Aufsatz 
Zur Heterophyllie der Phanerogamen im allgemeinen und des Efeu im besonderen
Entstehung
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Urticaceae: Derselbe Forscher hat auch bei Boehmeria biloba ein- und zweispitzige Blattformen gefunden, wobei die Tendenz zur Bildung der zwei- spitzigen Form eine ursprüngliche, der Pflanze innenwohnende Eigentümlichkeit ist.

Lauraceae: Von Sassafras, Cinnamomum-Arten gibt Warming an, daß sie handnervige und gelappte Blätter zusammen mit ganzen haben, ohne auf die örtliche Verteilung weiter einzugehen.

Ranunculaceae: Die Gattung Ranunculus liefert uns mehrere, meist unbeachtet gebliebene Beispiele ausgeprägter Heterophyllie, unter denen Ranun- culus auricomus obenan steht. Die Pflanze hat langgestielte Wurzelblätter von nierenförmigem Umriß, welche anfangs ganz, später fünfspaltig sind. Die Stengel- blätter sitzen, vom Grunde an in 5 9 lanzettliche, wirtelförmig angeordnete Zipfel geteilt. Ich habe sie häufig derber entwickelt und im anatomischen Baue an den Typus derSonnenblätter gemahnend gefunden. Ahnlich verhält sich Ranunculus cassubicus und R. montanus. R. Thora hat gewöhnlich unten nur ein nierenförmiges, kurzgestieltes oder auch sitzendes Blatt, während die folgen- den zwei Blätter meist dreispaltig sind. R. ophioglossifolius hat gestielte, eiförmige Basalblätter und sitzende, lanzettliche Stengelblätter.

Einen sehr interessanten Dimorphismus beschrieb Ludwig bei Helleborus foetidus. Er unterscheidet hier Sommer- und Winterblätter(chionophobe, bezw. chionophile).Während die Sommerblätter mit den Blattstielrinnen breite Abschnitte, starke und am Rande deutlich gesägte Blätter haben(18 24 mm breit, mit 16 30 Sägezähnen, welche bekanntlich bei der Wasserversorgung eine Rolle spielen), die dünn und lederartig sind, sind die Winterblätter von derberer Konsistenz mit ganz schmalen, ungesägten Abschnitten von 47 mm Breite versehen, aut denen bei ihrer steilen Stellung fast gar kein Schnee verpleibt. Diese Heterophyllie reduziert daher im Verein mit anderen Ausrüstungen die Schneebedeckung auf ein Minimum.

Berberidaceae: Diphylleia cymosa entwickelt nach Goebel unten lang- gestielte, schildförmige, oben kurzgestielte, nicht schildförmige Blätter.

Cruciferae. Diese Familie stellt wieder ein größeres Kontingent zur Heterophyllie. Gewöhnlich wird in der Literatur nur Lepidium perfoliatum genannt. Die unteren Blätter dieser Pflanze sind gestielt, zwei- bis dreifach fiederteilig, die oberen herzförmig, stengelumfassend, ganzrandig. Zwischen beiden Blattformen finden sich UÜbergänge, nämlich sitzende, fiederspaltige Blätter. Er- hebliche Unterschiede treten auch bei Lepidium sativum zutage, dessen untere Blätter überhaupt sehr verschieden gestaltet sein können(gelappt, gefiedert, ganz), während die oberen stets ganz und schmal sind. Ahnlich sind die Ver- schiedenheiten bei Lepidium ruderale. Roripa pyrenaica, eine feuchte Wiesen bewohnende Art, hat große Verschiedenheiten in der Blattbildung. Die nassen Wurzelblätter sind immer ganz, länglich, gezahnt. Dann tolgen in der Regel leierförmig fiederige Blätter, die auch noch am untersten Teil des Stengels auf- treten, bisweilen auch fehlen können; zuoberst stehen wieder tief fieder- spaltige Blätter. Roripa lippizensis, auf sonnigen, felsigen Standorten, bildet analog untere eirunde, mittlere leierförmige, obere tief flederspaltige Blätter aus. Beck v. Managetta hebt die Verschiedenheit der Blätter von Carda- mine pratensis hervor; die grundständigen Blätter haben große, rundliche gezähnte Teilblättchen, von denen das endständige am größten ist; die stengelständigen hingegen zeigen ziemlich gleich große, schmälere Abschmitte. Khnliche Verschiedenleeiten treten zutage bei Capsella bursa pastoris(Grund- blätter fiederschnittig, Stengelblätter umfassend, ungeteilt), Alliaria officinalis, Arabis petraea(hier unterscheiden sich die oberen Blätter von den unteren außer in der Form auch durch den Mangel an Behaarung), Sisymbrium pannonicum, Thlaspi montanum, Bunias Erucago u. B. orientalis, Brassica-Arten und mehreren anderen.