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wir derzeit, da analoge Beobachtungen der Keimungsgeschichte nicht vorliegen, mit einem Urteile noch zurückhalten. Worauf ist nun diese auffallende Ver- schiedenheit in der Ausbildung der Blätter der genannten Wasserpflanzen zurückzuführen?
Wenn wir berücksichtigen, daß bei gänzlich untergetaucht lebenden Pflanzen eine derartige Verschiedenheit sich nicht vorfindet, so liegt allerdings die Ver- mutung nahe, sie auf ausschließliche Rechnung der verschiedenen Medien zu setzen. Man darf aber dabei nicht außeracht lassen, daß die Pflanze auch noch anderen Einflüssen ausgesetzt ist, unter denen das Licht obenan steht,— daß ferner die Beleuchtungs-, Temperatur-, Druck-, Strömungs- und Ernährungs- verhältnisse in verschiedenen Tiefen des Mediums andere sein können. Goebel weist darauf hin, daß sich die submersen Organe der Wasserpflanzen zu den herausragenden etwa so verhalten, wie die später zu besprechenden Schatten- blätter zu den Sonnenblättern der Landpflanzen. Er beantwortet die Frage, ob die Primarblätter der monocotylen Wasserpflanzen als eine direkte Anpassungs- form an das Wasser zu betrachten seien oder nicht, dahin, daß bei dem Umstande, als die große Mehrzahl der anderen Monocotylen die bandförmige Ausbildung der Blätter als die typische hat und diese Blätter dem Landleben sich auch anpassen können, eine direkte, ausschließliche Einwirkung des Mediums im allgemeinen nicht anzunehmen ist. Die bandförmigen Wasserblätter sind als „Hemmungsformen“ aufzufassen. Hemmend wirken tiefes, aber auch rasch strömendes Wasser. Als„Rückschläge“ können die primären Formen bei Land- kultur auftreten(Eichhornea). Bei Sagittaria ist die Mitwirkung des Lichtes erwiesen, indem bei schwacher Beleuchtung die Versuchspflanze auf dem Stadium der Primärblattbildung stehen bleibt, bei höherer Lichtintensität dagegen auch die pfeilförmigen Blätter zur Ausbildung bringt. Bei den Dicotyledonen sind die bandförmigen Blätter von Victoria, Nuphar, Nymphaea gleichfalls in die Kategorie der Hemmungsbildungen einzureihen und ist speziell bei Nuphar, deren Wasserblätter nur im Herbst und Frühjahr gebildet werden, während die Bildung der Schwimmblätter in den Sommer fällt, die Abhängigkeit derselben von einer bestimmten Beleuchtungsintensität sehr wahrscheinlich. Eine direkte Einwirkung des Mediums dürfen wir zur Zeit nur bei den Wasser-Utricularien, deren Luft- sprosse, falls sie im Wasser sich weiterentwickeln müssen, sich zu geteilten und reich verzweigten Wasserblättern umbilden, sowie bei Ranunculus multifidus (= R. Purshii) annehmen. Das gleichzeitige Auftreten der Folgeblätter mit den Blüten berechtigt uns nach Goebel noch nicht zu der Folgerung, daß ihre Bildung von der Blutenbildung abhänge; kann doch die Blutenbildung auch ohne Anderung der Blattform eintreten und hängt sie überhaupt auch von anderen Faktoren, z. B. vom üppigen Wachstum der Pflanze, ab und setzt nach Kraus auch bestimmte innere, auf molekularen Anderungen der Protoplasmen beruhende Umwandlungen voraus.
Höchst bedeutsame Versuche hat vor kurzem Klebs durchgeführt, dem es gelang, willkürlich Anderungen der Entwicklung bei verschiedenen Pflanzen durch Anderung der äußeren Bedingungen hervorzurufen, unter anderm bei Glechoma hederacea. Wenn Ableger dieser Pflanze im März in kleinen Töpfen mit begrenzter Nährstoffmenge in der Erde, trocken und möglichst hell kultiviert wurden, zeigten sich im Juni die ersten Bluten, welche direkt an den horizontal kriechenden Ausläufern selbst erschienen. Umgekehrt, Blutentriebe ins Ge- wächshaus gebracht, zeigten die Erscheinung, daß alle aufrechten bluhenden Triebe in den rein vegetativen Zustand zurückschlugen.„Allgemein wird das Wachstum durch die Gesamtheit alles dessen erregt, was als gunstige Ernährung zu bezeichnen ist, während für die Veranlassung des Fortpflanzungsprozesses eine Einschränkung und Veränderung der Ernährung charakteristisch ist.“


