrache(auch in VS. u. NgS., dagegen nicht in Sn E. enthalten; s. Müllenh. p. 138 und Anm. II 25). Alf und Hialprek, Stiefvater und Pflegevater, ein Luxus der Sage, der auf eine ursprüngliche Verschiedenheit der Überlieferung hindeutet. Das Wesentliche und Ubereinstimmende ist, daß der alte Nibelungenkönig Alberich den Sprößling eines gottentstammten Heldengeschlechtes in seine Gewalt bringt, um durch ihn das von Fafner be- hütete Gold wieder zu gewinnen.(Hiälprekr= Chilpericus. Er ist nach Sn E. König â piôdi, was mit dem Frakkland der Ng S. stimmt).

¹) Sigurdr aus Sigverdr, eine altnord. Form Sigeferd für Sigefred voraussetzend(J. Grimm, Zs. f. d. A. 12 f.).

¹⁵) Regin ist in den Quellen zwar als Sohn des Riesen(iötunn, Fatn. 29. 38), zugleich aber auch als Zwerg (dvergr of vöxt, Sig. II u. Ng. S. c. 4) bezeichnet.Er ist neben Fafnir der schwächere und klügere und geht darum in die Vorstellung eines Zwerges über.(R.) Übrigens erinnert der Name, wie der des Mimir(s. Anm. 22), an die ratenden Götter.

¹6) Die beiden Schwertproben sind in VS. in umgekehrter Folge erzählt.

¹¹) Nach VS. c. 18 macht Sigurd auf den Rat Odins mehrere Gruben, damit das Blut Fafnirs ihn nicht überströme. Über die ‚durchaus symmetrische, stilvolle Verteilung der Wirksamkeit Odins Müllenh. a. a. O. p. 144 f.

46) ‚ich gialla gull ok id glôdrauda

ber verda peir baugar at banat. Fafn. 20.

¹⁰) UÜber die kulturhistorische Bedeutung des Bluttrinkens s. Lippert, Kulturgesch. I 61 f.

²⁰) Grani, der graue, ist der Name des Hengstes, der von Odins Roß Sleipnir stammt. Die Zuweisung durch Odin erzählt VS. c. 13. Anders Th S. c. 168; s. S. 10.

) Aus der Genovefalegende und dem Mythus von Sceäf oder Scild zusammengesetzt(Rieger, p. 183).

²²) Uber Mimir, Mimer, Mime s. Müllenhoff, D. Alt. V1 S. 101 ff. ‚Die.deutsche Heldensage des 12. u. 13. Jahrh. gedachte Mimes als eines alten, im oder am Walde hausenden, vor andern erfahrenen und gepriesenen Waffenschmiedes der Vorzeit, des Lehrmeisters Wielands und Erziehers Sigfrids, und manche Spuren von älterem Datum(Grimm, Myth.* 314) sprechen noch weiter dafür, welchen bedeutsamen Platz er auch im deutschen und daher im altgermanischen Götterglauben überhaupt eingenommen haben muße. In Mimes Brunnen ist(Völuspaã 29, Müllenh. 15) das eine Auge Odins verborgen. Sein Name, in dem, wie im lat. memor, der Begriff des Denkens liegt, bezeichnet ihn als den fürsorgenden Pfleger, wie er durchaus entsprechend von Jordan verwendet wurde. Der Name erscheint in Ortsnamen wie Memleben(Mimiléba) an der Unstrut, Memborn(Mimibrunno, nord. Mimis- brunnr) bei Neuwied, auch(nach Uhland) in dem des Flüßchens Mimling(auch Mümling) im Odenwald, sämtlich im Gebiet der Sage gelegen(vgl. Anm. I 31 über Gibich). In Sigrdrifumâl(14) redete Mimes ratkluges Haupt zuerst die Worte der Wahrheit(vgl. das dem Wodan verfallene Haupt des Mime bei Wagner).