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Haftwurzeln. An den unteren Klettersprossen werden negativ geotropische Haftwurzeln und eiförmige, zirka 15 cm lange, 6 cm breite, nach ½ angeordnete, dem Substrate dicht angeschmiegte Blätter gebildet, welch letztere die jungen, dicht unter der Insertion entspringenden Haftwurzeln bedecken. In den oberen Partien des Kletterstrauches werden freiherabhangende, positiv geotropische Nährwurzeln gebildet, welche den Boden erreichen, sich dort verzweigen und zur Wasserversorgung dienen. Die(zuoberst) frei in die Luft ragenden Sprosse tragen Blätter, die bei gleicher Lünge— etwa halb so breit wie vorige und nicht nach rückwärts gerichtet sind. Die zweizeilige Anordnung verliert sich und Wurzeln werden keine mehr erzeugt.
Dicotyledones.
Salicaceae: Populus euphratica bringt, wie schon lange bekannt, Blätter teils von der Form des Weiden-, teils des Pappellaubes hervor. Populus tremula hat ebenfalls zweierlei Blätter. Die von den Zweigen der Krone ausgehenden sind langgestielt, rundlich, kahl; die der Wurzelschößlinge und jüngeren Zweige jedoch kurzgestielt, eiförmig oder dreieckig, pehaart und tragen an der Grenze von Spreite und Stiel zwei aus den untersten Blattzühnen hervorgegangene Gebilde, die der Wasseraufnahme dienen. Kerner weist hier darauf hin, daß die sogenannten„Lodenblätter“ sich überhaupt sehr häufig von den anderen Blättern derselben Pflanze unterscheiden, so außer hier auch bei Quercus-, Fagus-, Betula-, Morus-, Acer- und Broussonetia-Arten. Diese aut Verstümmelung erfolgende Gestaltsänderung ist aber weder von klimatischen noch Boden- Einflüssen abhängig und erhält sich auch nicht, sodaß die später an den Loden auftretenden Blätter wieder ganz den normalen gleichen.
Piperaceae: Piper fluminense C. D. C., eine wurzelkletternde Liane des südamerikanischen Urwaldes, hat nach Schenck als ältere Pflanze zweierlei Sprosse. Langtriebe, die mit Adventivwurzeln sich am Stützbaum befestigen, und frei von oben herabhängende Seitenzweige ohne Adventivwurzeln. Die Blätter beider Sproßformen sind nur wenig von einander verschieden, indem die der Kletter- sprosse am Grunde eine nierenförmige Ausbuchtung aufweisen, die den Blättern der Lufttriebe fehlt. Zur Blüͤte scheint die Pflanze erst zu gelangen, wenn sie die Krone des Stützbaums erreicht hat.
Moraceae: Bei Morus nigra, M. alba und Broussonetia papyrifers findet man die oberen Blätter der Zweige vielfach gebuchtet oder gelappt, während die anderen eine ungeteilte Spreite aufweisen. Auch diese Ausschnitte dürften, ähnlich wie die Perforationen von Monstera und Tornelia, mit dem Lichtgenuß der tiefer stehenden Blätter in Zusammenhang stehen.
Ficus pumila L.(= F. stipulata Thunbg) hat nach Schenck ühnlich wie Piper fluminense zweierlei Sprosse: Klettersprosse mit kleinen, anliegenden, dicht gedrängten Blättern und Adventivwurzeln, welche vielleicht auch der Nahrungsaufnahme dienen— und oben über der Baumkrone fertile, wurzellose Luftsprosse mit größeren, dicken, ovalen Blättern, bei denen das Maximum der Breite in der Blattmitte liegt, während die Blätter der Klettersprosse an der Basis am breitesten und hier auch etwas herzförmig gestaltet sind.— Bei Ficus Carica sind die Blätter in der Regel herzförmig, gekerbt oder geschweift, die untersten häufig ungeteilt. Auch bei Artocarpus incisa zeigen die oberen Blätter vorne zahlreiche Einschnitte, deren Zahl bei den unteren beträchtlich reduziert ist oder welche auch gänzlich fehlen können. Klein hat auch an Ficus australis außer den normalen Blättern die Bildung gebuchteter beobachtet und betrachtet dieselben als Anfang zur Heterophyllie,—„die ja bei Moraceen uberhaupt öfters und auch bei Ficus vorkommt.“—


