Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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Es ist eine äußerst bewegte Scene, die sich hier unter Leitung des Schwertmotivs zwischen Sigfrid und Mime abspielt.

‚Hier hilft kein Kluger, das seh' ich klar; hier hilft dem Dummen die Dummheit selbst.

Und Nothung! Nothung! neu und verjüngt zum Leben weckt' ich dich wieder! so kann der Dumme zum Schlusse jubelnd ausrufen. Wie aber ergeht es unterdessen dem ‚Klugen? Sein Haupt hat er im Wissens-Wettspiel mit Wodan zum Pfand gesetzt ‚dem, der das Fürchten nicht gelernt. Und nun? ‚Dem kühnen Knaben verfel's, lehrt' ihn nicht Fafner die Furcht. Doch weh mir Armen! Wie würgt' er den Wurm, erführ' er das Fürchten von ihm? Wie erräng' er mir den Ring? So sehen wir den Niblung in demselben Widerstreit der Empfindungen, in den aus Gier nach dem Golde auch Wodan geraten war. Und so braut er denn ein ,Trug-Getränk, Sigfrid zu fällen, dem Fafner fiel'! und schon denkt er sich mit dem ganzen Ingrimm seiner Zwerg- natur in den Gedanken hinein, wie er dereinst als Niblungenfürst die Welt beherrschen wird:

Zu dem Hort drängt sich Gott und Held;

vor meinem Nicken neigt sich die Welt; vor meinem Zorne zittert sie hin.

Und Alberich? Vor der ,Neidhöhle hält er Wacht: Verfallen dem Tod durch meinen Fluch

ist Fafner, des Hortes Hüter: wer wird ihn beerben? So fragt er den ‚Wanderer', der vor der Neidhöhle erscheint. Und wer anders als er sollte der

Erbe sein? Dann zittre der Helden heiliger Hüter!

Walhalls Höhen stürm' ich mit Helas Heer: der Welt walte dann ich'! Und der ‚Wanderer?Alles ist nach seiner Art, an ihr wirst du nichts ändern. So spricht der in Weisheitsspielen wettende Gott und verschwindet im Walde.)

Kaum ein Zug aus dem Nibelungenkreise ist so tief in das deutsche Volksbewußtsein ge- drungen wie die Sage vomhürnin Seyfrid', und die Hornhaut mit dem Todespförtchen hat sich durch alle Modifikationen der Schutz- und Trutzwaffen hindurch so standhaft behauptet, wie die Achillesferse der(späteren) griechischen Sage die siννκννιμᷣdᷣ Axaous weitaus überdauerte. Wie hat sich, dieser unverwüstlichen epischen Lebenskraft gegenüber, der Wagnersche Drachenkampf auf der deutschen Bühne eingeführt? Die Hornhaut freilich, die die nordische Sage nicht kennt und die in der deutschen ,Sigfrids Erscheinung trübt, indem sie seinen Heldenmut verringert (W. Grimm, Deutsche Heldensage), hat Wagner beseitigt und dafür das glücklichere Motiv einge- setzt, daß der Held durch das Zauberspiel der erweckten Walküre gefeit wird, ausgenommen am Rücken, den er niemals fliehend dem Feinde reiche. Immerhin aber bleibt in dem Kampfe soviel des Possenhaften und Trivialen übrig, daß auch die gelungenste Maschinerie und das begeistertste Spiel nicht vermögen werden, diesen Charakter vollständig zu verwischen, zumal auch der von den Wagnerianern à tout prix so oft gerühmte Urzustand'(vgl. Nietzsche, R. Wagner in Bayreuth) der Sprache Wagners gerade an dieser Stelle recht stark hervortritt(Eine zierliche Fresse. du verrecktest ohne Frist' u. dgl.) und durchaus nicht geeignet ist, das ethische Unbehagen, das dieser radikale Aufräumungsproceß auf dem Wege des Auges in uns erzeugen muß, in etwas durchs Ohr zu mildern.

Zu reiner Höhe erhebt sich die Dichtung erst wieder in dem Zwiegespräch mit den Wald- vögelein, hier aber auch sofort mit dem vollen Zauber tiefinnersten Liebessehnens, dem die Weisung