Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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14 Und furchtlos ging sie die Gäste zu grüßen, Die Nibelunge, mit letztem Gruße.¹⁴)

‚Ich glaubte euerm Kommen vorgebeugt zu haben, sprach sie, ‚aber niemand vermag dem Geschick zu widerstehen'. Und nun legt sie die Brünne an, ergreift ein Schwert und kämpft gleich dem kühnsten Manne auf Seiten ihrer Brüder. Zwei Brüder Atlis werden von ihr erschlagen. Doch die Gäste werden von der Uebermacht der Atlimannen erdrückt. Als die letzten fallen Gunnar und Högni in Atlis Gewalt. Sie werden in Fesseln gelegt, und nun fordert Atli Gunnar auf, er solle angeben, wo das Gold sei, wenn anders er das Leben geschenkt haben wolle. Der aber ant- wortet: ‚Zuvor muß ich das blutige Herz meines Bruders Högni sehen. Und als es gebracht wird,

da ruft er aus: Nun mag der Rhein des männermordenden

Gutes walten; er weiß, wie die Götter, Genug von dem Erbe der Nibelunge.**)

Und mit gebundenen Händen wird er in einen Schlangenturm geworfen. Gudrun aber sendet ihm eine Harfe, die schlägt er mit den Zehen und spielt so trefflich und schön, daß alle Schlangen einschlafen. Nur eine Natter, groß und scheußlich anzusehen, kriecht an ihn heran und trifft ihn mit giftigem Bisse ins Herz.**)

5) Krimhilds Rache.*)

Die Blüte sinkt, wo die Säfte stocken, Es wankt der Baum, dem die Wurzel zerhauen.

Also antwortet Gudrun dem ihr die Schuld alles Unheils beimessenden Atli. Aber ‚sie stellte sich heiter und stritt mit zwei Schilden'. Und als Atli den Seinen das Erbmahl besorgte, da veran- staltete auch sie eine Totenfeier für ihre Brüder. Und nachdem diese vorüber ist, da eröffnet sie ihrem Gatten, daß er die Schädel seiner beiden Söhne als Trinkschalen gebraucht, von ihrem Blute getrunken und von ihren am Spieße gebratenen Herzen gegessen habe. ‚zIch that, was mein Recht war, und rühme mich nicht.*³) Entsetzt vernimmt Atli die grausige That, aber er lebt mit der Thäterin fort unter einem Dache. Da verbindet sich diese mit dem einzigen noch lebenden Nibelung, einem Sohne Högnis,**) zum Mord ihres Gatten und führt dem in seinem Blute liegenden die ganze Größe ihres Unglücks noch einmal vor Augen. Doch das härteste war ihre Verbindung mit Atli. Erst jetzt verlor ich den Jugendgeliebten.**)

Atli aber erbittet sich eine ehrenvolle Bestattung, die ihm denn Gudrun auch verspricht:

‚Ich kaufe ein Boot, eine bunte Kiste,

Wächse das Linnen und wickle den Leib,

Beachte was not thut, als ob wir uns liebten.*¹)

d. Nachklänge.

Unter den neueren Nibelungenforschern hat zuerst Rieger(Germania III 163 ff.) durch zeinen Sprung ins Finstere das Licht aus der Tiefe geholt, indem er nachwies, daß die Atlisage in ihrer nordischen Gestalt eine Nachbildung des Teiles der Wölsungensage ist, den wir oben unter Seite 7 f. in Kürze dargestellt haben(Atli: Siggeir= Gudrun: Signy= Giukungen: Sigmund und seinen Brüdern). Nach dieser Annahme(vgl. auch Müllenhoff a. a. O. 146 ff. Hennings Nibe- lungenstudien,) giebt sich Gudrun wie dort Signy und dann auch Brynhild selbst den Tod, läßt sich in der Halle oder auf dem Leichenschiffe Atlis mit diesem verbrennen und sühnt so die Schuld, die sie durch den Vollzug der Blutrache auf sich geladen, die indessen durch die Verbindung der