Aufsatz 
Zur Heterophyllie der Phanerogamen im allgemeinen und des Efeu im besonderen
Entstehung
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Sarraceniaceae: Es gibt Sarracenia-Arten, z. B. Sarracenia flava, welche neben Schlauchblättern(Fangblättern) auch schlauchlose Blätter be- sitzen. Nach Goebel handelt es sich in letzterem Falle nur um eine Ver- kümmerung der überall typisch vorhandenen Schlauchanlage.

Nepenthaceae: Nepenthes ampullaria zeichnet sich dadurch aus, daß regelmäßig an den Blättern der Langtriebe die Kannen nicht ausgebildet werden(obwohl sie der Anlage nach vorhanden sind), während an den boden- ständigen Kurztrieben Kannenblätter gebildet werden.*)

Marcgraviaceae: Von Marcgravia umbellata sagt Darwin:Wenn diese Pflanze bis zum Licht emporgeklettert ist, erzeugt sie freie Zweige mit abgerundeten Stengeln, mit scharf zugespitzten Blättern bekleidet, welche in ihrer Erscheinung von denen wunderbar verschieden sind, welche der Stamm trug, solange er anhing. Diesen überraschenden Unterschied habe ich auch an einem Exemplare der Marcgravia dubia in meinem Treibhause beobachtet. Nach Goebel ist bei kletternden Marcgravieen ganz allgemein die Jugendform durch plagiotrope Sprosse mit anliegenden Blättern, die Folgeform durch ortho- trope, nicht wurzelnde Sprosse mit abstehenden Blättern und Bluten ausge- zeichnet. Auch eine Verschiedenheit im anatomischen Bau wurde beobachtet, indem die Blätter der erstgenannten Sprosse auf der Unterseite ein lufthaltiges dickes, wahrscheinlich häufig von Wasser durchtränktes Gewebe als Schutz- decke für die Wurzeln besitzen. Hier, sowie bei Pothos-Arten gehören die Blätter der Jugendform dem Typus der Samtblätter an: ein auf die Blattfläche gebrachter Tropfen breitet sich rasch aus.

Schenck beschreibt bei Marcgravia Schimperiana n. sp. Tauchert an den plagiotropen Sprossen anliegende, die Wurzeln bedeckende rundliche oder ovale Blätter mit herzförmiger breiter Basis, mehr oder weniger nach unten gerichtet, an den orthotropen viel größere, lanzettliche, in der Mitte am breitesten ent- wickelte und auf der Unterseite mit zwei Reihen extrafloraler Nectarien ver- sehene, abstehende Blätter. Alle nur möglichen Ubergänge zwischen diesen beiden Formen trifft man an den zahlreichen kürzeren Seitenzweigen der kletternden Langtriebe.Gewöhnlich sind die Seitenzweige in ihrem unteren Teil dem Stützbaume noch dicht angeschmiegt und bewurzelt, im oberen Teile aber frei in die Luft ragend und wurzellos. Die Blätter derselben sind länger und schmäler als an den Langtrieben, die ersten weniger, die oberen in die Luft abstehenden am meisten denen der orthotropen Sprosse genähert. Die ersten Blätter, welche an den kletternden Langtrieben von jungen Pflanzen auf- treten, haben noch nicht die typische breite, ovale, am Grunde herzförmige Ge- stalt der späteren, dem Stützbaume angeschmiegten Blätter. In der ersten Jugend und an den Seitenzweigen treten somit- Blattformen auf, welche an die der orthotropen Sprosse erinnern und wie diese der ursprünglichen Blattform nach am nächsten stehen dürften. Ich habe es füúr noôtig gefunden, diese detaillierte Schilderung wörtlich wiederzugeben, nachdem wir später beim Efeu ganz ähnlichen Verhältnissen begegnen werden.

Aceraceae: Acer platanoides besitzt nach Kerner zu unterst kurz ge- stielte Laubblätter mit seicht dreilappiger Spreite; jeder Lappen ist dreieckig, ohne verlängerte Zähne; die obersten sind langgestielt, ihre Spreite fünf- bis siebenlappig, die einzelnen Lappen sind kurz und mit mehreren lang ausge- zogenen spitzen Zähnen besetzt.

Aquifoliaceae: Gut bekannt ist der Blattdimorphismus von Ilex aquifolium. Kerner sagt von der Pflanze:Hier kanh man sehen, wie die

*) Diese beiden letztgenannten Fälle liegen, obwohl in der Literatur allgemein als Dimorphismus bezeichnet, eigentlich außerhalb der von uns eingangs gegebenen Abgrenzung.