leiht ihm Sigurd den Grani, aber der will ihm nicht gehorchen; und nun tauschen Sigurd und Gunnar die Gestalt, was Grimhild sie gelehrt hatte, und Sigurd reitet selbst gegen die Flammen.
Das Feuer erbrauste, Mit Grams Spitze spornte es bebte die Erde, Sigurd den Grani, Hoch flammte lodernd Da erlosch das Feuer die Lohe gen Himmel. von des Fürsten Ritte. Das wagte da keiner Vor Sigurd legte der Königsmannen, die Lohe sich alle, Zu Roß noch zu Fuß Und das Reitzeug erblinkte, durchs Feuer zu dringen. das Regin einst trug.*³)
Entsetzt erblickt Brynhild den fremden Mann, der sich Gunnar, Giukis Sohn, nennt und von ihr die Erfüllung ihres Gelübdes fordert. Da kann sie sich des nicht weigern. Drei Tage und drei Nächte bringt er bei ihr zu, aber er legt sein scharfes Schwert zwischen sich und sie. Dann nimmt er ihr den Andwaranaut vom Finger und steckt ihr Gunnars Brautring an. Und nachdem er mit Gunnar wieder die Gestalt vertauscht, führt dieser seine Braut an den Rhein: Der Fluch hat sich auf den Fafnirstöter allein gewendet.
Die Thidrekssaga schließt sich hier in den wesentlichen Punkten an unser mittelhoch- deutsches Nibelungenlied an, ja überbietet dasselbe noch in derbem Realismus(cap. 226— 230). Sigurd kommt in Thidreks Gefolge von Bertangaland nach Niflungaland, wo(nach cap. 169) Gun- nar mit seinen Brüdern Gernoz und Gislher und der Schwester Grimhild lebt(Högni ist Stief- bruder, durch einen Alb mit Oda, Aldrians Gemahlin, erzeugt, vgl. Anm. 31). Er vermählt sich mit Grimhild, giebt seinem Schwager Gunnar den Rat, um Brynhild, die in der Burg Saegard wohne, zu freien, und verspricht ihm seine Hilfe, die er denn auch— nicht durch den Ritt über die wabernde Lohe, auch nicht in den Kampfspielen, die die deutsche Sage an deren Stelle setzt, wohl aber— auf Gunnars ausdrückliches Verlangen— durch den Raub des Magdtums an Bryn- hild getreulich leistet. Nach 7 Tagen reitet man von Saegard fort; Gunnar setzt einen Häuptling über die Burg.
4) Der Haß der Frauen.“*) Am Rheine findet Brynhild den einst Geliebten mit einer Andern vermählt. Gram und Grimm verzehren ihre Seele.
„Allein saß sie außen zur Abendzeit,
Von den Lippen ihr lösten sich laute Klagen:
„Halten will ich den Heldensohn
Sigurd im Arme— oder sterben!—
Nun redet ich so— nun reut es mich wieder:
Gudrun ist Ihm, und Ich— bin Gunnars!
Arge Norn schuf ewiges Sehnen!“ ²⁵) Eines Tages badet sie mit Gudrun im Rhein. Und sie schreitet weiter hinaus in den Strom. Auf Gudruns Frage, was das zu bedeuten habe, antwortet sie: ‚Warum sollte ich mich hierin mehr als in anderen Dingen dir gleichstellen? Mein Vater ist mächtiger als der deine, und mein Mann hat mehr Heldenthaten vollbracht: er ist durch das brennende Feuer geritten; dein Mann aber war Hialpreks Knecht“.— Zornig erwidert Gudrun: ‚Weiser wäre es von dir, zu schweigen, als meinen Mann zu lästern. Auch steht es dir nicht wohl an, den zu schmähen, der dein erster Gatte war: er erschlug Fafnir und ritt durch die Waberlohe, da du ihn für Gunnar hieltest, und er wohnte dir bei und nahm dir den Ring Andwaris von der Hand; hier kannst du ihn sehen“’.*²*)— Da er- kannte Brynhild den Ring und ward bleich wie eine Tote, ging heim und sprach kein Wort mehr den Abend.
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