Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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12 Aus den Erörterungen, die diese folgenschwere Entdeckung veranlaßt, hier nur den einen Zug: ‚Lebe, Brynhild, und liebe Gunnar und mich, rief Sigurd; ‚all mein Gut will ich dafür hin- geben, daß du nicht sterbest. Brynhild aber sprach: Es ist nichts mit solchen Reden: ich mag nicht zwei Männer in einer Halle haben; und lieber will ich mein Leben lassen als Gunnar betrügen.

Hinaus ging Sigurd nach solchem Gespräche, Der Held voll Kummer, das Haupt gesenkt, Daß dem streitbaren Fürsten die stahlgewobene Brünne an beiden Seiten zerbarst.*)

Der Fluch hat die sonnige Seele des Helden verdunkelt.

Aus der Thidrekssaga(cap. 342 344), in der der Streit damit beginnt, daß Grimhild (Gudrun) nicht vor Brynhild aufstehen will, folge hier nur die eine Stelle. Brynhild: ,Sigurd der schnelle kam zu euch wie ein Waller; nun aber ist er so stolz und so mächtig, daß nicht mehr lange hingehen wird, bis ihr ihm alle dienen müsset. Und so kam er das erste Mal zu mir, daß er nichts von seinem Vater oder seiner Mutter wußte und nichts von seinem Geschlechte'. Gunnar: Frau, du sollst nicht weinen, und schweig zur Stunde. Sigurd der schnelle soll nicht lange unser Herr sein, und meine Schwester Grimhild soll nicht deine Herrin sein! Da that Brynhild, wie der König gebot. ²³)

5) Sigfrids Tod.**) Lange schwankte Gunnar, und auch Högni riet davon ab, geschworene Eide zu brechen. Da reizen sie Guthorm, den jüngsten Bruder, der nicht mit ihnen Blutbrüder- schaft geschworen, zum Morde auf. Sie geben ihm Schlangen- und Wolfsfleisch zu essen; und durch diese Nahrung und zugleich durch Grimhilds Beschwörungen wird er so wild und kampfes- lustig, daß er die That verheißt. Zweimal versucht er sie, wird aber durch die strahlenden Augen des Helden davon zurückgehalten, bis er endlich den schlafenden Sigurd im Bette an Gudruns Seite ersticht, alsbald aber durch das Schwert Gram, das ibhm der zum Tode Verwundete nachwirft, selber den Tod findet.*) Schreiend erwacht Gudrun, vom Blute des Gatten überströmt, der sie mit milden Worten tröstet und sterbend beteuert, daß er den Schwägern die heiligen Schwüre ge- halten. Auch Brynhild hört den gellenden Schrei.

Die Burg erdröhnte, Brynhild lachte

Aus ganzem Herzen heute noch einmal:

Nun möget ihr walten der Männer und Lande, Da ihr den kühnen König erschlugt!¹ ⁴⁴)

Dann aber legt sie die goldene Brünne an, die sie als Walküre getragen, und macht sich bereit, dem Geliebten im Tode zu folgen. Vergebens schlingt Gunnar die Arme um sie; sie stößt ihn zurück und durchbohrt sich mit Sigurds Schwert.**) Darauf bittet sie, daß man sie mit Sigurd auf einem Scheiterhaufen verbrenne, zwischen sie beide aber das blanke Schwert lege, wie es der-

einst gelegen. Zum Unheil werden noch allzulange

Männer und Weiber zur Welt geboren; Doch wir beide bleiben zusammen, Ich und Sigurd!*)

Der Fluch ist durch selbstlose Liebe gesühnt; der Hort aber fällt wieder in die Gewalt der Nibelungen zurück.

Auch die Thidrekssaga(cap. 345 348) läßt den Mord auf der Jagd geschehen. Högni hat dem Koch geboten, die Speisen stark zu salzen und wenig Trank zu spenden. Er selbst reitet etwas später nach, weil er noch ein Zwiegespräch mit Brynhild hatte. Vom starken Jagen erhitzt,