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Blätter an den Zweigen in der Krone hochstämmiger Bäume fast ganzrandig und unbewehrt sind, während der Rand der Blätter an den strauchartigen Exemplaren in sperrig abstehende, stechende Zähne ausgezogen ist.“— Ge- wöhnlich wird angegeben, daß die Zähne in etwa ½ Meter Höhe über dem Boden auftreten. Westhoff beobachtete, daß in den oberen Regionen die Blatt- stacheln nur in geringerem Grade und endlich gar nicht mehr zur Ausbildung gelangen und dort die Spreite sich fast bis zur linealen Form verschmälert. Blühen und Fruchten trete erst in einem gewissen Alters- und Höhestadium ein. Goebel bemerkt, daß man das Fehlen der Stachel an den älteren Blättern damit in Zusammenhang bringen könnte, daß hier infolge der kräftigeren Ent- wicklung des Wurzelsystems die Ernährung, namentlich die Wasserzufuhr eine bessere geworden ist. Feuchtigkeit hemmt aber, wie Versuche dargetan haben, die Bildung von Dornen. Stahl verdanken wir wertvolle Angaben über das anatomische Verhalten dieser Blätter. Er konnte auch hier typische Sonnen- und Schattenblätter unterscheiden; ob sich diese allgemein mit wehrlosen, be- ziehungsweise bewehrten Blättern decken, gibt er leider nicht an. Die Sonnen- blätter bilden nach ihm eine ununterbrochene Schicht von Hypoderm unter der oberen Epidermis aus, während Schattenblätter dasselbe nur in der Nähe der Mittelrippe, der stärkeren Nebenrippen sowie des Blattrandes ausbilden. Die Ausbildung des Palisadengewebes ist auch bei den Schattenblättern, da die Pflanze eine wintergrüne ist, eine relativ starke.
Umbelliferae: Torilis heterophylla De Vis hat unten doppelt gefiederte, oben dreizählige Blätter.
Araliaceae: Die Heterophyllie von Hedera Helix wird im zweiten Teil ausführlich behandelt.
Saxifragaceae: Saxifraga bulbifera. Die Wurzelblätter sind gestielt, nierenförmig, lappig gekerbt; die Stengelblätter kurzgestielt oder sitzend, ein- geschnitten gezähnt, die obersten ganz. in den Achseln der oberen sitzenden Stengelblätter wie in denen der Deckblätter sitzen Brutzwiebeln.
Gephalotaceae: Cephalotus follicularis weist„Dimorphismus“ der Blätter auf, indem gewöhnliche langgestielte, mit einfacher, elliptischer Spreite ver- sehene Blätter neben Schlauchblättern in der Basalrosette auftreten. Für unsere Beurteilung gilt hier das bei Sarracenia und Nepenthes Gesagte.
Begoniaceae: Begonia fructicosa A. D. C., ein sudbrasilianischer Wurzel- kletterer. Der Hauptstengel wächst als Langtrieb an dem Stützbaum hinauf; die Seitenzweige entwickeln sich hauptsächlich in den oberen Partien, tragen Blüͤten und hangen herab. Der Dimorphismus in der Blattbildung ist kaum merklich.(Schenck.).
Leptospermae: Eine ziemlich reichhaltige Literatur liegt über das Verhalten von Eucalyptus Giobulus vor. Die von einander abweichenden Laubblätter folgen in verschiedenem Alter der Pflanze autfeinander. In der Jugend besitzt er ovale, sitzende, später sichelförmige, gestielte Blätter. Warming gibt an, daß die Blätter bei der jüngeren Pflanze gegenständig, bei der älteren zerstreut und durch Drehung des Blattstieles kantenständig stehen. Erstere zeigen dorsiventralen Bau, letztere sind auf beiden Seiten gleich gebaut. Oft treten, besonders an der Basis älterer Pflanzen, Rückschläge auf. Nach Tschirch haben die jungen, sitzenden Blätter einen Wachsüberzug, die älteren gestielten nicht. Hier vertreten sich also Vertikalstellung und Wachsüberzug gegenseitig. Magnus fand bei den vertikal gestellten Blättern die Spaltöffnungen eingesenkt und mit doppeltem Vorhof. Briosi untersuchte den anatomischen Bau der Cotyledonen, der sitzenden und der gestielten Blätter der Pflanze, und fand, daß die Cotyledonen bifaciales Mesophyll zeigen(dorsi- ventraler Bau), die sitzenden Eiblätter bereits auf der Unterseite eine Pseudo- palisadenschicht aufweisen, die in den Sichelblättern zu einer echten Palisaden-


