Aufsatz 
Zur Heterophyllie der Phanerogamen im allgemeinen und des Efeu im besonderen
Entstehung
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Landpflanzen.

Gymnospermae: Coniferge.

Unter den Cupressaceae zeigen jene Formen, welche im erwachsenen Zustande schuppenförmig anliegende, vom Coniferentypus abweichende Blätter besitzen, wie Chamaecyparis-, Thuja-, Cupressus-, Gallitris- und Juniperus- Arten, die Erscheinung, daß die Keimpflanzen mit der Bildung nadelförmiger Primärblätter beginnen, und andererseits treten auch an ausgewachsenen Pflanzen, besonders an der Basis, Rückschläge auf diese Jugendformen auf. Man kann bekanntlich manche dieser Jugendformen fixieren, was z. B. unter anderem bei Chamaecyparis pisifera von den Japanern mit Vorliebe betrieben wird. Man erhält auf diese Weise(durch Stecklinge) Pflanzen von ganz anderem Aussehen als die normal entwickelten Exemplare derselben Art und hat der- artige Formen als Retinispora sguarrosa, ericoides etc. bezeichnet. Es ist nach Goebel wahrscheinlich, daß auch hier durch ungünstige äußere Bedingungen (Topfkultur) das Auftreten der Folgeform verhindert wird. Unter den Abietaceae geht bei Pinus und Larix die Ausbildung von Lang- und Kurztrieben mit einem allerdings weniger ausgeprägten Dimorphismus der Nadeln einher. Die an den Langtrieben auftretenden linealen Primärblätter von Larix überwintern im Gegensatze zu den rosettenständigen, im übrigen gleichgestalteten Blättern der Kurztriebe. Bei Pinus sind die Langtriebe mit schuppenförmigen, nicht grünen(Nieder-) Blättern besetzt, die Kurztriebe mit den bekannten Nadeln. Die Keimpflanze bildet nadelförmige Primärblätter, deren Dauer eine kurze ist, (bei P. silvestris verschwinden sie bereits im 2. Jahre und gehen nach oben in die Schuppen über) dann folgen ebenfalls nadelförmige, anatomisch aber einfacher gebaute Folgeblätter.

Monocotyledones: Araceae: Monsteradeliciosa und M. egregia sowie Tornelia fragrans(= Philodendron pertusum) zeigen einen an Ouvirandra erinnernden Dimorphismus der Blätter, indem die Blätter älterer Exemplare rund- liche Löcher aufweisen, während diejenigen junger niederer Stöcke solcher Perforationen entbehren. Es dürfte sich nach Kerner hier um einen Licht- durchlaß für die tiefer stehenden Blätter handeln. Kußerst interessante Ver- hältnisse, deren Kenntnis wir Ridley verdanken, bieten uns manche Wurzel- kletterer unter den Aroideae, z. B. Anadendrum medium. Die oberen Blätter sind dunkel glänzendgrün, abstehend gestielt, fiederschnittig, die unteren zart, samtig, grün, ungeteilt, anliegend, sitzend. Mit den oberen Blättern treten auch die Blüten auf. Die Verschiedenheit beider Blattformen ist so groß, der Habitus der Pflanze ein so wechselnder, daß man auch hier, bevor man den Zusammenhang ahnte, beide Formen getrennt alsPothos flexuosa undRaphi- daphora-Form beschrieb. Auch hier können in der Region der geteilten(oberen) Blätter sitzende, ungeteilte gelegentlich an herabhängenden Ausläufern gebildet werden. Nach Ridley soll die Pflanze nur, wenn sie an Baumstämmen hoch genug gewachsen ist, zur Bildung der Raphidaphora-Form schreiten, nicht dagegen an Felsen und Mauern. Goebel bezweitelt dies mit Rücksicht auf das später noch ausführlich zu beschreibende Verhalten des Efeu. Stecklinge der Raphidaphoraform kehren nie zur Pothosform zurück. Ridley hält die Entwicklung der Raphidaphoraform für unabhängig vom Licht, da sie bisweilen im Dunkel des Waldes erfolge, andererseits auch mitunter an besonnten Stellen die Pothosform sich nicht weiter entwickle. Doch dürften hier wohl noch andere Faktoren im Spiele sein, deren Vorhandensein oder Fehlen von Bedeutung ist. Eigenartige Verhältnisse, welche Schenck aufgedeckt hat, finden wir bei der südbrasilianischen Heteropsis salicifolia Kth. Hier gesellt sich nämlich zu einem Dimorphismus der Sprosse und Blätter auch ein solcher der Adventiv-