Aufsatz 
Zur Heterophyllie der Phanerogamen im allgemeinen und des Efeu im besonderen
Entstehung
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Entwicklung eine Verschiedenheit in der Ausbildung der Blätter sich äußert, ohne daß damit ein entschiedener Funktionswechsel oder eine spezifische Neben- funktion verbunden wäre. Diese Verschiedenheit kann sich äußern in einem gewissen Schwanken der Blattform, unabhängig von äußeren Einflüssen und der zeitlichen Aufeinanderfolge der Sprosse: Polymorphismus, wie ein solcher bei Gleditschia sinensis, Liriodendron tulipifera, Platanus orientalis und P. occidentalis nach Krasser, bisweilen bedingt durch das Auftreten atavistischer Elemente, vorkommt oder in einem mehr, minder ausgesprochenen Dimorphismus der Blätter, auch Heterophyllie genannt, als welche man die Ungleichblättrigkeit der zeitlich aufeinanderftolgenden Sprosse infolge innerer Ursachen, allerdings ausgelöst durch äußere Einflüsse, bezeichnet. Wohl zu unterscheiden hievon ist die gleichfalls nicht seltene Ungleichblättrigkeit infolge der Lage des Sprosses, Anisophyllie, wie sie bei Goldfussia anisophylla, Acer, Aesculus, Urtica und vielen anderen sich findet, um deren Erforschung sich besonders Wiesner große Verdienste erwarb. In der Literatur wird angegeben, daß Heterophyllie zuerst an Populus euphratica, welche Blätter teils von der Form des Weiden-, teils des Pappelblattes hervorbringt, beobachtet wurde. Wir finden aber schon bei Theophrast diesbezügliche Beobachtungen. In seiner Naturgeschichte der Ge- wächse(verdeutscht von Sprengel, Altona 1822), I. Buch, Kap. 10, schreibt er: Die Blätter der übrigen Bäume sind sich alle einander gleich; unähnlich aber und von anderer Gestalt sind die Blätter der weißen Pappel, des Efeu und des sogenannten Wunderbaums. Bei letzgenannter Pflanze, dem Wunderbaum (6 ²εouεeνοs Korcv, wohl Ricinus communis), hatte, wie schon Sprengel dazu- setzt, der Autor wohl die Verschiedenheit der Keim- und Mittelblätter vor Augen.

Heute wissen wir, daß Heterophyllie eine durchaus nicht seltene Er- scheinung, sowohl bei Kryptogamen: Lejeunia heterophylla und Rrullania-Arten (epiphytische Lepermoose), Salvinia natans, tropische Polypodium- und Platycerium- Arten(epiphytische Farne), als auch bei Phanerogamen ist. Bloß letztere wollen wir einer näheren Betrachtung unterziehen. Scharfe Grenzen zwischen Polymorphis- mus und Heterophyllie lassen sich wohl kaum ziehen, wie ja auch zwischen letzerer und der Homophyllie vielerlei Übergünge existieren. Immerhin wird es zweckmäßig sein, die Bezeichnung Heterophyllie für eine auffallend ver- schiedene Ausbildung der Blätter innerhalb ihrer typischen Assimilationsfunktion, auf verschiedene Entwicklungsstadien verteilt, zu gebrauchen, jene Fälle aber, wo es sich um geringfügige Unterschiede oder aber eine deutliche Umbildung handelt, auszuschließen. Die im folgenden in einer kurzen UÜbersicht aufgezählten Pflanzen wurden entweder schon seit langem als markante Beispiele für Hetero- phyllie ausdrücklich angeführt oder müssen es, soweit dies nicht geschah, nach obiger Definition werden. Eine auch nur annähernde Vollständigkeit konnte und wollte ich hier auch gar nicht erreichen. Wenn ich dabei eine Scheidung in Wasser- und Landpflanzen getroffen habe, so geschah dies lediglich aus Gründen der Zweckmäßigkeit und Übersichtlichkeit; keinesfalls soll damit der Anschein

erweckt werden, als ob die Verhältnisse bei ersteren etwa einfacher wären und uns klarer vor Augen lägen.

Wasserpflanzen.

monocotyledones.

Hauptsächlich dank der umfassenden, exakten Untersuchungen Goebels

wissen wir, daß alle bisher untersuchten Pontederiaceae(Eichhornea azurea und E. paniculata, Heteranthera zosterifoliay, Cyperaceae(Scirpus lacustris),

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