— 10.— auf, die vom Schlafdorn befreite Jungfrau schaut dem Jüngling in die leuchtenden Augen und fragt ihn nach seinem Namen. Und da er sich als Sigurd Sigmunds Sohn bekennt, da ruft sie jubelnd aus:
Heil dir, Tag! Heil, Tageswesen! Heil euch, Asen und Asinnen! Heil Heil, Nacht und Tochter der Nacht! dir, allernährenden Erde!
Blickt auf uns her mit holden Augen Gebet uns rechte Red' und Verstand und bringt den Betenden Sieg! und lebenslang heilende Hände!*⁵)
Darauf reicht sie dem neben ihr auf dem Sargstein sitzenden Sigurd den Minnetrank und erzählt ihm, sie sei Walküre und werde Sigrdrifa(Siegbetreiberin) genannt. Einst haben zwei Könige mit einander im Kampf gelegen: Hialmgunnar(Helmgunther) der ältere von beiden, ein mächtiger Kriegsmann, dem Odin den Sieg verheißen; der andere Agnar, der Bruder der Oda, dessen sich niemand habe annehmen wollen. Da habe sie den Hialmgunnar gefällt, aber Odin habe sie des zur Strafe mit dem Schlafdorn in Schlaf versenkt und ihr gesagt, sie solle fürder nie mehr den Sieg in der Schlacht erkämpfen. Auch habe er ihr verkündet, daß sie sich einem sterblichen Manne vermählen solle. ‚Ich aber that das Gelübde, mich keinem Manne zu vermählen, der sich fürchten könne“.**) Sigurd bat sie, ihn Weisheit zu lehren, da sie ja Kunde habe aus allen Welten. Und sie lehrte ihn die Runen und gab ihm die Wahl, sein Schicksal sich selber zu wählen. Darauf sprach er:„Kein weiseres Weib ist zu finden als du, und ich schwöre dir, daß ich dich besitzen muß, denn du bist nach meinem Sinn’. Sie aber schwur: ,Dich will ich am liebsten haben, und ob ich unter allen Männern wählen müßte“. Und das befestigten sie unter einander mit Eiden. Sigurd aber gab ihr den kostbarsten Ring aus der Nibelungen Hort— den Andwara- naut ²³⁰): Der Fluch wird von dem Jüngling und der Jungfrau aus Odins Geschlechte gemeinsam getragen.
Keine Spur von dieser hoheitsvollen Innigkeit des Verhältnisses zwischen Sigfrid und Brun- hild trägt der betreffende Abschnitt der Thidrekssaga(cap. 168). Sigurd reitet zur Burg Bryn- hilds, von der Mime ihm gesagt, schlägt die Eisenthür auf, haut sieben Wächter nieder und gerät in Kampf mit Brynhilds Rittern. Brynhild erkennt Sigurd, teilt ihm mit, daß er Sigmunds und Sisibes Sohn sei, und fragt ihn nach seinem Verlangen. Darauf schickt sie ihre Leute aus, das Roß Grani zu fangen. Dieses aber läßt sich nur von Sigurd einfangen. Er besteigt es, dankt Brynhild für ihre Bewirtung und reitet ins Bertangenland, wo er König Isungs Bannerführer wird.
3) Sigfrid und Krimhild.“¹“)— Als Königssohn batten die weissagenden Vögel den Sigurd begrüßt, als Königssohn hatte er die Walküre erweckt, als König wollte er wiederkommen, sie zur Gattin zu holen. Darum reitet er auf seinem mit Gold beladenen Roß nach einer Königsburg am Rhein. Dort herrscht Giuki mit seinen Söhnen Gunnar, Högni und Guthorm. Ihre Schwester ist Gudrun, die alte Königin aber Grimhild, ein übelgesinntes Weib und schlimmen Zaubers kundig. Und sie will den Helden und seinen Hort für sich und ihr Haus gewinnen. Da aber Sigurd der fernen Brynhild öfter erwähnt, so braut sie einen Vergessenheitstrank und reicht ihn Sigurd beim Mahl. Von der Stunde an war die Liebe zu Brynhild aus Sigurds Gedächtnis ausgelöscht; und da er sieht, daß Gudrun eine schöne Jungfrau ist, so vermählt er sich mit ihr und schwört Gunnar and Högni Blutbrüderschaft.
Nun war aber auch Gunnar noch unvermählt, und Grimhild redete ihm zu, mit Sigurds Hilfe um die schöne Brynhild zu werben. Und Sigurd zeigte sich alsbald bereit.**)— Brynhild aber harrte noch, von der wabernden Lohe beschirmt, des fernen Geliebten, und hatte sich, von ihren Verwandten bedrängt, dem zur Gattin gelobt, der das lohende Feuer durchritte. Denn sie wußte wohl, daß das niemand außer Sigurd mit seinem Grani vermöchte. Nun kommen die Helden vor die Burg; Gunnar spornt sein Roß gegen das Feuer, aber das scheut und weicht zurück. Da
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