— 15— nordischen Atli- mit der gotischen Ermanrichsage noch weiter ‚fortzeugend Böses muß gebären’.— In diesem Sinne tragen wir dem Vorstehenden noch die beiden folgenden Abschnitte nach.
1) Krimhild und Schwanhild.“*)— Von den Meereswogen, in denen sich Gudrun den Tod geben wollte, wird sie ans Gestade in Jonakrs Land getragen und vermählt sich mit diesem. Ihre Söhne sind Sörli, Hamdir und Erp. Aber auch Schwanhild, die durch ihre wunderbare Schönheit ausgezeichnete Tochter Gudruns und Sigurds, wird dort auferzogen und dem König Jör- munrek(Ermanrich) anverlobt. Auf der Heimreise von der Brautwerbung rät Bicki, der Ver- traute Jörmunreks, dessen Sohne Randwer, die Braut für sich zu gewinnen, zeiht aber dann bei dem Vater den Sohn des geheimen Einverständnisses beider. Der König läßt Randwer an den Galgen hängen und Schwanhild von Rossen zertreten, was freilich erst geschehen kann, nachdem die leuchtenden Augen der Wölsungenjungfrau mit Tüchern verhüllt worden sind.
2) Die letzte Rache.“*)— Auf diese Nachricht hin reizt Gudrun ihre Söhne zur Rache an Jörmunrek auf. Sörli und Hamdir hauen ihm Hände und Füße ab, vermögen aber nicht, sein Haupt vom Rumpfe zu trennen, da sie ihren Bruder Erp, dem dieses vorbehalten war, auf dem Wege getötet hatten. Auf den Rat Odins werden sie zu Tode gesteinigt.
(UÜbrigens wird auch in Gudhranarhvöt der freiwillige Sühnetod Gudruns angenommen. Ich lasse die Stelle(Str. 19 ff), in der dies geschieht, zum Schluß unserer Darstellung des altnor- dischen Sagenstoffes hier folgen. Gudrun spricht in einem letzten Rückblick auf ihr Leben:
„Weißt du noch, Sigurd, was wir uns sagten, Da wir beid' auf dem Bette saßen?
Du wolltest, Kühner, einst kommen von Hela Zu mir, oder ich von der Erde zu dir!
So schichtet, ihr Edeln, denn Eichenscheite, Daß hoch sie sich unter dem Himmel erheben: Da laßt sie verbrennen, die leidvolle Brust, Da schmelze die Flamme die Schmerzen im Herzen!.. Allen Helden erhebe den Mut,
Allen Holden heile die Sorge
Der Leidenlösung letzter Sang.“)*¹)
II. Die neuere Nibelungendichtung.
A. Wagner:„Der Ring des Nibelungen.
Der wunsch der luac dar under, von golde ein rüetelin, der daz het erkunnet, der möhte meister sin.
Nibel. 1064.
(a. 1)*) Auf dem Grunde des Rheines gleiten, selig im Glanze des Goldes, das der Vater
ihnen zu hüten befahl, des Rheines Töchter, die Nixen der Tiefe. Wohl kennen sie die ge- heime Tugend des Schatzes, denn: ‚der Welt Erbe gewänne zu eigen, wer aus dem Rheingold schüfe den Ring, der maßlose Macht ihm verlieh'. Aber ‚nur wer der Minne Macht versagt, nur wer der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber, zum Reife zu zwingen das Gold'.
*) Die Darstellung der einzelnen Abschnitte folgt hier in derselben Ordnung wie unter I(S. 6 ff.).


