Aufsatz 
Flora der Umgebung von Laubach (Oberhessen) enthaltend: Die Gefäßpflanzen nebst pflanzengeographischen Betrachtungen (mit einer Karte)
Entstehung
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XIII

Wenden wir uns aber zu der gleichen Jahreszeit dem Lauterthale und Grünberg zu, so begegnet uns als Unkraut an lebenden Zäunen der stattlichste Vertreter der Taubnesseln: Lamium maculatum, der bei Laubach ein seltener Gast ist; im Hochsommer aber wird vor Grünberg auf den Wiesen unser Auge überrascht von dem grossblütigen Kreuzkraut: Senecio aquaticus, das sonst im Gebiete zu fehlen scheint. Und wieder etwas ähnliches zeigt uns im Mai das Seenthal. Rundum die Schreiners- mühle sind die Wiesen gelb von Trollius europäus, im Wetterthale zeigt er sich ja auch, doch nicht die Wiesen färbend. Indes will es mir scheinen, als ob die blaue, kugelige Rapunzel Phyteuma orbiculare nirgends so häufig als im Wetterthale sei, das allein auch Sarothamnus vulgaris aufzuweisen hat.

Ein besonderer Grund bietet mir Veranlassung, das vorliegende Pflanzenmaterial auch in seinem Verhältnis zur Gesamtflora zu mustern. An der westlichen Grenze unseres Gebietes auf dem Hessenbrücker-Hammer werden seit länger als fünfzig Jahren(1830) alljährlich viele Tausende von Zentnern Braunkohlen(an 150 000 Zentner pro Jahr) zu Tage gefördert. Ungefähr 15 m tief von Basalt überlagert, ruhten sie seit der Entstehung unserer Berge, einer Zeit entstammend, die Göthe im zweiten Teile seinesFaust zeichnet:

Grund erbebt, das Wasser staucht, Kies und Ufer berstend raucht. (Klassische Walpurgisnacht.) und:Hier aber war's! Plutonisch grimmig Feuer, Kolischer Dünste Knallkraft, ungeheuer, Durchbrach des flachen Bodens alte Kruste.

(ebenda.) 1 Vier Braunkohlenlager je 1m bis 2,5 m mächtig liegen in einer kesselförmigen Mulde mit einem Durchmesser von

rund 400 m übereinander, getrennt durch Schichten verkitteter, vulkanischer Asche, die zum Teil in Thon umgewandelt ist, mit, Zwischenlagerung von Bruchstücken basaltischer Gesteine. Zahl- reiche stärkere, flachgedrückte Stämme an siebzig Procent der Gesamtkohle werden zu Tage gebracht, unter denen die Struktur der hellbraunfarbigen, sowohl makroskopisch wie mikroskopisch, leicht zu erkennen ist. Die reihenweis angeord- neten Tüpfel, die Harzkanäle veranlassen uns, sie den Nadel- hölzern zuzuweisen. Die Blattabdrücke in denzwischenlagernden Thonen, die zahlreichen Blätter in den wie Glimmer spaltbaren sogenanntenBlätterkohlen, und die in den dunkleren, dichten Braunkohlenmassen begrabenen Früchte, reden zu uns in deut- licher Sprache von der Flora unseres Gebietes vor vielen Jahr- tausenden, von der Mitte und letzten Hälfte der sogenannten