Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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Anmerkungen.

a) Zur Litteratur.

Außer den grundlegenden Werken von Lachmann und W. Grimm sind besonders benutzt: Müllenhoff, Zur Geschichte der Nibelunge Not(Allgem. Monatsschrift, Jahrg. 1854 S. 914 ff.). Rieger, Die Nibelungensage(Ger- mania III 163 198). Döring, Die Quellen der Niflungasaga in der Thidrekssaga(Zs. für deutsche Philologie II 1 79, 265 292). Jessen, Über die Eddalieder(Ebenda III 1 84). R. v. Muth, Einleitung in das Nibelungen- lied. Wilken, Vorbemerkungen zu seiner Ausgabe der prosaischen Edda im Auszug nebst Völsungasaga und Nornagests-pättr. Müllenhoff, Die alte Dichtung von den Nibelungen(Zs. für deutsches Altertum XXIII 113173). Ders., Deutsche Altertumskunde. Henning, Nibelungenstudien(Quellen u. Forschungen 31). Busch, Die ursprüng- lichen Lieder vom Ende der Nibelungen.(Ubersetzungen von Simrock, Wolzogen, Edzardi, v. d. Hagen.)

b) Allgemeine Charakteristik der Überlieferung (nach Wilken).*)

1. Der Grundstoff der Sage ist deutsch.

2. Die Eddalieder ¹) sind mehr oder minder freie Variationen einer prosaischen Sigurdarsaga, deren zunächst nur in mündlicher Uberlieferung bestehende Existenz vom Jahre 1000 an festzustehen scheint, die aber vermut- lich noch ein bis zwei Jahrhunderte höher hinaufreicht, während die uns erhaltene Liedersammlung in die zweite Hälfte des 13. Jahrh. hinabzurücken ist.

3. Die uns erhaltene Recension der litterarischen Sigurdarsaga, die Völsungasaga, ²) hat sich der aufgelösten Eddalieder vielfach zur Ausschmückung des in seiner Einfachheit namentlich in Hofkreisen nicht mehr anziehend genug erscheinenden Sagenstoffes bedient. Ihre Abfassung scheint in die Mitte des 13. Jahrh. zu fallen.

4. Relativ am reinsten hat sich die gemeinsame Quelle in der möglicherweise von Snorri(1179 1245) ver- faßten Skizze der prosaischen Edda ³)(Skälda c. 39 42) erhalten.

5. Die uns überlieferte Nornagestsage(Nornagests-paättr)) hat in ihren die Sigurdsage behandelnden Kapiteln eine Anzahl von Eddaliedern benutzt, dieselben aber selbständig nach populären Quellen im Charakter einer ungezwungenen Plauderei beim Trinkgelage wiedergegeben. Ihre Entstehung fällt in den Anfang des 14. Jahrh.

6. Die wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrh. abgefaßte Thidrekssaga)(sonst Vilkinasage genannt) hat in den die Nibelungensage behandelnden Abschnitten(c. 152 169; 226 230; 342 348; 356 393; die beiden letzteren speciell Niflungasaga betitelt) norddeutsche(sächsische) Berichte benutzt, auf die sie sich an verschie- denen Stellen ausdrücklich beruft. Sie ist das Hauptwerk der nordischen Romanlitteratur und hat die meisten Berührungspunkte mit dem deutschen Nibelungenlied.

Weitere Quellen(die dänischen Kümpeviser, die Hvensche Chronik, das faröische Högnelied) mögen für unsern Zweck beiseite gelassen werden.

c) Besondere Bemerkungen (nach den laufenden Nummern im Text).

Zu I.

¹) Sn E. Sk. c. 39 f. SE. Sigurdarkvida II(Reginsmäl) Str. 1 12. VS. c. 14. In SE. wie in VS. ist das Wasser, in dem Otr und Andwari gefangen werden, dasselbe, der Andyvarafors, an dem hiernach Otr, nach dem Golde lüstern, gesessen, als Loki ihn tötete. Andere Abweichungen, wie das Fangen mit der Hand oder mit dem Netze der Rân, sind unwesentlich. Der Name des Flusses ist in der Prosa zu Reginsmaâl Rin; in Sn E. u. VS. ist er nicht genannt, weil hier Dänemark der Schauplatz ist. Andvaranaut= Schatz des Andvari

*) Abkürzungen: ¹) SE.(cit. nach Lüning). ²) VS. ³) Sn E.) Ng S. ³) Th S.