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Was die vorliegende Arbeit betrifft, so möchte dieselbe ihre Berechtigung in der äußeren Anordnung des Stoffes und in der Beschränkung auf die beiden genannten Dichtungen finden. Zu letzterer sah sich der Verfasser gegen seine anfängliche Absicht durch die unter der Hand an- wachsende Fülle des Materiales gedrängt, die ihn auch bestimmte, an die Stelle der geplanten theoretischen Beleuchtung des Verhältnisses der beiden Dichtungen unter sich und zur Uberlieferung eine Reihe von ‚Anmerkungen’ treten zu lassen, die lediglich den Zweck haben, zu erneuter Lectüre der Werke selbst anzuregen, nebenbei auch durch die wenigen mitgeteilten Proben der nordischen Poesie aus den Quellen den Fernerstehenden eine gelegentliche Anschauung des verwandten ldioms gewähren wollen.*)
In der Schreibung der Eigennamen folgte der Verfasser, da er doch in dieser Hinsicht nicht beiden Dichtern gerecht werden konnte, dem allgemeineren Sprachgebrauch, der sich mehr an die nordischen Formen anschließt(Andwaranaut, Wodan, Hildebrand, Holmgard, Sigmund, Sigfrid Krimhild etc., dagegen Grimhild, wo von der nordischen, der Mutter, oder der der Thidrekssaga die Rede ist. Uber Loki s. Anm. II 9).
*) Für diejenigen Leser, welchen der der altnordischen wie der althochdeutschen Dichtung eigene und darum auch von Jordan und Wagner angewandte allitterierende Vers weniger geläufig ist, folge eine kurze Ueber- sicht über die verschiedenen Formen, in welchen derselbe bei unsern beiden Dichtern auftritt.
I. Bei Jordan erscheint er a) als der eigentliche epische Vers mit 4 Hebungen in 2 Vershälften: 1) in schwacher Stabung(1 Stab in je einer Hebung jeder Vershälfte): Beisp. Sie gaben der Schönheit zum Schatten den Leichtsinn, Der Stärke die Sicherheit, welche sie stürzt. 2) in starker Stabung(1 Stab in 3 Hebungen: 1 2 oder 2 1): Beisp. So wurde geschädigt, geschändet, verschüttet Die herrliche Halle des Heldenruhmes. 3) in voller Stabung(1 Stab in 4 Hebungen: 2 2): Beisp. Zuletzt sind Leiden der Lohn der Liebe.— Da ward uns erweckt der Weltüberwinder. 4) in verschlungener Stabung(2 Stäbe: abſab oder a b b a): Beisp. Ewige Wahrheit und echte Weisheit, Schimmernd verwoben in Wundergeschichten. 5) in trennender Stabung(2 Stäbe: a a b b):
Beisp. Der rünkevolle Régin, der fälsche Fafner.— Hildebrands Hérz stand still.
b) als lyrische Einlage, meist strophisch gegliedert, in Versen mit 2 Hebungen, deren Stäbe für je 2 Verse die Formeln unter a 3—5 ergeben:
Beisp. Dein Steru war im Steigen, Nun winkt ihm zur Wende,—= 4 5. Beneideter Sigfrid,
Der Nornen Gesang.— 44
(Derartige Einlagen finden sich in ‚Sigfridsage“ Ges. X. XVIII. XX. XXI. XXIII. XXIV; in „Hildebrands Heimkehr’ Ges. XV. XVII. XX. XXIV.)
II. Bei Wagner in Versen mit 2 oder 3 Hebungen in vielfach wechselnder Folge, wobei die sich öfters durch eine Reihe von Versen hinziehenden Stäbe bei der Verbindung von 2 Versen mit je 2 Hebungen auf die Formeln unter Ia zurückgeführt werden können, während die mit je 3 Hebungen keine Ana- logieen bei Jordan haben. Zwei Stellen aus der letzten Scene der ,Götterdämmerung’ mögen als Beispiele dienen..


