Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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Und darum sind sie sorgenfrei, der Wassertiefe weise Schwestern, ,denn was nur lebt, will lieben, meiden will keiner die Minne; und in sorglosem Geplauder haben sie das Geheimnis des Goldes dem schlimmsten Feinde verraten: Alberich, der aus Nibelheims Nacht aufgetaucht war und vergeblich um ihre Gunst gebuhlt hatte, ist der eine, der die Liebe verflucht, am maßlose Macht zu gewinnen. Von der Spitze des Riffes, auf dem ,des Goldes Auge wechselnd wacht und schläft, reißt er es mit furchtbarer Gewalt herab und verschwindet unter dem Wehklagen der Rheintöchter in die Tiefe.

In Nibelheims Reich gelingt es Alberich durch einen Runenzauber, das Gold zum Reife zu zwingen; und nun treibt er der Nibelungen mächtiges Heer, ‚wo nur neuer Schimmer in Schachten sich birgt, zu spüren und graben, die Beute zu schmelzen und den Guß zu schmieden. Durch seinen Bruder Mime aber läßt er sich ein ‚hehres Geschmeid', den Tarnhelm, schmieden, ‚schnell sich zu wandeln nach seinem Wunsch', und wähnt nun, ,die in linder Lüfte Wehn dort oben leben, die Götter alle', sich fangen zu können.)

Da steigen eines Tages Wodan und Loki aus dem Reiche des Lichts in Nibelheims Tiefe hinab. Denn auch bei den Göttern ist die Zeit, da sie spielend am Gold sich erfreuten, dahin. Um sich ‚ewige Macht zu sichern, hat Wodan durch die Riesen Fasold und Fafner die Götter- burg erbauen lassen und den Baumeistern Freya, die Göttin der Liebe, als Lohn versprochen. Nicht war es sein Wille, das Versprechen zu halten, und nun hofft er, durch Lokis List das Gold zu erlangen, nach dem die Riesen, in deren Beisein dieser vom Raube des Rheingoldes erzählt, als Ersatz für Freya begehrt. Und wie oft schon, so hilft auch jetzt der Arge in seiner Weise. Der Niblung, den er den mächtigsten rühmt(‚denn Mond und Stern' und die strahlende Sonne, dienen müssen sie dir), verfällt durch den Zauber, in dem er den Göttern seine größte Macht zeigen will, der Gewalt desLicht-Alberich', und Tarnhelm und Ring gelangen mit dem ganzen Nibelungenschatz in das Lichtreich hinauf, in dem Götter und Riesen nach seinem Besitze sich sehnen. An den Ring, von dem Alberich nach der Herausgabe der anderen Schätze sich gleich- falls trennen muß, heftet er den furchtbarsten Fluch, und dieser erfüllt sich zunächst, nachdem Freya mit dem Golde gelöst, an Fasold, den Fafner im Streit um dasselbe erschlägt.

Aber auch an Wodan hatte des Ringes Zauber seine unheilvolle Wirkung geübt. In ge- wohnter Zweizüngigkeit hatte Loki das Rheingold, das zur Lösung Freyas bestimmt gewesen, zu- gleich auch den Rheintöchtern zurückzugeben geraten, und hatte dadurch den Zwiespalt in Wodans Brust vermehrt und ihn in seinem Vorsatze, es für sich zu behalten, bestärkt.*) Da war Erda aus der Tiefe aufgetaucht. Heute hat sie nicht die Nornen gesendet; sie selbst will es dem Gotte

verkünden: Ein düsterer Tag dämmert den Göttern:

dir rat' ich, meide den Ring!

Damit ist der Blick auf das Ende, die ,Götterdämmerung', eröffnet, auf die bereits in dem Ver- bleichen der ,das jüngende Obst' missenden Götter hingewiesen war. Freilich sehen wir sie am Schluß des Vorspiels ‚sicher vor Bang und Graun in Walhall einziehen; aber wir hören auch den höhnenden Nachruf Lokis und die Klage der Rheintöchter: ‚Traulich und treu ist's nur in der Tiefe, falsch und feig ist was dort oben sich freut'. (Rheingold).

(a. 2) Vom Ende hatte Wodan mehr noch wissen wollen; aber schweigend war Erda ver- schwunden. Da verlor der Gott den leichten Mut. In den Schoß der Welt schwang er sich hinab, und mit Liebeszauber zwang er die Wala, ihm Rede zu stehen. Da gebar ,der Welt weisestes Weib die Walküre Brunhild. Mit acht Schwestern zog Wodan sie auf, denn durch sie wollte er wenden, was die Wala zu fürchten geboten: das Ende durch Alberichs Heer. Kühner Kämpfer